Ein filmreifes Ende

Borussia dreht Finale und gewinnt 32. DM-Titel

Foto: Kenny Beele

von Tobias Kemberg

Trotz eines zwischenzeitlichen 1:2-Rückstands krönen sich die Düsseldorfer erneut zu den Champions der Tischtennis-Bundesliga. Am Ende eines packenden Endspiels sind es Dang Qiu und Kristian Karlsson in seinem letzten Einsatz im Borussia-Trikot, die im Doppel den entscheidenden Punkt zum 3:2 holen.

Das Ende kam fast schon etwas kitschig daher. In seinem letzten Match für die Borussia war es ausgerechnet ein Aufschlag von Kristian Karlsson, der den Düsseldorfern am Samstagnachmittag den 32. Deutschen Meistertitel bescherte. Zuvor hatte der Schwede, der sich nach sechs erfolgreichen Jahren lange gedulden müssen, ehe sein großer Auftritt an der Seite von Dang Qiu kam.

In den vier Einzeln zuvor bangte Karlsson nur hinter der Bande mit und sah gemeinsam mit den 2350 Zuschauern in der Frankfurter Ballsporthalle ein Play-off-Finale zwischen seiner Borussia und dem 1. FC Saarbrücken, das genau das brachte, was die Expertenwelt zuvor prognostizierte: hochklassiges Tischtennis, Spannung und ein knappes 3:2.

Anders als im Pokalfinale Anfang Januar jubelte nach dem letzten Ballwechsel aber die Borussia. „Endlich wieder vor Zuschauern so ein Finale zu spielen, hat uns allen Auftrieb gegeben. Es war eine Achterbahnfahrt heute“, sagte Trainer Danny Heister nach dem hart erkämpften Triumph. „Wir wussten, dass wir im Doppel leicht im Vorteil sind. Kristian ist vor zwei Wochen noch leicht umgeknickt. Umso schöner ist es, dass er heute an der Entscheidung beteiligt war.“

Källbergs Einzelsiege halten die Düsseldorfer im Spiel

Im Eröffnungseinzel wurde Anton Källberg seiner Favoritenrolle nach einem etwas wackligen Start gerecht. Nachdem der 24-Jährige im ersten Durchgang insgesamt vier Satzbälle ungenutzt ließ, steigerte sich der Schwede vom zweiten Satz an kontinuierlich. Sein Kontrahent Tomas Polansky hatte dagegen immer wieder Probleme mit den eigenen Aufschlägen und fand spätestens ab dem dritten Satz keine Mittel mehr, um Källbergs dynamischem Spiel erfolgreich entgegenzuwirken.

Nach einer halben Stunde Spielzeit verwandelte der Düsseldorfer seinen ersten Matchball zum 3:1-Sieg in einem Einzel, in dem lange Ballwechsel die Ausnahme blieben. Stören wollte sich auf Seiten des Rekordmeisters daran aber niemand. Källbergs 30. Sieg im 32. Einzel der Saison 2021/22 brachte der Borussia das wichtige und erhoffte 1:0.

Über die volle Distanz ging es im zweiten Einzel zwischen Dang Qiu und Patrick Franziska. Das Aufeinandertreffen zwischen dem Weltranglisten-14. und dem zwei Plätze höher eingestuften Ex-Borussen entwickelte sich zum erwartet engen Match. Qiu begann konzentriert, suchte aber in den Sätzen zwei und drei in vielen Situationen zu oft den schnellen Punktgewinn. Zur Mitte des fünften Satzes wechselte das Momentum ein letztes Mal – auf die Seite von Franziska, der so den Saarbrücker Ausgleich erzielte.

Boll muss sich furiosem Jorgic geschlagen geben

Da beide Trainer ihre ranghöchsten Asse im Aufstellungspoker an Position drei ausgespielt hatten, kam es nach der Pause zum Aufeinandertreffen von Timo Boll und Darko Jorgic. Und jenes Einzel hätte möglicherweise ein anderes Ende gefunden, wenn Boll den umkämpften ersten Satz für sich entschieden hätte. Doch nach dem 12:14 traf Jorgic sowohl mit seiner Vor- als auch mit seiner Rückhand fast jeden Ball.

Auf der anderen Seite wirkte Boll in seinem Bewegungsablauf hier und da etwas eingeschränkt. Was erst nach dem Finale bekannt wurde: Boll spielte mit einer gebrochenen Rippe. Trotzdem fightete die Tischtennis-Legende bis zum letzten Punkt. Mit dem Gewinn des dritten Durchgangs schien Boll dann auch noch einmal Energie getankt zu haben, Jorgic aber bekam keine Angst vor dem Gewinnen und machte das Match mit einem klaren 11:4 im vierten Satz zu. „Darko hat die richtige Balance gewonnen und verdient gewonnen“, sagte Boll.

Foto: Kenny Beele

Källberg: „Du musst diese engen Sätze und Spiele gewinnen“

Nun musste Källberg gegen Franziska gewinnen, um die Borussia ins Doppel zu bringen. Und das gelang. Im Kräftemessen der beiden dominierenden Bundesligaspieler dieser Saison zwang Källberg dem deutschen Nationalspieler nach zwei ausgeglichenen Sätzen zunehmend sein Spiel auf und bewies dabei einmal mehr, dass es seine Gegner extrem schwer haben, wenn er einmal in seinen Rhythmus gefunden hat.

Durch das 3:1 Källbergs, der seine TTBL-Bilanz auf 31:2 schraubte, ging es ins von vielen erwartete Doppel, in dem Qiu und Doppel-Weltmeister Karlsson mehr mit den Schiedsrichtern zu kämpfen schienen als mit Jorgic und Polansky. Gleich mehrfach monierten die Unparteiischen den Ballwurf bei den Düsseldorfern. Am Ende spielte das aber keine Rolle mehr. Qiu und Karlsson setzten sich glatt mit 3:0 durch und starteten damit die Borussia-Party, die sich am Abend in Bolls Haus im Odenwald fortsetzte.

„Ich bin sehr stolz auf uns alle“, sagte Källberg. „Gegen Saarbrücken ist es immer eng. Wir sind sehr happy, dass wir heute gewonnen haben.“

STATISTIK
Borussia – 1. FC Saarbrücken TT 3:2
Anton Källberg – Tomas Polansky 3:1 (11:13, 11:8, 11:6, 11:2)
Dang Qiu – Patrick Franziska 2:3 (11:7, 9:11, 8:11, 11:7, 7:11)
Timo Boll – Darko Jorgic 1:3 (12:14, 6:11, 11:8, 4:11)
Källberg – Franziska 3:1 (13:11, 8:11, 11:4, 11:6)
Kristian Karlsson/Qiu – Jorgic/Polansky 3:0 (11:3, 11:8, 11:8)

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2:3

2:1

1:3

2:2

2:4

3:1

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