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Schwache Fortuna verpasst die Bundesliga

Großer Frust nach der Entscheidung im Elfmeterschießen

Foto: Christof Wolff

von Norbert Krings

Der Traum von der Bundesliga ist wie ein viel zu dicker Luftballon mit großem Knall geplatzt. Fortuna Düsseldorf hat den wichtigen Sprung nicht geschafft. Der VfL Bochum konnte das Relegations-Rückspiel mit 4:3 nach Elfmeterschießen für sich entscheiden und hinterlässt viele Fortunen sporachlos. Nach der Entscheidung kann man die Fans nur loben, wie sehr sie ihre Mannschaft trotz dieser riesigen Enttäuschung feierten.

Das Fazit war einfach: Im wichtigsten Spiel der Saison zeigte die Fortuna eine ihrer schlechtesten Leistungen im ganzen Spieljahr. „Dass der Fußball hart sein kann, dass wusste ich. Aber was heute hier passiert ist, übertrifft meine Vorstellungskraft“, sagte Fortunas Kapitän Andre Hofffmann nach der Entscheidung.

Daniel Thioune hatte keinen Grund, die Aufstellung seiner Mannschaft gegenüber Donnerstag zu ändern. Auch die Einstellung, die die Mannschaft in Bochum gezeigt hatte, gab zunächst keinen Anlass, sich Sorgen zu machen. Allerdings war die Vermutung schon angebracht, dass sich Fortunas Trainer einen leicht modifizierten Matchplan ausgedacht hatte, um die Bochumer zumindest in gewisser Hinsicht zu überraschen. Bei den Gästen wechselte Coach Heiko Butscher dreimal: Anstelle von Fernandes Bernardo (10. Gelbe Karte), Patrick Osterhage und Takuma Asano (beide Ersatz) starteten Tim Oermann auf der rechten Abwehrseite als Spezialbewacher von Christos Tzolis, Kapitän Losilla im Mittelfeld und Lukas Daschner auf dem rechten Flügel. Christopher Antwi-Adjei und Moritz Broschinski fehlten verletzungsbedingt im Kader.

Was für eine Wahnsinns-Stimmung in der MERKUR SPIEL-ARENA an diesem Abend, den viele Fans gar nicht erwarten konnten und in den vier Tagen eine großartige Choreo vorbereitet hatten. Diesmal ging auch das ganze Stadion – bis auf eine kleine blau-weiße Ecke – lautstark mit. Fortuna spielte von Anfang überlegt, aber schon mit einem eingeschränkten Blick nach vorne. Die Gastgeber wollten aber auch in jedem Fall vermeiden, (früh) in Rückstand zu geraten. Das bedeutete aber nicht, dass sich die Rot-Weißen nur hinten verschanzten. Allerdings waren Zahl und Qualität der Abschlüsse in der ersten Viertelstunde noch überschaubar.

Hoffmann bringt die Gäste per Kopf mit 1:0 in Führung

Die Bochumer hatten nach zehn Minuten deutlich mehr vom Spiel, die erste zumindest halbwegs gefährliche Möglichkeit brachte Ex-Fortune Kevin Stöger in der 13. Minute mit einem Fernschuss aufs Düsseldorfer Tor. Der Ball flog allerdings weit rechts am Fortuna-Tor vorbei. Die Gastgeber konnten aber manche Bälle nur mit Befreiungsschlägen oder überhasteten und ungenauen Pässen abwehren. Und nach 18 Minuten war es dann tatsächlich geschehen, und die zu passive und fehlerhafte Spielweise der Fortuna wurde bestraft. Philipp Hofmann köpfte nach einem Stöger-Freistoß zum 1:0 für die Gäste völlig unbedrängt ein. Das war die Situation, die das Thioune-Team unbedingt vermeiden wollte. Die Fans der Gastgeber reagierten sofort und verstärkten ihre Unterstützung.

Die Fortunen, hier Vincent Vermeij, konnten sich zu selten durchsetzen. Foto: Kuczera

Wenn es ein Wirkungstreffer war, dann hatte er in den nächsten Minuten die richtige Folge. Denn Fortuna versuchte jetzt, deutlich mehr nach vorne zu spielen und war auch etwas aggressiver unterwegs. Nach einer guten halben Stunde kam Vincent Vermeij nicht ganz an einen Tzolis-Freistoß heran und konnte seinen Abschluss so nicht richtig platzieren. Die Bochumer verteilten weiterhin die Bälle gut und suchten immer wieder Anspielstation, die sie auch fanden. Fortuna stand hingegen nicht gut im Raum und verlor immer noch zu viele Bälle im Aufbau. Den Gästen wurde zu viel erlaubt, so dass sie sich (zu) oft gut nach vorne durchspielen konnten. Zudem kamen sie auch zu einigen Freistößen, die die Düsseldorfer auch unbedingt vermeiden wollten und sollten. Auch der Schuss von Lukas Daschner, der von Engelhardt noch abgefälscht wurde und am Außennetz landete, war noch gefährlich genug.

Die Pause kam für die Gastgeber also zur richtigen Zeit, denn es musste etwas passieren, um den Druck besser vom eigenen Tor fernzuhalten. In der ersten Hälfte war die Nervosität auf Düsseldorfer Seite schon deutlich zu spüren gewesen. Völlig anders begann die zweite Hälfte bei unveränderten Formationen jedoch auch nicht. Die langen Schläge nach vorne konnte Vermeij nicht festmachen, er verlor dabei fast jedes Kopfball-Duell, was die Bochumer immer wieder schnell in Ballbesitz brachte. Die Kopfverletzung von Marcel Sobottka war zum Glück nicht so schlimm. Fortunas Mittelfeldspieler konnte weitermachen. So waren dann auch die ersten zehn Minuten der zweiten Hälfte schnell vergangen – wobei noch der Abschluss von Emmanuel Iyoha zu notieren war, der allerdings das Visier deutlich zu hoch eingestellt hatte.

Klaus und Vermeij konnten sich nicht durchsetzen

Bochum rannte weiter an und bekam einfach zu viel Standardsituationen. Doch die ganz große Gefahr entstand dadurch nicht, obwohl in Asano und Noah Loosli zwei weitere Offensivkräfte eingewechselt worden waren. Das sah auf der anderen Seite bei den Offensivkräften allerdings schon während des ganzen Spiels ebenfalls nicht viel besser aus. Nur wenn Tzolis mit dem Ball an der linken Seite loszog, mussten die Gäste aufpassen. Felix Klaus und Vincent Vermeij kamen überhaupt nicht richtig zum Zug und gewannen auch kaum Zweikämpfe.

Die Quittung war das 2:0 erneut durch Hofmann in der 65. Minute. Wieder hatte Kevin Stöger unbedrängt vorbereiten können, und der Stürmer kam zu seinem zweiten leichten Treffer, weil er erneut nicht richtig bewacht worden war. Langsam wurde es sehr ernst für die Platzherren, denn nur zwei Minuten später kam es zu einer Elfmeterentscheidung durch Schiedsrichter Deniz Aytekin, der ein Handspiel von Matthias Zimmermann, wieder nach einer Flanke von Kevin Stöger. Der Österreicher war nicht in den Griff zu bekommen. Und nach dem Okay aus dem Video-Keller verwandelte der beste Bochumer auch eiskalt zum 3:0 für die Gäste. Aus Sicht der Gäste musste man sagen, dass dieser Zwischenstand völlig verdient war, weil sie eindeutig mehr gegen nervöse Düsseldorfer investiert hatten.

Jetzt war Haltung gefragt, weil es nun „unentschieden“ in der Relegation stand. Das war bisher deutlich zu wenig gewesen, was die Fortunen auf dem Rasen gezeigt hatten. Immerhin konnte wenig später Kastenmeier mit einer Glanzparade einen Kopfball von Asano abwehren. Denn Bochum machte weiter, drückte den Gegner komplett in dessen Hälfte. Auf eine Reaktion von der Bank wartete man bis dahin noch. Fortuna stand völlig neben sich, und der Gegner konnte schalten und walten wie er wollte. Eine Viertelstunde vor dem Ende wechselte der Trainer dann. Isak Johannesson kam für Ao Tanaka sowie Jona Niemiec für Felix Klaus.

Bochum blieb aber spielbestimmend, weil bei der Fortuna die Ideen und die Durchschlagkraft fehlten. Fortuna brachte weiteres frisches Personal, aber die besseren Chancen hatten weiterhin die Bochumer, die auch ein höheres Tempo gingen und eindeutig immer noch die Mehrzahl der Zweikämpfe gewannen. Die Spannung stieg, Fortuna schaffte es nicht, torgefährlich zu werden. Die sechs Minuten Nachspielzeit bestanden fast nur aus Angriffen der Bochumer…

In der Verlängerung hatte Fortuna die klarste Möglichkeit

Es ging in die Verlängerung und erneut änderte sich nicht viel am Spielgeschehen, die Bochumer blieben der Chef im Ring. Fortuna versuchte zwar die Initiative zu ergreifen, aber es klappte einfach nicht genug. Die Torgefährlichkeit aus dem Hinspiel war einfach nicht zu erkennen, im Gegenteil, der Gegner blieb immer noch gefährlicher. Fortuna musste sich fast nur auf Schadensbegrenzung beschränken. Es lief auch im vielgelobten Mittelfeld wenig zusammen, obwohl Isak Johannesson noch einmal frischen Wind gebracht hatte. Die Unterstützung war noch da, aber der Glaube schwand ein wenig auf den Rängen. Musste es also doch erstmals in der Bundesliga-Relegation ins Elfmeterschießen gehen  seit 1988 (Mannheim gegen Darmstadt 5:4). Doch die Spannung blieb auch in der zweiten Hälfte der Verlängerung ständiger Begleiter aller Aktionen, die jetzt allerdings nicht mehr so einseitig von den Bochumern ausgingen. 

Die 117. Minute brachte dann tatsächlich die größte Gefahr im ganzen Spiel vor dem Bochumer Tor. Nach einer Ecke verpasste Jona Niemiec sogar zweimal den Aufstiegstreffer aus kurzer Entfernung, allerdings bei großer Gegenwehr der Bochumer. Nach genau 120 Minuten pfiff Aytekin ab und loste mit den Kapitänen das Tor aus, auf das die Mannschaften das Elfmeterschießen ausführen mussten.

Hoffmann und Uchino verschießen im Elfmeterschießen

Nach dem Auftakt-Treffer in dieser so ungerechten Fußball-Entscheidung von Goncalo Paciencia für Bochum verschoss Andre Hofffmann. Und nach dem Treffer von Bero traf Isak Johannesson. Kastenmeier hielt aber den Strafstoß von Masovic und so lief das Elfmeterschießen erst einmal so ab, dass Bochum vor- und Düsseldorf nachlegte. Dann kam Wittek für Bochum an die Reihe und erzielte das 6:5 im Elfmeterschießen. Als „letzter“ Schütze lief dann Takashi Uchino an und schoss weit über das Bochumer Tor und die Hoffnung auf den Aufstieg verschwand ebenso wie dieser letzte in der Relegation geschossene Ball. Der Rest ging im Frust unter, bis die Fans in der „Süd“ die Spieler für ihre Saisonleistung feierten und trösten wollten.

Doch im Untergeschoss der MERKUR SPIEL-ARENA gab es viele Tränen, die Spieler wurden von ihren Partnerinnen getröstet, und für Interviews nach diesem Ergebnis hatte kein Spieler Lust. Und auch Kapitän Andre Hoffmann fehlten die Worte, um die Enttäuschung auszudrücken. Immerin stellte er sich den Fragen der Journalisten, die ebenfalls aus Düsseldorfer Sicht mitgefiebert hatten – was in einem solchen „Endspiel“ wohl auch verzeihlich ist. Statt Platzsturm gab es Tränen und einen sehr ruhigen Weg zu den Parkplätzen und dann nach Hause.

Statistik:
Fortuna: Kastenmeier – Zimmermann, Oberdorf, de Wijs (97. Hoffmann), Iyoha – Engelhardt, Sobottka (83. Uchino) – Klaus (75. Niemiec), Tanaka (75. Johannesson), Tzolis – Vermeij (83. Daferner)
Kader Fortuna:
Niemczycki – Quarshie, Mustapha, Appelkamp
Bochum: Luthe – Oermann (46. Loosli), Ordets, Schlotterbeck, Passlack (46. Asano) – Losilla (99. Masovic), Bero – Daschner (82. Osterhage), Stöger, Wittek – Hofmann (92. Paciencia)
Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Altenberg/Note: 2 – ohne Probleme)
Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)
Tore: 0:1 (18.) Hofmann, 0:2 (66.) Hofmann, 0:3 (70. FE.) Stöger
Elfmeterschießen: 0:1 Paciencia, Hoffmann verschießt, Luthe hält, 0:2 Bero, 1:2 Johannesson, Masovic verschießt/Kastenmeier hält, 2:2 Engelhardt, 2:3 Asano, 3:3 Oberdorf, 3:4 Stöger, 4:4 Tzolis, 4:5 Schlotterbeck, 5:5 Niemiec, 5:6 Wittek, Uchino verschießt
Gelbe Karten: Engelhardt / Hofmann, Oermann, Wittek, Butscher (Trainer)
Beste Spieler: Kastenmeier / Stöger, Hofmann
Spielnote: 3,5 (zu einseitig und Bochum mit klaren Vorteilen)
Chancen: 3:9
Besonderheit des Spiels: Das war natürlich die Elfmeterentscheidung und der Fehlschuss von Takashi Uchino. Traurig, dass ein Spieler verschoss, der nicht unbedingt zum Stamm der Mannschaft gehört hat. Vorwürfe kann es daher nicht geben.
Spielfazit: Fortuna spielte schwach, konnte sich des Drucks n9icht erwehren, weil sich der Gastgeber nie richtig befreien konnte und viel zu viel mit langen Bällen arbeitete. Eigentlich hätten die Bochumer bei ihrem Übergewicht bereits in der regulären Spielzeit gewinnen können.

Benotung der Fortuna-Spieler:
Kastenmeier 2,5 – Zimmermann 4, Oberdorf 3,5, de Wijs 3,5, Iyoha 4,5 – Engelhardt 4, Sobottka 4,5 – Klaus 5, Tanaka 4, Tzolis 3,5 – Vermeij 5

Reaktionen:
„Ich bin eigentlich jemand, der immer irgendwelche Worte hat. Heute fällt es mir ungemein schwer. Es bricht in mir eine Welt zusammen. Ich bin ein paar Jahre hier und kenne auch jeden auf der Geschäftsstelle. Ich weiß, wie groß der Wunsch war, bei den Fans, bei uns, den Aufstieg zu schaffen. Deshalb ist die Enttäuschung riesengroß.“
„Andre Hoffmann, Kapitän der Fortuna

„Ich bin schon enttäuscht. Was das für uns bedeutet, kann man jetzt noch nicht ermessen. Wenn man gegen einen Bundesligisten, muss man damit rechnen, dass er noch einmal alles in die Waagschale wirft. Das zweite Spiel muss man gut absolvieren. Mit dem 3:0-Vorsprung sind wir nicht zurecht gekommen.“
Klaus Allofs, Sportvorstand der Fortuna

„Es fällt mir schwer, die richtrigen Worte zu finden. Nach dem ersten Spiel ging es uns richtig schlecht. Und jetzt sitzt du hier und hast es irgendwie geschafft. Es war ein perfekter Spielverlauf für uns. Großartig, dass es die Mannschaft das gepackt hat. Ich habe größten Respekt vor der Fortuna.“
Heiko Butscher, Trainer des VfL Bochum

„Glückwunsch an Bochum. Sportlich verdient war die 0:3-Niederlage. Sie hat uns gezeigt, dass diese Mannschaft ertste Liga spielt und für uns eine Nummer zu großw ar. Der Rucksack mit dem 0:2 und 0:3 war zu groß. Es gibt eine totale Leere, auch wenn ich unfassbar stolz auf dieses Team bin. Jetzt habe ich in die Gesichter geschaut und viele Trainer gesehen. Sie hat mehr verdient, als in der nächsten Saison in der 2. Liga zu spielen. Jetzt Taka da oben zu sehen, zerreißt einen. Der letzte Augenblick de Saison war sehr schmerzhaft. Ein großes Kompliment für die Unterstützung durch die Fans.“
Daniel Thioune, Trainer der Fortuna

Takashi Uchino verschießt – Foto: Wolff

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