„Die Auszeichnung ist eine große Ehre“

Lilly Stoffelsma zählt zum Juniorsportler-Team des Jahres

Foto: Kenny Beele

von Norbert Krings

Lilly Stoffelsma hat es sich nicht nehmen lassen, zur Ehrung des Juniorsportler-Mannschaft des Jahres ihr Auslandssemester kurz zu unterbrechen, um mit ihren Teamkameradinnen in Deutschland die Auszeichnung entgegenzunehmen und mit ihnen zu feiern. Wir erreichten die 20-Jährige in Madrid, um ihre Verdienste auch entsprechend zu würdigen. In unserem INTERVIEW verriet Lilly uns, welche Ziele sie künftig anpeilt – mit dem Düsseldorfer Hockey Club und hoffentlich auch mit den Danas, der deutschen Frauen-Nationalmannschaft.

Hallo Lilly, schön, dass Sie Zeit für uns haben. Wie geht es Ihnen und welches Studium hat Sie überhaupt nach Madrid geführt?
Lilly Stoffelsma: Das passt alles ganz gut zurzeit bei mir. Gefühlt war ich schon in jeder Stadt in Spanien auch wegen des Sports, aber in Madrid war ich vorher noch nie. Aber es ist toll, die Hauptstadt mal kennenzulernen und ich finde Madrid richtig schön und fühle mich wohl. Das ist ein Auslandsemester über das Erasmus-Institut. Ich studiere International Management, das ist BWL mit einem internationalen Schwerpunkt und dem Blick auf die Sprachen. Vor allem Wirtschaftsrecht interessiert mich. Das ist total spannend, die Wechselwirkungen zwischen der Wirtschaft und dem Rechtssystem zu ergründen. Ich studiere komplett auf Spanisch, was mir sehr hilft, die Sprache noch besser kennenzulernen.

Aber haben Sie die Gelegenheit, sich trotzdem hockeytechnisch fit zu halten?
Stoffelsma: Ja, ich trainiere hier bei einem Verein mit. Das ist der Club de Campo, der auch dieses Jahr gegen uns in der European Hockey League angetreten ist. Da wir im Penalty-Schießen das zweite Spiel gegen sie mit dem DHC gewonnen haben, halte ich das den Spielerinnen gerne vor, was sie natürlich nicht gerne hören wollen. Ich bin aber sehr nett aufgenommen worden. Leider darf ich keine Spiele mitmachen, da ich in der EHL-Saison noch für Düsseldorf antreten möchte. Vom Athletiktrainer zuhause habe ich einen ganzen Plan mitbekommen, auch damit ich so trainieren kann, um die fehlenden Spiele zu ersetzen. Das läuft ziemlich gut.

Die vier jungen Damen, die den DHC im deutschen U21-Nationalteam vertreten haben und nun Mitglieder im Juniorsportler-Team des Jahres 2022 sind. Foto: DHC/Markgraf

Sie sind mit der U21 Vizeweltmeister und Europameister geworden. Was bedeutet Ihnen die darauffolgende Auszeichnung mit ihrem Team zur Juniorsportler-Mannschaft des Jahres.
Stoffelsma: Wir hatten überhaupt nicht auf dem Schirm, dass es ein solche Auszeichnung überhaupt gibt. Und auf einmal waren wir mit in der Auswahl, was schon eine große Ehre bedeutet hat. Und dass wir dann noch gewinnen, war großartig. Wir haben uns alle getroffen und dann diesen tollen Abend in Düsseldorf genießen können. Das hat uns allen sehr viel bedeutet und war so eine Wertschätzung für das, was wir in diesem Jahr geleistet haben. Ich durfte wieder in die Heimat fliegen, da diese Ehrung in Düsseldorf stattfand. Das war schon sehr schön. Zudem waren ja auch drei weitere Spielerinnen des DHC, Sara Strauss, Lisa Nolte und Sophia Schwabe, dabei.

Sie waren aber auch einer der Garanten für diese guten Leistungen, da sie im Penalty-Shootout bei der EM angetreten sind und getroffen haben?
Stoffelsma: Ich bin vorangegangen und habe mir gedacht, die Chance nutzt du jetzt und gibst dem Team damit die Sicherheit. Man ist mit dem Kopf so auf die Sache konzentriert und weiß hinterher gar nicht mehr, wie der Ball dann den Weg ins Tor gefunden hat. Die Erfahrungen aus den Penaltyschießen bei den Titelgewinnen des DHC auf dem Feld haben natürlich geholfen. Ich habe mir gedacht, warum sollte ich scheitern.

Sie haben bereits auch Länderspiele für die A-Nationalmannschaft bestritten. Wie groß ist der Unterschied zur U21?
Stoffelsma: Ich durfte 2021 mein erstes Spiel für die Danas machen. Die Nervosität vor dem Auftritt war schon etwas größer. Das macht es mit einem, gegen die größten Teams der Welt anzutreten. Auf dem Platz muss man sich aber auch wie bei der U21 in jedes Spiel hineinkämpfen und das machen, was man kann. Noch habe ich kein großes Turnier mit den Damen spielen dürfen. Aber die Stimmung wird dann sicherlich noch einmal ganz anders sein. Vom Teamgefüge ist alles gleich, das Drumherum ist wegen des höheren Niveaus aber wohl anders.

Welche Stärken bringen Sie für das Nationalteam mit?
Stoffelsma: Das ist schon die Athletik, der Kampfgeist und die Nervenstärke. Mein Durchsetzungsvermögen zeichnet mich mehr aus als meine Technik. Ich versuche, meine Mannschaft mitzuziehen und Tempo zu machen. Wenn es im Zweikampf zur Sache geht, bin ich meist dabei. Aufgeben kommt für mich nicht in Frage.

Wie sehen Sie Ihre Chancen, bei den Olympischen Spielen 2024 dabei zu sein?
Stoffelsma: Eine Olympia-Teilnahme ist einer meiner größten Träume. Deshalb muss ich vorsichtig sein, was ich jetzt sage. Eine Chance besteht auf jeden Fall, und ich bin jetzt auch im Jahreskader der Damen drin. Es gibt noch viele Möglichkeiten, sich zu zeigen. Ich würde mich sehr freuen und werde alles reinwerfen. Die Chance will ich nutzen.

Nach dem schönen Erfolg der deutschen Fußball-Damen haben Sie da auch das Gefühl, dass Sportereignisse mit weiblicher Beteiligung jetzt mehr Aufmerksamkeit erhalten?
Stoffelsma: Ich habe tatsächlich einige Spiele angeschaut. Ich habe das Gefühle, dass die Aufmerksamkeit gewachsen ist. Das Interesse von mir an solchen Ereignissen ist größer geworden und das sehe ich bei anderen auch. So eine Auszeichnung hilft dann natürlich, um die Aufmerksamkeit mehr auf den Hockeysport zu legen.

Lilly Stoffelma in Aktion. Foto: Kenny Beele

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