Als das Profi-Eishockey in Düsseldorf am Boden lag, reichte Peter Hoberg der DEG die Hand. Oder besser gesagt: beide Hände. Und zog den Karren aus dem Dreck. Still. Der erfolgreiche Unternehmer hielt den achtmaligen Deutschen Meister nach dem Ausstieg der Metro im Jahr 2012 finanziell über Wasser. Über viele Jahre hinweg. Nicht, weil er das Rampenlicht suchte. Oder weil er die Schulterklopfer genoss. Ganz im Gegenteil. Das war nicht seine Welt. „Weil wir verrückt sind. Weil wir Eishockey und die DEG lieben“, sagte Hoberg einmal gegenüber Journalisten und bezog das „Wir“ auch auf seine Mitgesellschafter.
Es dürfte ein zweistelliger Millionenbetrag gewesen sein, den der Eishockeyfan aus seinem Privatvermögen in den Klub steckte. Das machte Peter Hoberg in dieser Zeit zu dem prägendsten Gesicht der Düsseldorfer EG. In den Fanshops gab es damals sogar ein Sondertrikot: Nummer 53, Hoberg. Obwohl der „kein Tor geschossen, keinen Schlagschuss gehalten und nie einen Check zu Ende gefahren“ hatte, wie die DEG es formulierte.
Selten am Mikrofon – aber immer erinnerungswürdig
In Mikrofone, Smartphones und vor Menschen mit Notizblöcken sprach Hoberg nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Doch wie die Rheinische Post es im Februar 2023 in ihrem Nachruf beschrieb, die Auftritte des Unternehmers waren „stets ein Ereignis. Seine Stimme, seine Eloquenz, seine bewussten Wechsel bei Tempo und Lautstärke, die berühmten Zitate, die er gern einstreute – man hätte sich ihn auch auf einer Bühne oder als Hörbuchsprecher vorstellen können.“
Die Liebe zum Eishockeysport entwickelte Peter Hoberg bereits als Kind. Als er bei der DEG einstieg, agierte er anfangs sogar als „anonymer Großspender“. Und er warb seit Anbeginn seines Engagements um Unterstützung. Diese fand er in Mikhail Ponomarev, der viel versprach und ebenso viel schuldig blieb. Trotzdem fand Gentleman Hoberg auch nach Ponomarevs geräuschvollem Abgang lobende Worte für seinen langjährigen Mitstreiter. In die gemeinsame Phase der beiden Geldgeber fiel auch das Winter Game 2015 in der heutigen MERKUR SPIEL-ARENA, das es ohne Hoberg in dieser Form nicht gegeben hätte.

Christof Kreutzer (l.) und Peter Hoberg. Foto: Horstmüller
Charakteristisch für Peter Hoberg ist auch diese Anekdote – abseits des Klubs –, die im DEG-Fanforum erzählt wurde: Hoberg traf sich hin und wieder mit Leuten aus der DEG-Bubble im Café Extrablatt in der Grünstraße zu Kaffee und frischgepresstem Orangensaft. Und fast jedes Mal kam jemand vorbei, um das Obdachlosen-Straßenmagazin „fiftyfifty“ anzubieten. Was machte Hoberg? Er steckte demjenigen unauffällig einen Schein zu. Das konnte mal ein Zwanziger oder ein Fünfziger sein – je nachdem, was er gerade in seiner Hosentasche fand.
Zugewandt, herzlich, leidenschaftlich
Mit Christof Kreutzer als Cheftrainer ging es für die DEG bis ins Halbfinale der DEL-Play-offs und erstmalig in die Champions Hockey League. Peter Hoberg genoss das alles ohne Aufsehen zu erregen. 2016 holte er seinen Bruder Stephan mit ins rot-gelbe Boot. Eine der klügsten Entscheidungen in dieser Zeit war, dass die Gesellschafter auf den als Manager unerfahrenen Niki Mondt setzten, der aus – im Vergleich zu den DEL-Schwergewichten – überschaubaren Möglichkeiten viel machte und für viel sportliche Konstanz bei den Düsseldorfern verantwortlich zeichnete.
Als Hoberg seinen Auftrag als erfüllt ansah, zog er sich mehr und mehr zurück. 25 seiner 30 Prozent an der DEG hatte er an Harald Wirtz verkauft. Trotzdem fieberte er immer noch genauso mit seinem Verein mit. Eine Meisterschaft mit der DEG zu erleben, das war sein großer Traum. Doch dieser blieb unerfüllt. Peter Hoberg verstarb am 17. Februar 2023. Unerwartet.
Sein Tod löste im DEG-Kosmos große Betroffenheit aus. Weil alle wussten, dass es ohne ihn nach 2012 wahrscheinlich kein Profi-Eishockey in der Stadt mehr gegeben hätte. Noch mehr aber, weil der zugewandte, herzliche und leidenschaftliche Mensch mit großem DEG-Herz plötzlich nicht mehr da war. Sein Vermächtnis aber ist geblieben. Auch wenn Peter Hoberg diesen Begriff ganz sicher überhaupt nicht mögen würde.
