Darf man mit zwei Clubs schmusen?

… die dazu noch in einer Liga zusammen – besser – gegeneinander spielen und das auch noch am nächsten Samstag? Am 5. November spielt die Fortuna gegen die Kiez Kicker aus Hamburg St. Pauli und in meiner schmalen Brust schlagen an dem Tag zwei Herzen.

Warum St. Pauli? Oh, da gibt’s genug Gründe. Wer kennt nicht die sensationelle Idee, als die Kicker in Braun und Weiss vor 20 Jahren – der FC Bayern gewann damals zuvor den Weltpokal gegen Boca Juniors aus Argentinien – die Münchner besiegte und die Merch-Abteilung der Hamburger gedankenschnell Shirts mit dem Slogan “Weltpokalsiegerbesieger“ druckte? Mittlerweile haben sage und schreibe 100.000 Leibchen neue Besitzer gefunden. Das muss man sich mal auf der Zunge – oder noch besser, auf dem Rechenschieber – zergehen lassen. Aber nicht nur dieser Coup hat mir damals gefallen. Auch die frühe Erinnerung, als ich als Dreikäsehoch, flankiert von Omma, Mutter und Vadder, über das Heiligengeistfeld latschte – es war Dom oder auch Kirmes genannt – und seltsame Menschen in Braun und Weiss gewandet, laut krakeelend in Richtung der Flutlichtmasten ganz in der Nähe abrauschten. Ihre lieblichen Lieder waren damals schon legendär und meine roten Ohren blinkten weit sichtbar.

Das hat dem kleinen Heiko gefallen, besonders weil der Rest der Familie auf der – damals so viel erfolgreicheren – Raute stand und mal so gar nichts mit den Underdogs aus St. Pauli am Hut hatte. So ergab es sich, dass mein erster Kontakt mit den Rundballern eben genau dieser schräge Verein war. So richtig viele Live-Spiele hab ich mir im Laufe der Jahrzehnte nicht angesehen, aber ein Stück meines Fußball-Herzens ist für sie reserviert.

Jetzt lebe ich in der Stadt und sogar im Stadtteil, in dem der hiesige Club gegründet und groß geworden ist, namens Fortuna Düsseldorf von 1895. Es war auch so klar, dass man keine Chance hat, dem zu entkommen, warum auch. Ich mag die Fortuna und ertappe mich immer dabei, mitzufiebern, wenn am Wochenende die Thione-Gang auf dem Platz steht und mit einem Auge auf die Aufstiegsplätze schielt.

Jetzt haben wir den Salat, dass eben genau diese beiden Traditionsclubs in Düsseldorf ihr Duell austragen und ich sozusagen überhaupt nicht weiß, für welchen Verein ich jubeln oder mich ärgern soll. Es wird darauf hinauslaufen, dass ich nicht ins Stadion gehe und somit gar nicht erst in die Verlegenheit komme, emotional auf den Kriegspfad zu wandeln. Aber eines ist so sicher bei mir, ich werde nicht die Hoffnung verlieren, dass irgendwann einmal beide Vereine in der ersten Liga zusammen spielen und dann bin ich der glücklichste Fuppes-Fan ever. Übrigens, dass letzte Duell in der höchsten deutschen Spielklasse gegeneinander gab es am 5. April 1997 und endete mit einem 2:0 für die Fortuna. Lang, lang ist‘s her.

Allen, die sich das Spiel live vor Ort anschauen: Viel Spaß und gebt alles.

Euer Heiko Sauer

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