Boner: Ich bin total heiß auf dieses Spiel

Schon in Ulm könnten die ART Giants den Aufstieg schaffen

Foto: Kenny Beele

von Norbert Krings

Es könnte an diesem Freitag in Ulm das wichtigste Saisonspiel für die ART Giants sein – und die Krönung einer ganz besonderen, großartigen Zeit für Düsseldorfs Basketballer werden. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga ProA winkt, doch darüber denkt noch niemand bewusst nach. Erst muss dazu noch ein Spiel – oder zwei – gespielt werden, und dem Team von Trainer Florian Flabb fehlt noch ein einziger Sieg zum Aufstieg und danach das Finale als Kür.

Wir sprachen mit dem „Big Man“ der ART Giants, Lennart Boner, wie er und seine Teamkameraden den Wahnsinn komplett machen und die absolute Sensation schaffen wollen. Wir passten ihn auf dem Weg zum Physio ab.

Herr Boner, wie groß ist die Vorfreude auf dieses zweite Spiel gegen Ulm?
Lennart Boner: Freude ist das falsche Wort, ich bin total heiß auf dieses Spiel. Wir haben die Ziellinie in Sichtweite und brauchen noch einen Sieg, der kommen muss. Das hat bei jedem von uns noch einmal Kräfte freigesetzt, die wir noch gar nicht kannten. Obwohl wir so viele Spiele inzwischen in den Beinen haben, fühlen wir uns immer noch gut. Die Trainingseinheiten waren gut, man fühlt sich von daher noch nicht am Ende der Saison. Wir sind fokussiert dabei und haben nur noch das große Ziel im Hinterkopf.

Das Herz bestimmt also, was der Körper und die Beine machen?
Boner: Absolut, das stimmt genauso. Ich bin zwar nicht ganz von kleineren Verletzungen verschont worden im Laufe der Spielzeit, aber jetzt, wenn es um so viel geht, ist das fast völlig vergessen. Man wird förmlich vom Adrenalin getragen.

Hättet Ihr Euch diese Wendung der Saison als Team so vorstellen können?
Boner: Das ist keine leichte Frage. Als Sportler haben wir natürlich immer Bock, jedes Spiel zu gewinnen. Wenn man diesen Gedanken zu Ende spinnt, ist man am Ende Meister. Aber das geht wohl jedem Team so. Sportlicher Ehrgeiz und Vernunft spielt da hinein, aber wir sind ja nicht auf den Kopf gefallen und träumen nicht nur. Doch das Ganze, was wir vielleicht tatsächlich mal geträumt haben, jetzt in die Wirklichkeit zu bringen, ist ein Wahnsinnsgefühl.

Vollkommen konzentriert: Lennart Boner. Foto: Kenny Beele

Es ist aber auch sportlich eine große Entwicklung im Team zu erkennen…
Boner: Auf jeden Fall. Es ist immer leicht, in dieser Situation zu behaupten, dass man das geahnt hat. Da bin ich zu sehr Realist. Es gab Phasen, zum Beispiel in der Startphase, da hatten wir andere Probleme. Da hat unser Trainer die richtigen Worte gefunden, dass die Saison ein ganzheitlicher Prozess ist und wir uns auf jedes einzelne Spiel konzentrieren sollen. Das hat funktioniert.

Wie ist es zu diesem klaren Ergebnis im ersten Spiel gegen einen starken Gegner aus Ulm gekommen, der sich gegen Münster so überzeugend durchsetzen konnte?
Boner: Der Respekt war groß und das hat sich auch nach dem ersten Spiel nicht geändert. Wir werden durch das Trainerteam ideal vorbereitet. Die Mannschaft des Gegners war so gut aufgeschlüsselt, dass wir einen guten Eindruck hatten und auf den ersten bis zwölften Spieler gut vorbereitet waren. Wir wissen, dass diese Jungs es auch anders können. Wir wollen aber gerne das Spiel so gut wie möglich wiederholen, indem wir in den entscheidenden Phasen dem Gegner Sachen anbieten, die dieser nicht mag. Zum Beispiel wollen wir den schnellen Aufbauspielern auf den Füßen stehen und den Langen unter dem Korb keinen Freiraum lassen und ihnen physisch entgegentreten.

Die Dreier-Versuche der Ulmer werden wohl nicht noch einmal so daneben gehen, oder?
Boner: Das stimmt, eine solche Situation hatten wir im Play-off auch mal. Die Ulmer werden sich da rauskämpfen und mit einer Menge Wut im Bauch agieren. Darauf muss man vorbereitet sein.

Die ART Giants treffen aber auf ein junges Team. Ist die größere Erfahrung ein Vorteil?
Boner: Das ist es auf jeden Fall. Das wollen wir nutzen. Ich will mich da gar nicht in den Vordergrund stellen. Aber ich habe gemerkt, dass ich einer der Älteren bin. Wir zehren von der Erfahrung von Miku (Andrius Mikutis) und Mark (Gebhardt), weil sie einige Schlachten geschlagen haben und unsere Truppe zusammenhalten. Sie rütteln uns auch immer wieder wach. Der eigentlich zurückhaltende Miku ist dann präsent, wenn es eng wird und gibt den Ton an. Das gibt den jungen Spielern und uns allen noch einmal einen Impuls.

Die ART Giants sind eine richtige Mannschaft und nicht nur auf Booker Coplin angewiesen. Gibt auch das Kraft und Motivation?
Boner: Ja, auf jeden Fall. Das haben wir uns auf die Fahnen geschrieben von Tag 1 an. Booker weiß, dass er nicht allein gewinnen kann, und wir brauchen ihn. Auch Miku kann den Dreier nicht allein herausspielen, da muss für ihn gearbeitet werden. Unser Trainer hat uns das eingeimpft, dass es nur gemeinsam geht.

Oft gegen zwei Gegenspieler: Lennart Boner setzt sich im Luftkampf durch. Foto: Kenny Beele

Noch eine etwas andere Frage: welches Gefühl hat man als Center bei einem Monsterdunk, wie er Ihnen auch gegen Ulm gelungen ist?
Boner: Dieses Gefühl kann man nur mit wenigen anderen auf der Welt vergleichen. Gerade nach einer Kombination und dem Blickkontakt ist der Augenblick davor der Hammer, weil man hofft, die Pille zu bekommen. Und dann versucht man den Ball so etwas von hart in den Korb zu hämmern… Dann geht es mit mir durch. Gerade, wenn es dann Heimspiele sind. Das sind zwei, drei Sekunden mit einem kompletten Adrenalin-Stoß.

Was bedeutet Ihnen die Unterstützung durch die Fans?
Boner: Ganz viel. Was da entstanden ist und was wir da an Unterstützung durch die Fans bekommen, ist purer Wahnsinn. Das macht nochmal einen großen Unterschied. Bei mir ist es so, dass ich dann auch noch meine engsten Freunde im Publikum sehe. Das ist pure Dankbarkeit, etwas zurückzugeben, weil ich das zu keiner Sekunde als Selbstverständlichkeit nehme. Wenn die Leute da mitfiebern und sich freuen, ist das einfach großartig. Wir wollen das Geschenk des Aufstiegs nun allen Fans machen.

Info: Im Falle eines Ulmer Erfolgs kommt es am Sonntag zu einem dritten Spiel in Düsseldorf. Die beiden Finalisten stehen sportlich dann als Aufsteiger in die 2. Liga ProA fest. Allerdings gibt es noch ein Finale, das ebenfalls im Modus Best-of-Three ausgetragen wird.

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