Ultras setzen Zeichen gegen Depression

Aktive Fanszene der Fortuna spricht Tabuthema an

Foto: Horstmüller

von Tobias Kemberg

Gemeinsam mit dem Düsseldorfer Bündnis gegen Depression möchten die organisierten Anhänger des Fußball-Zweitligisten nicht nur in Fankreisen ein Bewusstsein für eine Krankheit schaffen, die immer noch zu selten offen angesprochen wird.

Depressionen sind nach wie vor zu oft ein Tabuthema. Erst kürzlich sprach Eishockey-Legende Daniel Kreutzer im Rahmen einer virtuellen DEG-Talkrunde über seinen Kampf mit der Krankheit, die von vielen Menschen in der Gesellschaft nach wie vor unterschätzt, als nicht so schlimm abgetan oder schlichtweg nicht erkannt wird. Betroffen sind Menschen aus allen Bereichen und Altersgruppen. Und gerade in Zeiten der Pandemie haben es jene nicht selten noch ein bisschen schwerer.

Ein Zeichen setzen und ein Bewusstsein für die Thematik schaffen – das haben sich auch die Ultras Düsseldorf einmal mehr vorgenommen. Die organisierte Fanszene von Fußball-Zweitligist Fortuna hat gemeinsam mit dem Verein und dem Düsseldorfer Bündnis gegen Depression eine Online-Auktion gestartet. Dabei können spezielle Gegenstände oder Aktionen rund um die Fortuna ersteigert werden. Der Erlös wird der Arbeit des Bündnisses zugeführt.

Im Fußball und auch in den Fankurven herrscht bekanntlich oft eine raue Atmosphäre. Das ist ein Mikrokosmos, in dem viele Menschen sich generell keine Schwächen eingestehen möchten. Erst recht nicht, wenn es um ein sensibles Thema wie Depressionen geht“, erklärt Alex. Der 37-Jährige ist seit vielen Jahren Teil der Düsseldorfer Ultra-Szene und sagt: „Unser Aufruf lautet: ,Sprecht darüber.‘ Das ist ein erster, wichtiger Schritt. Fast jeder, der einmal genau überlegt, wird feststellen, dass er oder sie im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis damit schon einmal Berührungspunkte hatte.“

Verein hilft den organisierten Anhängern beim Herstellen von Kontakten

Die Ultras Düsseldorf erlebten vor einigen Jahren aus nächster Nähe, wie es ist, wenn die Krankheit endgültig die Oberhand gewinnt und Menschen keinen Ausweg mehr sehen. Jenes Erlebnis hat in der Fanszene bereits 2019 für eine besondere Aktion gesorgt. Beim Spiel der Fortuna gegen den FC Bayern München wurden 5000 Euro gesammelt, um die Arbeit des Bündnisses zu unterstützen. Den Vortragsabend im mittlerweile abgerissenen „Haus der Jugend“, der in diesem Zusammenhang seinerzeit durchgeführt wurde, besuchten rund 150 Leute. „Es gilt, dieses Thema immer wieder in den Fokus zu rücken“, sagt Alex. „Damit Depressionen endlich enttabuisiert werden.“

Schon nach der ersten Aktion im Jahr 2019 meldeten sich Fanszenen anderer Vereine bei den Düsseldorfer Ultras. Das positive Feedback freute die Initiatoren, doch deswegen werden Aktionen wie die Online-Auktion nicht gestartet. „Wir können nicht für andere Klubs sprechen, und wir machen diese Dinge nicht für ein positives Feedback anderer Fangruppen. Unser Engagement hat primär einfach das Ziel, ein Bewusstsein für diese Krankheit zu schaffen“, erklärt der Düsseldorfer Ultras-Sprecher. Die Fortuna ist als Verein ganz nah an den Aktionen dran und öffnet den Ultras in Bezug auf Umsetzung und Reichweite entsprechende Türen. So sollen möglichst viele Menschen abgeholt und für das Thema sensibilisiert werden.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Ultras Düsseldorf sowie der Seite united-we-stand.online. Dort findet sich auch ein Link zu den jeweiligen Online-Auktionen.

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