Europas Bester

Dang Qiu gewinnt die Tischtennis-EM

Foto: imago/Revierfoto

von Tobias Kemberg

Nach vielen beeindruckenden Auftritten auf der internationalen Tour, der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft mit Borussia Düsseldorf sowie dem ersten Titel bei den Deutschen Einzelmeisterschaften krönt der 25-Jährige sein überragendes Jahr 2022 mit der Goldmedaille in München.

Dang Qiu ist der neue Tischtennis-König von Europa. Der 25-Jährige von Borussia Düsseldorf spielte bei den European Championships in München ein überragendes Turnier und gewann gleich bei seiner ersten EM-Teilnahme im Einzel die Goldmedaille. „Das ist der größte Erfolg meiner Karriere. Europameister werden nicht viele. Auf dem ganzen Kontinent der beste Spieler zu sein und ein Turnier in dieser Größenordnung zu gewinnen, das ist etwas ganz Besonderes – einfach atemberaubend“, sagte der 25-Jährige.

Dabei startete der Einzelwettbewerb für das Mitglied aus dem Team Düsseldorf ausgesprochen wackelig. Gegen den Türken Ibrahim Gündüz lag Qiu in seinem Erstrundenmatch bereits mit 2:3 in den Sätzen zurück. Dann aber drehte der Nationalspieler das Spiel und gab fortan in keinem der fünf folgenden Einzel mehr als einen Satz ab.

„Gegen Gündüz war es natürlich nicht mein bestes Spiel. Ich war aufgrund der Umstände etwas nervös. Zuvor hatte ich ganz knapp das Doppel mit Benedikt Duda verloren, in dem es für uns um eine Medaille ging und in dem wir auch noch Matchball hatten. Danach war nicht viel Zeit, um das zu verarbeiten“, erklärte Qiu.

Qiu gewinnt zum ersten Mal gegen Timo Boll

Doch irgendwie überstand der Penholderspieler dieses Match und spielte fortan beeindruckendes Tischtennis. Im Achtelfinale warf der Aufsteiger der Saison 2021/22 seinen Doppelpartner Benedikt Duda aus dem Turnier, ehe es in der Runde der letzten Acht zum Aufeinandertreffen mit Timo Boll kam.

Qiu wirkte wie entfesselt und ließ seinem Düsseldorfer Teamkollegen beim glatten 4:0 keine Chance. „Gegen Timo Boll zu spielen ist eine der schwersten Sachen im europäischen Tischtennis. Dass ich es jetzt endlich geschafft habe, ihn zu besiegen, ist ein Traum“, sagte die Nummer 13 der Weltrangliste nach seinem ersten Erfolg gegen Boll überhaupt.

Und der Rekordeuropameister zollte Qiu Respekt: „Dang hat durch die Bank in allen Bereichen gut gespielt. Er war sehr präzise, hat gerade auf meinen Aufschlag viel Druck ausgeübt. Er hat mich gar nicht erst ins Spiel kommen lassen“, sagte Boll. Qiu ergänzte mit Blick auf seine beiden deutsch-deutschen Matches: „Aus emotionaler Sicht ist es immer schwer, bei Turnieren gegen deutsche Spieler anzutreten. Gerade bei einer Heim-EM ist das eigentlich das Letzte, was man möchte. Aber man kann die Auslosung nicht beeinflussen. Du musst es nehmen, wie es kommt.“

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Zweiter Satz als Wendepunkt im Finale

Nach dem Halbfinalerfolg gegen den Schweden Mattias Falck traf der an Position vier gesetzte Qiu auf den an Nummer zwei gesetzten Darko Jorgic. Schon im ersten Durchgang hatte der Düsseldorfer seine Chancen, führte mit 5:1 und doch holte sich der in der Bundesliga für Saarbrücken spielende Slowene Satz eins mit 12:10.

„Der zweite Satz war auf jeden Fall wichtig. Da bin ich die ganze Zeit einem Rückstand hinterhergerannt. Dass ich den dann noch drehen konnte, hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Bei 0:2 wäre es sicher hart geworden“, analysierte Qiu, der sich diesen Durchgang letztendlich mit 14:12 sicherte und Jorgic im weiteren Verlauf nicht mehr viele Möglichkeiten gab, um entscheidende Akzente setzen zu können.

Am Ende hieß es 10:12, 14:12, 11:8, 11:9 und 11:2 für Dang Qiu, der sich nach einem äußerst erfolgreichen Jahr nun ein paar Tage Erholung in der Heimat im Süden gönnt, ehe Anfang der kommenden Woche schon wieder die neue Bundesligasaison mit der Borussia beginnt. „Ich hatte zuletzt kaum Zeit zur Erholung. Daher gönne ich mir diese Tage jetzt mal“, sagte der neue Europameister.

Bundestrainer sieht Entwicklung noch nicht am Ende

2022 ist spätestens durch den EM-Titel endgültig zum Jahr des Dang Qiu geworden. Nach mehreren Podestplätzen bei WTT Events auf der internationalen Bühne gewann der Rechtshänder mit der Borussia die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft und im Juni in Saarbrücken erstmals auch die Deutsche Meisterschaft im Einzel. Der Gewinn der Europameisterschaft soll aber noch nicht das Ende der Entwicklung sein – das sieht auch der Bundestrainer so.

„Dieser Titel gibt Dang ganz klar mehr Selbstvertrauen. Europameister im eigenen Land zu werden, ist etwas ganz Besonderes. Wie ich ihn kenne, wird er weiter akribisch arbeiten und seine nächsten Ziele verfolgen. 2024 bei Olympia will er dabei sein, aber das wollen andere auch“, sagte Jörg Roßkopf.

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