O’Donnell schießt DEG zum Auftaktsieg

Gefühlsachterbahn im ersten Saisonspiel

Foto: Birgit Häfner

von Tobias Kemberg

Angesichts einer 3:0-Führung sehen Düsseldorfs Eishockeyprofis nach zwei Dritteln schon fast wie die sicheren Sieger aus. Doch nach einem Schlussdrittel mit drei Gegentoren muss das Team von Trainer Roger Hansson in die Overtime, in der ihr Topscorer der vergangenen Saison für den Siegtreffer zum 4:3 sorgt.

Exakt fünf Monate waren bis zum Freitagabend vergangen. Am 16. April hatten die Düsseldorfer Eishockeyfans ihr Team mit viel Applaus in die lange Sommerpause verabschiedet. Und nun, am 16. September, wurde es am Ende des Abends im PSD BANK DOME wieder laut.

Zum Auftakt der 29. Spielzeit in der Deutschen Eishockey Liga setzte sich die DEG mit 4:3 (0:0, 3:0, 0:0, 1:0) nach Verlängerung gegen den ERC Ingolstadt durch und feierte vor 6216 Fans einen gelungenen Start in die Saison – auch wenn es angesichts des Zwischenstandes nach 40 Minuten drei Zähler hätten sein müssen.

„Mit dem zweiten Drittel bin ich sehr zufrieden. Da haben wir uns in eine gute Position gebracht. Aber dann sind wir etwas zu passiv gewesen und Ingolstadt ist besser ins Spiel gekommen“, sagte Trainer Roger Hansson. „Wir sind sozusagen unzufrieden zufrieden mit diesen zwei Punkten.“

O’Donnell eröffnet, O’Donnell beendet

Zunächst einmal bot sich beim Blick auf die Ränge ein ungewohntes Bild. Nach 16 Jahren sind die Stehplätze auf der Gegengerade sowie hinter einem der beiden Tore verschwunden. Stattdessen gibt es nun eine große „Stehwand“ hinter dem Gästetor, die sich über den Unter- und Mittelrang erstreckt.

Nicht nur die Anhänger auf den Stehplätzen sahen im ersten Drittel ein munteres Eishockeyspiel, in dem sich sowohl die DEG als auch Ingolstadt die eine oder andere Chance von gehobener Qualität erspielten. Etwas Zählbares brachte aber noch niemand auf den Videowürfel – doch das sollte sich im zweiten Abschnitt schnell ändern.

Brendan O’Donnell, in der vergangenen Saison mit 59 Punkten in 63 Spielen Topscorer im Düsseldorfer Team, traf zum 1:0 (22.) für die DEG, die sich im zweiten Drittel ausgesprochen effizient präsentierte. Drei von acht Schüssen auf das Ingolstädter Tor fanden den Weg über die Linie. Nach einem bemerkenswerten No-Look-Pass von Bernhard Ebner durfte Tobi Eder (30.) jubeln. Wenig später erhöhte Stephen McAulay (45.) nach intelligentem Zuspiel von Stephen Harper auf 3:0.

DEG spielt im Schlussdrittel zu passiv

Im ersten Spiel unter dem neuen Cheftrainer fiel der im Vergleich zur Harry-Kreis-Amtszeit veränderte Spielstil der Düsseldorfer auf. Kurze Pässe im Aufbau statt „Dump and chase“ – bei einem skandinavischen Coach wie Hansson allerdings auch eine nicht völlig überraschende Herangehensweise.

Foto: Birgit Häfner

Etwas überraschend fiel jedoch der erste Treffer der ERC, der nur dank eines verunglückten Stockeinsatzes von Kyle Cumiskey zustande kam. Den harmlosen Schuss von Ingolstadts Emil Quaas fälschte der Verteidiger unhaltbar für den bis dahin hervorragenden Henrik Haukeland im DEG-Gehäuse ab (45.).

Etwas mehr als fünf Minuten später war das Spiel plötzlich wieder offen und der DEG für ein paar Minuten der Stecker gezogen. Marko Friedrich (50.) verkürzte auf 2:3 aus Sicht der Gäste, die das berühmte Momentum nun auf ihrer Seite hatten. Frederik Storm (52.) schoss die Ingolstädter, die sich zu keinem Zeitpunkt aufgegeben hatten, in die Verlängerung.

Ingolstädter Mut bereitet der DEG den Weg zum Extrapunkt

In dieser nahm Ingolstadts Trainer Mark French seinen Torhüter Michael Garteig vom Eis und setzte mit Vier-gegen-drei alles auf eine Karte. O’Donnell, vor zwei Tagen Vater einer gesunden Tochter geworden, durchkreuzte den Plan des ERC und sicherte der DEG nach 49 Sekunden in der Overtime den Zusatzpunkt.

„In der KHL machen das einige Teams, für mich war das Herausnehmen des Goalies in der Verlängerung aber selbst das erste Mal“, sagte O‘Donnell. „Aber das nehmen wir gerne mit heute. Es war natürlich unglücklich, dass wir nach dem 3:0 noch in die Overtime mussten, aber so ist das im Eishockey manchmal. Wir müssen Wege finden, damit das beim nächsten Mal nicht mehr passiert.“

Das erste Auswärtsspiel führt die DEG am Sonntag zu den Schwenninger Wild Wings, die mit einem Auftaktsieg gegen Meisterkandidat Mannheim gleich mal für Aufsehen sorgten. Für die DEG gibt es damit ein schnelles Wiedersehen mit dem im Frühjahr verabschiedeten Ex-Coach Harold Kreis.

Statistik: Düsseldorfer EG – ERC Ingolstadt 4:3 n.V. (0:0, 3:0, 0:3, 1:0)
DEG/Tor: Haukeland (Hane); Abwehr: Cumiskey, Zitterbart – Geitner, Ebner – Järvinen, McCrea – Heinzinger; Angriff: Gogulla, Barta, Fischbuch – O’Donnell, MacAulay, Harper – Schiemenz, Eder, Ehl – Eham, Blank, Borzecki
Schiedsrichter: Frano/Kopitz
Tore: 1:0 (21:18) O’Donnell (Harper, Geitner), 2:0 (29:08) Eder (Ebner, Schiemenz), 3:0 (34:11) MacAulay (Harper, Ebner), 3:1 (44:37) Quaas (Edwards, Feser), 3:2 (49:48) Friedrich (Feser, Bodie), 3:3 (51:39) Storm (Stachowiak, Höfflin), 4:3 (60:49) O’Donnell (Eder, Ebner/3-4)
Zuschauer: 6216
Strafminuten: 10:8
Torschüsse: 22:28

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4:3 (OT)

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