D.SPORTS

Home of Sports

Fortuna – Erkenntnisse zum Saisonstart

Großer Teamgeist, spielerische Reife und ein kleiner Kader

Foto: Imago

von Norbert Krings

ANALYSE Die ersten sechs Pflichtspiele, den erfolgreichen Pokalauftritt eingeschlossen, liegen hinter Fortuna Düsseldorf. Eine spielerische Entwicklung ist zu erkennen, der Eindruck ist offensichtlich eher positiv, gerade nach den letzten beiden Zweitliga-Begegnungen. Doch reicht die Größe des Kaders, um die Aufgaben, die vor der Mannschaft von Daniel Thioune liegen, so zu bewältigen, dass man ein Ziel ins Auge nehmen kann, dass bei der Fortuna erneut niemand so richtig aussprechen möchte – den Aufstieg? Eine erneute Übergangssaison wäre letztlich eine erneute Enttäuschung, auch weil die Aufstiegsfavoriten wie Schalke und Hertha bisher noch nicht so richtig in Gang gekommen sind und nicht unüberwindbar erscheinen. 

Das sind die bisherigen Erkenntnisse:
Die neuen Spieler zünden: Es hat gedauert, bis der Kader komplett war. Aber er ist eigentlich nicht so, wie es ihn der Trainer vorgestellt hat. Es fehlt nach dem Transfer-Theater um Simon Zoller, der letztlich nicht mehr abwarten konnte oder wollte, ein Innenstürmer, der eine Alternative zu den ähnlichen Typen Daniel Ginczek und Vincent Vermeij darstellt. Immerhin hat Letzterer sich in den beiden letzten Spielen als guter Mitspieler präsentiert, der Bälle ablegen und seine Teamkameraden gut einsetzen kann. Trotzdem ist die Fortuna im Sturmzentrum zu sehr ausrechenbar. Außerdem fehlt ein Backup für Nicolas Gavory. Es sei denn, Emma Iyoha spielt sich dort als „neuer“ Linksverteidiger fest. Gegen den KSC Hat er wieder gezeigt, dass er das draufhat.

In starker Form haben sich zuletzt die beiden Spieler gezeigt, die im Mittelfeld einerseits die Absicherung für den offensiv beeindruckend auftrumpfenden Shinta Appelkamp übernehmen und andererseits mit ihrem schnellen Umschalten von Defensive auf Offensive vor allem die Außen sehr gut einsetzen können und den Spielaufbau viel dynamischer wirken lassen, als es zuvor der Fall war. Yannik Engelhardt und Isak Johannesson sind ein absoluter Gewinn für das Team, das auch von einem Zusammenhalt lebt, der auch an der geringen Größe des Kaders liegt. Jeder fühlt sich gebraucht. Ein Problem könnte nur die latente Unzufriedenheit von Ao Tanaka werden, für den es im Augenblick offensichtlich nur einen Platz auf der Bank gibt, nachdem sich seine Abwanderungspläne erledigt haben. Aber an den formstarken Engelhardt und Johannesson kommt selbst Fortuna-Legende Marcel Sobottka kaum vorbei – wenn er wieder fit ist. „Ich habe mich schon gewundert, dass wir allen anderen einen solchen Diamanten wie Isak wegschnappen konnten“, sagt Fortuna-Trainer Daniel Thioune.

Isak Johannesson ist ein Spielgestalter mit vielen kreativen Ideen. Foto: Kenny Beele

Endlich ist mehr Tempo im Spiel: Es geht ein Raunen durchs Publikum, wenn Dennis Jastrzembski den Turbo zündet oder Christos Tzolis antritt, um mit Tempo den direkten Weg zum Tor zu finden. Fortuna ist schneller geworden. Zumindest dieser Wunsch des Trainers nach mehr Tempo konnte die sportliche Leitung ihm erfüllen. Fortuna kann nun auch kontern, das Umschaltspiel zur Waffe und sich als Mannschaft unberechenbarer machen. Es wurde in den bisherigen Spielen auch deutlich: Wenn Fortuna das Tempo erhöhte, wurde es für den Gegner gefährlich. Das gelang nur bei der Heimniederlage gegen Paderborn und der einzigen Enttäuschung bisher nicht in dem Maße, dass man den Gegner in Verlegenheit bringen konnte. Aber vor allem auswärts, wenn das Thioune-Team nicht unbedingt gezwungen ist, das Spiel zu machen, ergeben sich aus dem Tempo-Gewinn mehr Möglichkeiten.

Kleiner Kader = verschworene Gemeinschaft?

Kleiner Kader: 22 Spieler, einschließlich drei Torhüter – so groß oder klein ist der Kader, aus dem sich Trainer Daniel Thioune die Mannschaft zusammenbasteln muss. Aus einem stillen Protest heraus ließ Daniel Thioune offensichtlich bereits zweimal je einen Platz im Spieltagskader frei, um auf dieses Problem hinzuweisen. Zuletzt fehlten die verletzten Andre Hoffmann und Marcel Sobottka. Bislang konnte das durch die Qualität des Kaders, der nun 17 oder 18 gleichwertige Spieler hat, ausgeglichen werden. Aber eine richtige Verletzungswelle und mehrere Sperren, bei denen Leistungsträger länger ausfallen und dann nicht mehr so einfach zu ersetzen sind, mag man sich im Umfeld der Fortuna am liebsten nicht vorstellen. 

Andererseits ist diese „kleine“ verschworene Gemeinschaft auch eine Chance. Kaum jemand muss auf der Tribüne sitzen und seine Enttäuschung verarbeiten, nicht dazu zu gehören. Es kann sich etwas entwickeln, was den Zusammenhalt im Team dermaßen vergrößert, dass man sich auf ein großes, gemeinsames Ziel verständigen kann. Doch dazu sind Erfolge nötig, die das Team zusammenschweißen. Es scheint keine großen Außenseiter im Team zu geben. Selbst Ao Tanaka sollte jetzt daran interessiert sein, alles zu geben, um sich für einen dann tatsächlich möglichen Transfer zu empfehlen.  

Team hat sich weiterentwickelt: Es ist offensichtlich, dass einige Spieler in der Mannschaft einen Reifeprozess hinter sich haben und wertvoller für ihr Team geworden sind. Allen voran geht derzeit Torhüter Florian Kastenmeier. Er setzte auch mit seiner Vertragsverlängerung ein deutliches Zeichen. Ihm sieht man inzwischen an, dass er alles versucht, um mit seinem Team erfolgreich zu sein. Ähnliches gilt für Felix Klaus, der nicht mehr nur ein isoliert agierender Außenstürmer ist. Er sieht sich inzwischen als Teamspieler, ist völlig integriert und hat mit seiner Vertragsverlängerung auch deutlich gemacht, dass er mehr will, als nur selbst zu glänzen. Obwohl sich die Mannschaft durch die jungen Spieler Engelhardt, Johannesson, Siebert und Tzolis im Altersschnitt nach unten entwickelt hat, wirkt das Spiel reifer und kreativer. Das ist auch Shinta Appelkamp zu verdanken, der nicht mehr allein auf die guten Offensiv-Momente wartet, sondern nach hinten ebenso engagiert arbeitet. Jetzt endlich haben die Fans das Gefühl, dass eine Einheit in rot und weiß auf dem Rasen steht.   

Das sind die Erkenntnisse des Trainers: „Wir gehen nach dem 1:0 im Test gegen Fortuna Sittard an diesem Mittwoch schon fast erschreckend positiv aus diesem ersten Block mit den sechs Pflichtspielen heraus. Auch die Vorbereitung war mir schon zu rund. Die kleine Delle mit dem Paderborn-Spiel haben wir natürlich registriert, aber es marschiert keine Mannschaft so mal eben durch die Liga. Der HSV hat vielleicht etwas mehr die Punkte eingesammelt“, sagt Daniel Thioune.

„Am ersten Spieltag hatte ich keinen Neuzugang in der Startelf, gegen den KSC waren es fünf. Das ist schon mal eine Entwicklung. Es fällt mir leichter, mit 19 Feldspielern zu kommunizieren statt mit 27. Nach den Spielen gegen Elversberg und Karlsruhe ist die Latte sehr hoch gelegt. Wir haben mit den neuen Spielern ein paar Profile mehr an Bord, wobei auch bei diesen Spielern die Defensive mit dazu gehört. Wir haben das Tempo jetzt im Kader, das mir über viel Monate gefehlt hat, eine höhere Ball-Qualität im Zentrum, die ich immer wieder eingefordert habe und einen schnelleres Aufbauspiel.“

Jetzt geht es darum, die Leistungen des Saisonauftaktes zu bestätigen…

Teilen

Verpasse keine News mehr und abonniere unseren Newsletter