Was für ein Drama.
Was für ein sportlicher und emotionaler Tiefschlag für unsere Stadt.
Der Abstieg von Fortuna Düsseldorf hat viele Menschen in der Stadt bis ins Mark getroffen. Mich auch. Er ist weit mehr als nur eine sportliche Niederlage. Für viele Fans war dieser Tag ein Stich ins rot-weiße Herz. Die Art und Weise, wie dieses Abstiegsfinale in Fürth verloren ging, war erschütternd — mutlos, ideenlos und letztlich eines Vereins wie Fortuna Düsseldorf unwürdig.
Besonders leid tun mir die Fans, die Woche für Woche ihre Zeit, ihre Leidenschaft und oft auch ihr Geld investieren, um Fortuna zu unterstützen. Menschen, die die Fortuna über Jahrzehnte getragen haben, in guten wie in schlechten Zeiten. Aber auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle denke ich in diesen Tagen. Denn mit dem sportlichen Absturz kommen nun zwangsläufig wirtschaftliche Sorgen. Umsatzeinbrüche, Sparmaßnahmen und die Unsicherheit über die eigene berufliche Zukunft belasten viele Menschen hinter den Kulissen des Vereins.
Mit diesem offenen Brief möchte ich ausdrücklich keine Schuldigen benennen. Es geht mir nicht darum, einzelne Personen öffentlich an den Pranger zu stellen. Dafür ist die Situation zu ernst und die Problemlage zu komplex. Mich beschäftigt vielmehr eine grundsätzliche Frage: Wie konnte es überhaupt so weit kommen?
Und noch wichtiger: Warum gelingt anderen Vereinen offenbar deutlich besser, was in Düsseldorf misslingt?
Während Fortuna Düsseldorf den bitteren Gang in die 3. Liga antreten muss, steigen Vereine wie Elversberg in die Bundesliga auf. Paderborn kämpft trotz deutlich kleinerer Strukturen weiterhin in der Relegation um den Aufstieg. In der Bundesliga haben sich seit Jahren Clubs wie Augsburg, Mainz oder Hoffenheim etabliert — Vereine, mit denen sich Fortuna hinsichtlich Tradition, Strahlkraft und Standortgröße eigentlich messen können müsste. Selbst Heidenheim spielte bis zuletzt in der Bundesliga.
Natürlich hinken Vergleiche im Profifußball oft. Manche Clubs profitieren von besonderen wirtschaftlichen Voraussetzungen, andere Vereine konnten sich über lange Zeit wirtschaftlich in der Bundesliga stabilisieren. Es bleibt die Frage bestehen: Warum kann Fortuna Düsseldorf seine Möglichkeiten seit Jahren nicht in nachhaltigen sportlichen Erfolg ummünzen?

Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf
Dabei stellt sich zwangsläufig auch die Strukturfrage. Fortuna ist bis heute ein eingetragener Verein — mittlerweile eher die Ausnahme als die Regel im modernen Profifußball. Zwar gibt es erfolgreiche Beispiele wie Mainz, Freiburg, Union Berlin oder Schalke, die ebenfalls als e.V. organisiert sind. Doch viele Konkurrenten haben ihre Profiabteilungen längst in Kapitalgesellschaften ausgegliedert. Das vereinfacht die Etablierung von professionelleren Rahmenbedingungen sowie klareren Entscheidungsprozessen und erleichtert darüber hinaus Möglichkeiten für Investoren. So wurden bei vielen Clubs wichtige strukturelle und wirtschaftliche Handlungsspielräume geschaffen.
Der Profifußball funktioniert heute in vielen Bereichen längst nach den Mechanismen großer Wirtschaftsunternehmen. Deshalb muss erlaubt sein, offen darüber zu diskutieren, ob die aktuelle Struktur der Fortuna noch zeitgemäß ist — oder ob auch hier ein Umdenken notwendig wäre.
Und falls man letztendlich bewusst am Modell des eingetragenen Vereins festhalten möchte, stellt sich umso dringlicher die Frage: Was muss innerhalb dieser Struktur anders und besser gemacht werden? Denn eines ist offensichtlich: Auch als e.V. kann man im deutschen Profifußball erfolgreich arbeiten. Andere Vereine beweisen das seit Jahren eindrucksvoll.
Warum also gelingt das in Düsseldorf nicht?
Fortuna Düsseldorf startete mit einem der größten Etats der 2. Bundesliga in diese Saison. Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Aufstiegskampf waren zweifellos vorhanden. Stattdessen steht am Ende der Abstieg — verbunden mit der Tatsache, dass ein Großteil des Kaders keinen Vertrag für die 3. Liga besitzt. Die Konsequenzen sind erheblich: Über Jahre aufgebaute sportliche Werte in Millionenhöhe werden sich innerhalb kürzester Zeit mehr oder weniger auflösen. Der wirtschaftliche Schaden könnte den Verein langfristig zurückwerfen. Wieso also ist an entscheidenden Stellen durch niemanden interveniert worden? Warum haben Kontrollmechanismen in diesem Fall offenbar nicht funktioniert?
Hinzu kommen weitere finanzielle Faktoren, die in der Gesamtbetrachtung nicht außer Acht gelassen werden sollten. Dazu zählen unter anderem die hohen Strafzahlungen im Zusammenhang mit Pyrotechnik-Vergehen, die sich in dieser Saison auf rund 300.000 Euro belaufen haben sollen. Auch wenn solche Kosten nicht allein ausschlaggebend für die wirtschaftliche Situation eines Vereins sind, verdeutlichen sie doch, wie wichtig ein konsequenter und verantwortungsvoller Umgang mit wiederkehrenden Belastungen ist.
Auch das Projekt „Fortuna für alle“ muss in dieser Situation ergebnisoffen bewertet und auf den Prüfstand gestellt werden dürfen. Die Idee sorgte weltweit für Aufmerksamkeit: Freispiele für das gesamte Stadion, mehr Teilhabe, niedrigere Hürden für sozial schwächere Menschen. Der Ansatz war mutig und gesellschaftlich bemerkenswert.
Doch auch hier muss ehrlich gefragt werden: Ist die Rechnung am Ende aufgegangen? Wurde die erwartete Zahl an zusätzlichen Sponsoren erreicht oder blieb sie hinter den Erwartungen zurück? Waren die Freispiele wirtschaftlich ein Zuschussgeschäft oder ein Erfolgsmodell?
Seit Jahren thematisiert werden seitens Fortuna unzureichende Umfeldbedingungen — trotz erheblicher wirtschaftlicher und infrastruktureller Unterstützung von städtischer Seite, wie sie sich vielleicht manch ein Bundesligist auch wünschen würde.
Braucht es also mehr Expertise im Verein? Und wenn ja: an welchen Stellen?
Braucht es modernere oder effizientere Strukturen, mehr wirtschaftliche Kompetenz, klarere sportliche Führung?
Der Abstieg ist mehr als nur eine sportliche Zäsur. Er muss ein Weckruf sein. Ein Signal dafür, Dinge neu zu denken, Strukturen kritisch zu hinterfragen und den Mut zu haben, neue Wege einzuschlagen. Denkverbote in irgendeine Richtung darf es hierbei nicht geben, jegliche denkbare Maßnahme muss in einem ergebnisoffenen Dialog erörtert werden, selbst wenn Interessengruppen bestimmte Punkte als „No-Go“ sehen sollten. Wenn eines bei der Fortuna gewiss ist, allen wird man es nicht recht machen können. Ein „Weiter-So“ manifestiert Stillstand und kann keine tragfähige und nachhaltige Option für die Zukunft darstellen.
Ich selbst nehme nicht für mich in Anspruch, den einen richtigen Weg zu kennen. Aber ich möchte mit diesem offenen Brief eine notwendige Diskussion anstoßen. Denn Fortuna Düsseldorf ist weit mehr als ein Fußballverein. Die Fortuna ist ein wichtiger Teil dieser Stadt — emotional, gesellschaftlich und ja, auch identitätsstiftend.
Und ich wünsche mir, wie viele Menschen in Düsseldorf, endlich wieder eine Fortuna, die ihrem Anspruch, ihrer Tradition und ihrem Potenzial gerecht wird. Daher lautet die abschließende Frage an alle Beteiligten: Welche Veränderungen braucht es nun, um dies zu erreichen und Fortuna wieder auf den richtigen Weg zu bringen?
Mit rot-weißen Grüßen
Burkhard Hintzsche
