Diesmal fehlte die Durchschlagskraft

Fortuna muss die richtigen Lehren ziehen

Foto: Imago

von Norbert Krings

ANALYSE: Fortuna Düsseldorf hat eine unnötige, aber nicht unverdiente Niederlage beim 0:1 in Sandhausen erlitten. Diesmal fehlte die Effizienz vor dem gegnerischen Tor, um ein kampfbetontes Spiel bei einem leidenschaftlich agierenden Gegner für sich zu entscheiden. Das sollte für die Mannschaft von Daniel Thioune trotz der großen Enttäuschung kein Beinbruch sein, sondern sie sollte daraus die richtigen Lehren ziehen.

Es hatte sich in der Vorbereitung angedeutet, dass sich die wenig veränderte Mannschaft von Fortuna Düsseldorf schwertut, wenn sich der Gegner hinten rein stellt und nicht unbedingt das Spiel ausgeglichen gestalten will. „Diesmal sprachen die Statistiken für uns, was Ballbesitz und Zweikampfverhalten anging, und wir haben trotzdem das Spiel nicht für uns entschieden“, erklärte Daniel Thioune, der nicht gänzlich sauer auf seine Mannschaft war, die sich vor allem in den ersten 30 Minuten als überlegen, spielbestimmend und auch kämpferisch mithaltend gezeigt hatte.

Während in den ersten beiden Ligaspielen die von Fortunas Cheftrainer angesprochenen Statistiken noch gegen seine Mannschaft gesprochen, letztlich aber nicht die entscheidende Aussagekraft hatten, sah das diesmal aus einem Grund anders aus. Denn in einer Situation passte die Konzentration nicht. „Da haben wir alle mächtig gepennt, so etwas darf uns als Mannschaft nicht passieren“, versuchte Andre Hoffmann die Situation zu erklären, die letztlich zur Niederlage geführt hatte.

Fußballerisch die bessere Mannschaft zu sein, reichte Fortuna nicht

Christoph Klarer verhindert 45 Sekunden nach der Pause die Flanke nicht, Andre Hoffmann kommt in seinem Zweikampf nicht an den Ball, und Jordy de Wijs kann nicht verhindern, dass Janik Bachmann den Ball mit einer kurzen Bewegung Richtung Tor befördert. Auch Florian Kastenmeier sah nicht gut aus, konnte aber wohl den Ball nicht mehr erreichen.

„Wir waren fußballerisch heute die bessere Mannschaft. Wir haben gegen ein Team gespielt, das alles, was die 2. Bundesliga ausmacht, perfekt beherrscht“, sagte Fortunas Kapitän. „Der Knackpunkt war, dass wir das Gegentor zu einfach bekommen.“ So sei seine Mannschaft vor eine neue Aufgabe gestellt worden, weil sie seit dem ersten Spiel unter Thioune gegen Schalke 04 (2:1-Sieg) und dem letztlich bedutungslosen Spiel bei St. Pauli nie in Rückstand geraten war. „Darauf hatten wir zu wenige Antworten.“

Daniel Thioune versuchte, von außen Einfluss zu nehmen. Foto: Kenny Beele

Fortan liefen die Gäste also einem Rückstand gegen einen massiert stehenden Gegner hinterher. „Das ist gerade in Sandhausen unglaublich schwer, gegen diese Mannschaft dann zum Abschluss zu kommen“, sagte Fortunas Trainer, der trotzdem noch mehrere Situationen sah, in denen seine Mannschaft durchaus den Ausgleich hätte machen können. Doch der letzte Tick fehlte bei den Kopfbällen vom besten Fortunen, Dawid Kownacki, oder Christoph Klarer nach einer Ecke. Und den Schlusspunkt zum Happy End verhinderte Sandhausens Keeper, als er einen guten gezielten Ball von Daniel Ginczek noch so eben um den Pfosten drehen konnte. „Möglichkeiten sind aber nur so gut, wie sie auch vollendet werden, und da hatten wir zu wenig Durchschlagskraft“, musste auch Thioune einräumen.

Einige Fortunen spielten auch unter Form und ohne die richtige Leidenschaft

Der Fortuna fehlte sicherlich die ordnende Hand von Marcel Sobottka (Magen-Darm), und auch Matthias Zimmermann wurde erstmals auf der rechten Abwehrposition, wo ihn Klarer im Wechsel zwischen Dreier- und Viererkette ersetzen sollte, schmerzlich vermisst. Aber das ließ kein Fortune als Ausrede gelten. Die Ansprüche sind höher, die Klarheit im Spiel muss beim nächsten Spiel gegen Fürth wieder deutlicher werden. „Unser Spiel war insgesamt nicht verkehrt und teilweise stärker als in den letzten Wochen“, erklärte Thioune. In der entscheidenden Zone waren wir aber nicht gut, deswegen sind wir als Verlierer vom Platz gegangen.“

Allerdings passte auch so einiges im System nicht so richtig. Die Rolle für Ao Tanaka, der in den ersten Spielen weiter vorne und deutlich besser gespielt hatte, war ihm nicht gerade auf den Leib geschrieben. Ihm fehlt als Sechser defensiv etwas das Strategische und der Überblick, was zum Beispiel Marcel Sobottka so auszeichnet. Auch Nicolas Gavory hatte einen mehr als gebrauchten Tag erwischt, ihm gelang ebenso wenig wie Felix Klaus, der kaum einen Zweikampf gewann und diesmal unterging und auch schwächer war als Kristoffer Peterson, der mal wieder der erste Wechselkandidat für Thioune war und später Daniel Ginczek Platz machen musste. Bei drei oder vier Spielern, die nicht an ihre normale Leistung herankommen, wird es auch für ein ansonsten gut besetztes Team schwer, die Dominanz auszuüben und klarer zum Abschluss zu kommen. Dann fehlt auch dieses Mannschaftsgefühl für die richtige Leidenschaft, um gegen einen solchen Gegner zu bestehen.

Die Lehren, die Fortuna daraus ziehen muss, sind offensichtlich geworden. Das Spiel gegen tiefstehende Mannschaften muss variabler und kreativer gestaltet werden, um sich mehr Torgelegenheiten herausspielen zu können. Dass Fehler passieren können, ist menschlich, sie dürfen allerdings nicht solche Auswirkungen haben, dass eine Mannschaft auf den Platz kommt, mit den Köpfen aber noch in der Kabine weilt. Trotz Niederlage und verständlichem Ärger und Enttäuschung kann das Spiel ein wichtiger Schritt sein, um sich weiterzuentwickeln.

Trainer und Mannschaft sind klug und erfahren genug, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. „Wer gedacht hatte, dass wir 34 Spiele gewinnen, ist heute in der Realität angekommen“, sagte Routinier Rouwen Hennings. „Glücklicherweise war uns als Mannschaft aber immer bewusst, dass es auch Rückschläge geben wird.“

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