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Episch-tragisch-bittere Niederlage

Borussia verpasst den Champions-League-Sieg

Foto: Kenny Beele

von Tobias Kemberg

Gleich mehrfach stehen die Düsseldorfer dicht vor dem siebten Triumph im wichtigsten Vereinswettbewerb des europäischen Tischtennis. Doch am Ende eines fesselnden Thrillers jubelt entgegen der Gewohnheit der Gegner aus Saarbrücken, der sich nach dem Golden Match zum ersten Mal in der Klubgeschichte die Krone der Königsklasse aufsetzt.

Mehr Drama geht nicht. Zumindest hatten sie das bei Borussia Düsseldorf nach dem gewonnenen Halbfinale in der Champions League gegen den TTC Neu-Ulm gesagt. Am Montagabend aber legte der Rekordmeister tatsächlich noch ein Sequel zum bislang epischsten aller Tischtennis-Thriller hin – diesmal jedoch mit bitterem Ausgang, denn nach mehr als viereinhalb Stunden Spielzeit war es der 1. FC Saarbrücken der im ausverkauften ARAG CenterCourt den Champions-League-Sieg bejubelte.

Nach fünf gespielten Einzeln stand es 2:3 aus Sicht der Borussia, die das Hinspiel drei Tage zuvor mit demselben Resultat für sich entschieden hatte. Die Entscheidung fiel dadurch erst im Golden Match, in dem lediglich Dang Qiu einen Satz holte. „Das war wieder ein verrücktes Duell heute. Aber Saarbrücken hat verdammt stark gespielt“, sagte der an der Schulter verletzte Timo Boll.

Anton Källberg verliert erneut beide Einzel

Im Auftakteinzel benötigte Dang Qiu rund eineinhalb Sätze, um seine Leichtigkeit aus seinen beiden Auftritten vom Hinspiel wiederzufinden. Doch nachdem Darko Jorgic die ersten Minuten das Geschehen am Tisch diktierte, übernahm der Europameister mehr und mehr das Kommando. Spätestens ab dem dritten Satz war Qiu der spielbestimmende Mann. Jorgic konnte nun nur noch reagieren und musste dem 26-Jährigen nach vier Durchgängen zum Sieg gratulieren.

Nach seinen beiden Einzelniederlagen in Saarbrücken war Anton Källberg im zweiten Match des Abends deutlich anzumerken, dass er etwas gutzumachen hatte. Borussias Schwede traf erneut auf Patrick Franziska, der ihm in Hinspiel eine empfindliche 0:3-Niederlage beibringen konnte. Beide waren darum bemüht, die ganz langen Ballwechsel eher zur Ausnahme zu machen. Immer wieder forcierten sowohl Källberg als auch Franziska den schnellen Punktgewinn – bis es zum sechsten Ballwechsel im vierten Satz kam, dem spektakulärsten des ganzen Abends, an dessen Ende es die Zuschauer von ihren Sitzen riss.

Es entwickelte sich ein packendes Duell mit atemberaubenden Ballwechseln und ständigem Wechsel des Momentums. Källberg führte bereits mit 2:0, doch Franziska arbeitete sich mit Ruhe und einer nun geringeren Fehlerquote zurück in das Match, das im als Kurzsatz gespielten fünften Durchgang seinen Höhepunkt erreichte. Beim Stand von 5:5 hatten beide Protagonisten zeitgleich Matchball und anstatt 2:0 für die Borussia hieß es nach dem entscheidenden Fehler Källbergs doch 1:1.

Irgendwas zwischen hochspannend und komplett verrückt

In seinem zweiten Champions-League-Finaleinsatz bekam es der 20-jährige Kay Stumper mit Takuya Jin zu tun. Der junge Borusse kam, sicherlich auch durch sein 3:0 im Einzel des Hinspiels gegen Cedric Nuytinck, gut aus den Startblöcken. Stumper variierte das Tempo, wirkte enorm fokussiert und entzauberte den Japaner mit dem Rückenwind des Publikums mit 3:0.

Foto: Kenny Beele

Das Aufeinandertreffen zwischen Qiu und Franziska knöpfte von der Spannung nahtlos an das Einzel der beiden Nationalspieler vom Freitag an, das der Düsseldorfer mit 21:19 im vierten Satz für sich entscheiden konnte. Franziska führte bereits mit 2:0 und fast alle in der Halle richteten sich gedanklich auf das fünfte Spiel des langen Tischtennisabends ein – nicht aber Qiu, der im vierten Satz drei Matchbälle abwehrte und im fünften Durchgang mit 5:3 in Führung ging. Weil er aber keinen der drei folgenden Bälle gewann, brachte Franziska sein Team doch noch mal zurück.

So ging es ins fünfte Einzel zwischen Källberg und Jorgic – und erneut entwickelte sich ein irres Spiel, an dessen Ende die Aufholjagd des Borussia-Profis ohne Erfolg blieb. Durch das 2:3 aus Düsseldorfer Sicht musste die Entscheidung im Golden Match her, in dem maximal drei einzelne Sätze über Triumph oder Niederlage entscheiden.

Das hochspannende und mitunter hochklassige Finale hatte sich längst zu einer nervlichen Zerreißprobe für aktiv Beteiligte und Zuschauer entwickelt. Qiu legte mit einem 11:7 gegen Jin vor, danach bekam Källberg zum zweiten Mal im Verlauf dieses Tischtennis-Epos die Möglichkeit, um für die Entscheidung zu sorgen. Doch nach einem 6:11 ging der Schwede wieder als Verlierer aus der Box. Die letzte Hoffnung für die Borussia hieß Kay Stumper, aber der Youngster des Teams unterlag Darko Jorgic trotz hervorragender Gegenwehr mit 9:11. So blieben am Ende nur lange Gesichter und Riesenenttäuschung auf Seiten der Borussia, die am Ende solcher Matches sonst eigentlich (fast) immer jubelt.

STATISTIK
Borussia – Saarbrücken 2:3
Dang Qiu – Darko Jorgic 3:1 (9:11, 11:9, 11:7, 11:7)
Anton Källberg – Patrick Franziska 2:3 (11:8, 11:9, 7:11, 8:11, 5:6)
Kay Stumper – Takuya Jin 3:0 (11:6, 11:9, 11:9)
Qiu – Franziska 2:3 (9:11, 8:11, 11:8, 12:10, 5:6)
Källberg – Jorgic 1:3 (9:11, 6:11, 11:6, 11:13)
(Hinspiel 3:2)
GOLDEN MATCH 1:2
Qiu – Jin 11:7
Källberg – Franziska 6:11
Stumper – Jorgic 9:11

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