Am Ende von Borussia Düsseldorfs letzter Hoffnung auf wenigstens einen Titel musste sogar Vereinsikone Timo Boll mit einem Appell an den Sportsgeist den Seelentröster geben. „Hoffentlich“, sagte die personifizierte Erfolgsgarantie früherer Glanzjahre nach der 1:3-Endspielniederlage seines langjährigen Teams beim TTBL Final4 in Frankfurt gegen den derzeitigen Dominator 1. FC Saarbrücken als TV-Experte bei Dyn, „hoffentlich reißen sie sich die Silbermedaille nicht so schnell vom Hals. Sie sind die zweitbeste Mannschaft in Deutschland, auch das haben sie sich hart erarbeitet.“
Die leeren Blicke von Düsseldorfs Topspieler Dang Qiu und Co. sowie Trainer Danny Heister bei der Siegerehrung allerdings ließen nicht auf eine besonders hohe Durchdringungskraft von Bolls Worten schließen: Mit hängenden Mundwinkeln nahmen die früheren Abonnementschampions, die sich nach ihrem imponierenden 3:2-Comebacktriumph im Halbfinale gegen den TTC Schwalbe Bergneustadt reif für den Angriff auf Saarbrückens Starensemble um ihren künftigen Mannschaftskollegen Fan Zhendong gewähnt hatten, die gefühlt nur matt glänzenden Plaketten für den „Best of the rest“ entgegen.
„Die Enttäuschung ist natürlich groß, auch weil es sich ein bisschen wie eine verpasste Chance anfühlt. Wir haben uns zwar wirklich gut verkauft, in beiden Spielen dagegengehalten und bis zum letzten Moment gebissen, aber man muss auch festhalten, dass wir es wieder nicht geschafft haben, in dieser Saison in entscheidenden Momenten über den Punkt zu kommen“, analysierte Manager Andreas Preuß: „Das war im Herbst im Pokal so, das war in der Champions League so, und das ist nun auch im Meisterschaftsfinale so gewesen – wir kommen bis neun, bis zehn, aber wir kommen nicht drüber. Wir schaffen den Alltag, aber wenn man es in den wichtigen Spielen nicht schafft, drüber zu kommen, wird man keinen Titel gewinnen.“
Auf das immer wieder rauschhafte Gefühl eines Titelgewinns wartet Düsseldorf nun schon zwei Jahre. Seit der Meisterschaft 2024 griff Heisters Mannschaft sechsmal nach dem nächsten Triumph – und sechsmal am Titel vorbei. Preuß machte aus der entsprechenden Ernüchterung in seinem Klub, der momentan eher nur noch strukturell als zudem auch sportlich weiterhin als deutscher Branchenführer gelten kann, keinen Hehl. „Das kann nicht unser Anspruch sein.“
Wechsel von Fan Zhendong zur Borussia soll Kräfteverhältnisse wieder verschieben
Viel Zuversicht trotz der inzwischen längsten Durststrecke schöpft der Rekordmeister aus seinen Perspektiven. Im Idealfall nämlich heißt Borussias Zukunft beinahe schlicht und einfach Fan Zhendong. Preuß: „Ich würde mir viel mehr Sorgen machen, wenn Fan Zhendong und in der Champions League auch ein Truls Möregardh weiter in Saarbrücken spielen und wir ohne jede Veränderung in die neue Saison gehen würden.“

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In der Tat muss Fan Zhendongs spektakulärer Seitenwechsel vom frischgekürten Triple-Gewinner Saarbrücken zur Borussia als massiver „Gamechanger“ im mittlerweile ewig anmutenden Duell beider Vereine um die Vorherrschaft in Deutschland und Europa gewertet werden. Durch den zweimaligen Weltmeister, für viele der beste und für Boll mindestens „der kompletteste Spieler der Welt“, stehen Düsseldorfs Chancen auf eine neuerliche Verschiebung der Kräfteverhältnisse dieses Mal zu eigenen Gunsten fraglos ausgesprochen günstig.
Vorsorglich jedoch warnte Preuß bereits in der finalen Stunde der abgelaufenen Saison vor Müßiggang und Leichtfertigkeit im bevorstehenden Spieljahr aufgrund der Verstärkung durch Fan Zhendong: „Das wird kein Selbstläufer. Es wird in keinem Wettbewerb von alleine gehen, die anderen wegzuräumen. Es wird sicher wieder um Momente gehen, da müssen wir auch die anderen Spieler in der Hinterhand haben, die dann im entscheidenden Moment auch liefern und ihr ganzes Potenzial an den Tisch bringen. Saarbrücken hat Fan durch Vizeweltmeister Hugo Calderano ersetzen können und wird wieder so stark, dass bei uns die ganze Mannschaft funktionieren muss und nicht nur Fan Zhendong.“
Manager Andreas Preuß spricht über Paradigmenwechsel
Unabhängig von Düsseldorfs Hoffnungen auf das vierte „Triple“ steht am Staufenplatz auch ein Paradigmenwechsel bevor. „Es wird künftig darauf ankommen, eine Mannschaft zu haben, die in wichtigen Spielen punkten kann, und nicht mehr nur auf den Alltag. Vielleicht muss man noch weitere junge Deutsche aufbauen, aber auch besonders darauf schauen, wer spielt die drei oder vier wichtigsten Spiele für uns. Wir lösen uns ja auch langsam von der Philosophie, dass jeder alle Spiele machen muss. Wenn es nicht reicht, um in der Champions League konkurrenzfähig zu sein, müssen wir vielleicht darüber nachdenken, noch einen Spieler zu holen, der wie Möregardh drei oder viermal spielt“, erläuterte Preuß die strategischen Erwägungen der Borussia-Führung.
Zunächst jedoch soll nun die Vorfreude auf Fan und die erste Borussen-Saison mit einem olympischen Goldmedaillengewinner den absolut angemessenen Raum bekommen. „Das wird“, meinte Preuß, „ein ganz besonderer Impuls in die Mannschaft und auch in die Stadt hinein. Das wird uns sehr viel Energie geben.“
Zu den Plänen des Klubs für das mutmaßlich ungewohnt grelle Rampenlicht durch den chinesischen Volkshelden Fan gehört auch die verstärkte Austragung von Heimspielen außerhalb des ARAG Center Courts. Zu den Optionen gehört die Verlegung des Saisoneröffnungsspiels in die Mitsubishi Electric HALLE ebenso wie Gastspiele im hessischen Marburg oder erneut im ostwestfälischen Minden. Finale Entscheidungen standen Anfang Juni allerdings noch aus.
Florian Manzke
