Fortuna unterliegt wuchtigem HSV

Das Thioune-Team enttäuscht aber nicht

Foto: Imago

von Norbert Krings

Fortuna Düsseldorf hat das Spitzenspiel beim Hamburger SV verdientermaßen und auch in der Höhe gerechtfertigt mit 0:2 (0:1) verloren. Der HSV hatte mehr Wucht und Durchschlagskraft zu bieten, während sich bei der Fortuna diesmal auch das Fehlen von Führungsspielern bemerkbar machte. Zudem verlor das Thioune-Team früh Matthias Zimmermann nach einer Kopfverletzung.

Daniel Thioune hatte die Aufstellung der vergangen Woche nur auf einer Position verändert. Für Shinta Appelkamp kam der etwas defensiver orientierte Jorrit Hendrix in die Mannschaft. Zudem waren von den zuletzt fehlenden Spielern Rouwen Hennings und Nicolas Gavory wieder im Kader. Ansonsten war die Taktik auf eine Viererkette ausgerichtet mit davor zwei Abräumern – Marcel Sobottka und Jorrit Hendrix. Trotzdem gingen die Fortunen ganz früh ins Pressing und versuchten das Spiel der Gastgeber früh im Aufbau zu stören und sie nicht ins Spiel kommen zu lassen.

Das gelang allerdings nur sehr eingeschänkt. Denn nach 75 Sekunden wackelte schon die Latte der Fortuna-Tores. László Bénes hatte nahezu ungestört mit Ball durch die Fortuna Hälfte laufen dürfen. Erst Tim Oberdorf störte ihn dann schon fast zu spät. Der Slowake traf das Aluminium und schockte damit die zunächst etwas schlafmützig auftretenden Gäste.

Und nicht viel besser ging es für sie weiter. Nach einer Flanke prallten HSV-Stürmer Robert Glatzel und Matthias Zimmermann am Strafraumeck zusammen. Während der HSV-Torjäger nach kurzer Zeit seine Benommenheit abschütteln konnte, blieb Fortunas Verteidiger lange liegen und wurde von Doc Ulf Blecker behandelt. Schließlich gab dieser das Zeichen, dass Zimbo nachdem er vom Ellenbogen Glatzels (unbeabsichtigt) getroffen worden war, ausgewechselt werden musste. 

Zimmermann muss mit vier Stichen genäht werden

In der achten Minute gab es dann den nächsten Lattentreffer. Erneut war es Benés, der den Torrahmen traf. Allerdings spielte die Fortuna zu dieser Zeit noch zu zehnt. Erst nach dieser Szene wurde auf der Seite der Düsseldorfer gewechselt. Gavory kam für Zimmermann, der schlimm blutend vom Platz geführt worden war. Der Verteidiger wurde mit vier Stichen in der Kabine an der Augenbraue genäht.

Langsam fing sich das Team von Daniel Thioune, der sich bis dahin schon einige Wortgefechte mit seinem Hamburger Kollegen Tim Walter geliefert hatte. Es ging da wohl um die fehlende Fairness nach der Verletzung von Zimmermann, als die Hamburger den Ball einfach weiter- statt zur Fortuna zurückzuspielen. Die Platzherren hatten weiterhin mit ihrer Wucht und ihrem Schwung mehr vom Spiel. Nach 20 Minuten war es dann passiert Bakery Jatta lief Gavory davon, der es nicht geschafft hatte, den schnellen Außen der Hamburger ins Abseits zu stellen. Im Fünfmeterraum spielte Jatta nach innen und Glatzel war zur Stelle. Tim Oberdorf konnte ihn nicht mehr am Torschuss zum 1:0 hindern.

Fortuna machte im Spiel nach vorne zu viele Fehler. Kristoffer Peterson hatte erneut zu viele Probleme mit dem Ball, weil er ihn mehrfach nicht unter Kontrolle bringen konnte. Dawid Kownacki, der nicht 100prozentig fit ins Spiel gegangen war, bekam kaum Bälle, Felix Klaus bemühte sich nach Kräften ohne große Effekt. Nach einer guten halben Stunde gab es dann auch das erste Ausrufezeichen der Fortuna. Gavory hatte sich sehenswert auf dem Flügel durchgesetzt, passte nach innen und Marcel Sobottka verfehlte den Ball um eine Fußbreite.

Kastenmeier hält die Fortuna mit seinen Paraden im Spiel

Bis zur Pause sahen die Zuschauer ein verteiltes, weiterhin kampfbetontes Spiel. Bis auf die Kopfballchancen von Jatta und Mario Vuskovic hatte sich das Spiel ein wenig beruhigt. Beide Male war der beste Fortune bis dahin – Florian Kastenmeier – zur Stelle. Ganz anders sollte es nach dem Wechsel für die Fortunen weitergehen, die mit zwei neuen Spielern auf den Rasen kamen. Emma Iyoha ersetzte Klaus, Appelkamp kam für den erneut enttäuschenden Peterson.

Die Spielanteilen veränderten sich nur geringfügig. Der HSV hatte einen halben Gang zurückgeschaltet, ohne die Dominanz aufgeben zu müssen. Die Hamburger versuchten, den Ball in der gegnerischen Hälfte zu halten, ohne allerdings gefährlich zu werden. Als dann Kownacki das vermeintliche 1:1 (58.) erzielte, war kein Blick in den Video-Keller nötig. Der Pole hatte sich nach dem Pass von Hendrix im Abseits befunden. 

Fortuna machte immer mehr Boden gut und deutlich, dass das Spiel noch keineswegs gelaufen war. Allerdings war die Torschussbilanz mit 0:7 Schüsse aufs Tor noch stark ausbaufähig zu diesem Zeitpunkt. Die Gäste bemühten sich, aber in die Abschlusspositionen kamen sie gegen kräftemäßig nachlassende Hanseaten kaum. Und die machten es clever, riskierten deutlich weniger als in ihrer starken ersten Hälfte. Sonny Kittel traf drei Mnuten vor Ende der regulären Spielzeit noch den Pfosten. Auch hier hatte Kastenmeier noch die Finger dran. Als die Fortunen noch mehr riskierten, verlor Karbownik in der Vorwärtsbewegung den Ball. Kittels Vorarbeit veredelte Jatta zum 2:0 (90 +1.)

Kämpferisch konnte niemand den Fortunen einen Vorwurf machen, doch es fehlten die Ideen und letztlich auch die Torgfährlichkeit. Es ist weiterhin ein deutlicher spielerischer Unterschied zu den Heimspielen zu erkennen. In der Tabelle fällt das Thioune-Team zurück, der Abstand zum neuen Tabellenführer aus Hamburg ist auf sieben Punkte angewachsen.

Statistik:
Hamburg: Heuer Fernandes – Heyer, Vuskovic, Schonlau, Leibold (65. Muheim) – Reis, Meffert, Benés (78. Kittel) – Dompé (65. Königsdörfer), Glatzel (90. +3. Amaechi), Jatta (90. +3 Mikelbrencis )
Fortuna: Kastenmeier – Zimmermann (8. Gavory), Klarer, Oberdorf, Karbownik – Hendrix (77. Baah), Sobottka – Klaus (46. Iyoha), Tanaka (87. Hennings), Peterson (46. Appelkamp) – Kownacki
Kader Fortuna: Wolf – Vukancic, Fernandes Neto, Geerkens
Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)
Zuschauer: 49.616
Tore: 1:0 (21.) Glatzel, 2:0 (90. +1.) Jatta
Gelbe Karten: Reis, Heyer / Hendrix ( 2.), Karbownik (2.), Kownacki (3.)
Beste Spieler: Jatta, Schonlau / Klarer, Sobottka
Spielnote: 2,5
Spielfazit: Fortuna hat dem wuchtigen Spiel der Hamburger in der ersten Hälfte zu wenig entgegenzusetzen. Nach der Führung des Gastgebers gab es zu wenig kreative Initiativen nach vorne. Das 2:0 machte dann den Deckel auf das Spiel.

„Wir waren von Beginn an nicht so drin, der Gegner war klar überlegen. Flo hat uns lange im Spiel gehalten. Wir haben die gefährliche Mitte des HSV in der zweiten Hälfte geschlossen, gebracht hat es wenig. Leider hat uns die Torgefährlichkeit gefehlt. Und gegen die Qualität des Gegners bekommst Du dann noch das 0:2.“
Christoph Klarer, Innenverteidiger der Fortuna

„Letztlich geht der Sieg des HSV in Ordnung. Wir haben uns dem brutalen Druck geschlagen geben müssen. Die Schnittstellen haben wir nicht schließen können. Wenn wir besser gewesen wären und knapp verloren hätten, wäre ich trauriger gewesen – so geht das Ganze in Ordnung. Und uns geht einfach nach der Verletzung von Zimbo das Personal aus. Die Länderspielpause können wir jetzt gut gebrauchen und die Wunden lecken.“
Daniel Thioune, Trainer der Fortuna

„Wir waren zu unsauber im Spiel nach vorne. Unsere Spitze haben wir überhaupt nicht erreichen können. Wir haben keinen schlechten Fußball gespielt in der zweiten Hälfte. Der letzte Pass ist aber einfach nicht angekommen. Hamburg hat verdient gewonnen. Wir müssen einfach besser verteidigen.“
Marcel Sobottka, Kapitän der Fortuna

„Wir hatten zu große Probleme mit dem Druck des HSV. Die Räume waren zu groß, wir konnten sie nicht schließen. Heute hatte das nicht so geklappt, wie wir es wollten.“
Jorrit Hendrix, Mittelfeldspieler der Fortuna

„Tolle Mannschaftsleistung. Ich bin rundum zufrieden“.
Tim Walter, Trainer des HSV

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2:0

4:3 (OT)

3:1

3:0

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2:1

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