Vier Eishockey-Nationalmannschaften, ein Turnier. Vom 5. bis 8. November 2026 findet der traditionsreiche Deutschland Cup erstmals in Düsseldorf statt. D.SPORTS stellt die teilnehmenden Nationen nacheinander vor – Teil zwei dreht sich um Lettland.
Eishockey gilt im baltischen Staat Lettland als populärste Sportart bei den rund zwei Millionen Einwohnern. 1931 wurde der Eishockeyverband in den Weltverband aufgenommen, das erste dokumentierte Eishockeyspiel auf lettischem Boden fand aber bereits im Jahr 1909 statt. Den größten Erfolg in seiner Historie erreichte Lettland bei der Weltmeisterschaft 2023, die im eigenen Land sowie im finnischen Tampere ausgespielt wurde. Nach verlorenem Halbfinale gegen Kanada setzte sich Lettland im Spiel um Platz drei mit 4:3 nach Verlängerung gegen die USA durch und gewann die Bronzemedaille. In der aktuellen IIHF-Weltrangliste liegt Lettland auf Rang neun.
Historie beim Deutschland Cup
Nach 2006, 2020 und 2025 nimmt Lettland im November 2026 im PSD BANK DOME zum vierten Mal am Deutschland Cup teil. Im vergangenen Jahr erreichte man hinter Deutschland und der Slowakei den dritten Platz, beim Debüt 2006 wurde Lettland Fünfter. 2020 gelang der Turniersieg. In einem Teilnehmerfeld mit drei Teams gab es nach der Jeder-gegen-jeden-Runde ein Finale, das mit 3:2 nach Verlängerung gegen Deutschland gewonnen werden konnte.
Stars von früher
Lettlands Rekordspieler heißt Rodrigo Lavins. Der Verteidiger streifte insgesamt 230 Mal das Nationaltrikot über und spielte während seiner zwei Jahrzehnte dauernden Karriere unter anderem in Nordamerika, Finnland, Schweden und in der Saison 2000/01 in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) für die Augsburger Panther. Zudem zählte Lavins drei Mal zum lettischen Aufgebot für Olympische Spiele.

Sandis Ozolins. Foto: imago/Pius Koller
Der international erfolgreichste Eishockeyspieler aus Lettland und mit Sicherheit bekannteste Name ist jedoch ein anderer Verteidiger: Sandis Ozolins. Über die San Jose Sharks ging es für den Zweitrunden-Pick zu den Colorado Avalanche. 1996 gewann der offensivstarke Verteidiger mit dem gutem Auge und besonderen Spielverständnis den Stanley Cup. Es folgten vier weitere NHL-Stationen, die Rückkehr nach San Jose und dann die finalen Karrierejahre in der Heimat bei Dinamo Riga. Ozolins absolvierte 1012 Partien in der besten Liga der Welt und verbuchte dabei für einen Verteidiger sehr starke 654 Scorerpunkte.
Topspieler von heute
Da die National Hockey League (NHL) während des Deutschland Cup keine Pause einlegt, werden alle vier teilnehmenden Nationen ohne ihre Stars aus Nordamerika antreten. Und obwohl die Nominierungen für das Turnier im PSD BANK DOME erst kurz vor dem Turnier vorgenommen werden, dürfen sich die Eishockeyfans auf talentierte Profis freuen. So wie im Team Latvia beispielsweise auf Kristers Gudlevskis. Der Torhüter steht in der DEL bei den Fischtown Pinguins aus Bremerhaven unter Vertrag und wurde 2023/24 sowie 2024/25 als DEL-Torhüter des Jahres ausgezeichnet.
Bei den ZSC Lions aus Zürich aktiv ist Stürmer Rudolf Balcers, der bei der Weltmeisterschaft 2026 mit sieben Turniertreffern glänzte. Als eines der größten Talente im lettischen Eishockey gilt Alberts Smits. Der 18 Jahre alte Verteidiger (Mikkelin Jukurit, Finnland) wurde im NHL Draft 2026 an Position fünf der ersten Runde von den New York Rangers ausgewählt und ist die große Zukunftshoffnung für die im Umbruch befindliche Franchise aus dem „Big Apple“.
Kurioses
Im Jahr 1968 bekam das lettische Eishockey einen spürbaren Schub. Der Grund war der sowjetische Trainer Wiktor Tichonow. Die Trainerlegende legte als Coach bei Dinamo Riga großen Wert auf Disziplin, revolutionierte Trainingsmethoden, indem er einen Videorekorder zur Spielanalyse benutzte, und setzte vor allem auf körperliche Fitness. Um der fehlenden Klasse der Dinamo-Spieler entgegenzuwirken, setzte er mit der Aufstellung von vier Angriffsreihen eine Strategie ein, die bis dahin keine sowjetische Mannschaft nutzte. So vergrößerte er für die Spieler die Pausen zwischen ihren Einsatzzeiten und das Team konnte technische Nachteile durch Schnelligkeit und bessere Kondition wettmachen.
