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Das Foto zeigt mehrere Spieler von Fortuna Düsseldorf, die in roten Trikots gekleidet, einen Spielerkreis auf dem Rasen formen.

Foto: Kai Kuczera

Fußball

Vom Aufstiegstraum in den „Survival-Mode“

Fortuna muss nach desolater Hinrunde den Schalter umlegen.

Anspruch und Wirklichkeit – bei Fußball-Zweitligist Fortuna Düsseldorf klafft diesbezüglich aktuell wieder mal eine große Lücke. Im Sommer redeten sie trotz massivem Kaderumbau vom Aufstieg. Dann folgte ein schlechter Start, der Austausch der kompletten sportlichen Führung und eine Hinrunde, die – vorsichtig ausgedrückt – wenig positive Erinnerungen schaffte. Mit neuem Sportvorstand und altem Cheftrainer steht in der Rückrunde der Klassenverbleib an oberster Stelle. Gleichzeitig müssen aber auch neue Strukturen geschaffen werden, um sich sportlich weiterentwickeln zu können.

„Fortuna, du bist launisch und unberechenbar. Wie im richtigen Leben, niemals Mittelmaß.“ Im Kalenderjahr 2025 passten diese Zeilen aus dem Song „Wir sind Düsseldorfer Jungs“ der Bremer Punkrock-Band „Die Mimmi’s“ um Claus Fabian mal wieder perfekt zum wichtigsten Fußballverein der Stadt. Auf der Suche nach Kontinuität und dem Aufzug in die Fußball-Bundesliga herrschten vor allem in der zweiten Jahreshälfte reichlich Aufregung und noch mehr Frust. Und in nur wenigen Monaten wurde beim Fußball-Zweitligisten mal wieder (so ziemlich) alles auf links gedreht.

Rückblende: Am 18. Mai 2025 unterliegt die Fortuna am letzten Spieltag der Saison 2024/25 mit 2:4 in Magdeburg und schließt das Arbeitsjahr auf Tabellenplatz sechs ab. Lange oben drangeblieben, aber den Aufstieg eben auch verpasst. In der Startformation finden sich an diesem Nachmittag unter anderem die Namen Dawid Kownacki, Myron van Brederode, Isak Johannesson, Giovanni Haag, Nicolas Gavory und Jamil Siebert. An der Seitenlinie steht Daniel Thioune. Fünf Monate später ist niemand der sieben Genannten mehr dabei, als es in der MERKUR SPIEL-ARENA ein 1:2 gegen Eintracht Braunschweig gibt. Nun war und bleibt der Fußball zweifellos ein schnelllebiges Geschäft – in Düsseldorf läuft der Quarzsand nur eben häufiger ein wenig schneller durch das Glas.

Markus Anfang, nicht gerade ein unumstrittener Charakter, ersetzt Daniel Thioune Anfang Oktober als Cheftrainer einer Mannschaft, in die nach dem Ende der sommerlichen Transferperiode insgesamt 13 neue Profis integriert werden müssen. Wichtige Figuren wie Johannesson und Siebert sind gegangen und haben wertvolles Geld in die Kassen gespült, doch sie hinterlassen gleichermaßen schwer zu füllende Lücken auf dem Spielfeld. Trotzdem: Nicht wenige Experten trauen der Fortuna ungeachtet des massiven Kaderumbaus zu, um den seit Jahren ersehnten Aufstieg mitzuspielen. Selbst die sportliche Leitung um Klaus Allofs formuliert dieses Ziel ungewohnt deutlich. Doch am Ende einer Hinrunde mit nur fünf Siegen, zwei Unentschieden und zehn Niederlagen sind Sportvorstand Allofs und Sportdirektor Christian Weber ebenso zur Tür hinaus wie zuvor bereits Thioune. Dafür kommt mit Sven Mislintat ein neuer Mann, der den nächsten und mit Blick auf die mittelfristige Zukunft nicht unwichtigen Umbau im rot-weißen Kosmos vorantreiben soll.

Foto: Kenny Beele

Für die gruseligen Zahlen der ersten 17 Saisonspiele kann der neue Sportvorstand freilich nichts. Doch Fakt ist: Die Hinrundenbilanz ist deprimierend. Zum Weihnachtsfest liegen magere 17 Punkte unter dem Baum und mit nur 15 erzielten Treffern stellt die Fortuna die harmloseste Offensive der 2. Bundesliga. Dass man zur „Halbzeit“ der Saison auf einem Relegationsplatz steht, hätten sich viele im Sommer gewünscht – jedoch nicht auf dem, der zu zwei Spielen gegen den Tabellendritten der 3. Liga berechtigen würde, also Rang 16. So mancher Fan nimmt es in der Hinrunde schon mit Galgenhumor, anders lassen sich vor allem zahlreiche Heimauftritte nicht verarbeiten. Kurzum: Es ist eine sportlich grottenschlechte Hinrunde, begleitet vom kompletten Austausch der sportlichen Führung im Verein.

Kaum ein Sommertransfer konnte überzeugen

Die Gründe für die sportliche Krise? Manch einer holt etwas weiter aus und sagt, die Fortuna habe sich nie richtig vom Relegationsdrama 2024 gegen den VfL Bochum erholt und spüre die Nachwirkungen bis heute. Möglich. Aber ein in großen Teilen neuer Kader sollte diese These doch widerlegen können. Fakt ist, dass kaum ein Sommertransfer richtig eingeschlagen hat. Das ließe sich natürlich schnell und bequem mit der Gesamtgemengelage rund um die Mannschaft erklären. Aber individuell betrachtet haben Allofs und Weber sehr oft danebengegriffen. Zumindest sieht es nach der Hinrunde so aus. Die Hoffnung? Raum für Korrekturen bietet die zweite Saisonhälfte allemal.

Doch Spieler wie beispielsweise Christopher Lenz kamen aus langen Ausfallphasen, Julian Hettwer und Sotiris Alexandropoulos zeigten kaum gute Ansätze und fehlen seit Oktober verletzungsbedingt, Innenverteidiger Jesper Daland ist für eine Säule im Abwehrzentrum zu fehleranfällig und beim technisch versierten Christian Rasmussen mangelt es offenbar so sehr an Selbstvertrauen, dass selbst Alleingänge in Richtung des gegnerischen Torhüters nicht für ein Lösen der augenscheinlichen Blockade sorgen können. Mittelstürmer Cedric Itten ist zwar der bisherige Toptorjäger im Team, könnte aber insgesamt sicher auch noch zulegen.

Diese Liste ließe sich ausbauen, bei der Fortuna sind es jedoch nicht allein Verletzungen und Formschwächen einzelner Spieler, die als Hauptgründe für den Absturz auszumachen sind. Es mangelt in vielen Auftritten im bisherigen Saisonverlauf an simplen Dingen. Die Defensive ist wackelig, weil es an Zweikampfhärte und Konsequenz in der Arbeit gegen den Ball fehlt. Nur fünf Klubs haben mehr als die 27 Gegentore kassiert, die Fortuna hinnehmen musste. Stünde mit Kapitän Florian Kastenmeier nicht der vermutlich beste Keeper der Liga zwischen den Pfosten, die Lage bei den Rot-Weißen wäre (noch) bedrohlicher.

Foto: Kenny Beele

Im Spiel nach vorne lässt die Mannschaft nicht nur das Überraschende und Kreative meistens vermissen. Zu selten werden klare Torchancen erspielt, ob über die Flügel oder aus dem Zentrum heraus. Und wenn es welche gibt, bleiben sie zu häufig ungenutzt. Die Konter in den Umschaltmomenten sind zu oft behäbig und selbst über Standards funktioniert es nur, wenn Florent Muslija den Ball direkt aufs Tor schlägt. Aber das ist natürlich auch kein ernstzunehmender Lösungsansatz.

Mit Tanaka und Paulina gibt es bisher zwei Neue

„Wir haben Fehler gemacht. Wir haben Dinge falsch eingeschätzt, falsch reagiert oder zu spät reagiert“, sagte Vorstandsboss Alexander Jobst bei der Jahreshauptversammlung im November. Eine treffende Analyse. Nun ist es oberste Priorität, den Super-GAU Abstieg zu verhindern. Und wenn sich kontinuierlich positive Ergebnisse einstellen sollten, könnte damit in der Rückrunde sogar ein Fundament gelegt werden, auf dem sich für 2026/27 aufbauen lässt. Doch wie sähe das aus?

Sportvorstand Mislintat hat sich vor dem Jahreswechsel in der Trainerfrage positioniert. Markus Anfang, dessen 0,78 Punkte pro Partie nicht zwingend nach Trendwende schreien, darf weitermachen. Aber wie lange? Bis zum Sommer? Wenn sich in den ersten vier, fünf oder sechs Partien keine positiven Resultate einstellen, könnte erneuter Handlungsbedarf entstehen. Auch wenn bei der Fortuna jetzt alle enorm darum bemüht sind, dass mal wieder ein wenig Ruhe einkehrt. Der Start gegen Bielefeld am 16. Januar sowie die folgenden Aufgaben in Hannover, gegen Paderborn und in Karlsruhe müssen Punkte bringen, für deren Zählung mehr als eine Hand benötigt wird.

Foto: Kenny Beele

Im Hintergrund wird weiter an Verstärkungen für den Kader gearbeitet. Mit Satoshi Tanaka (nicht verwandt mit Ex-Fortune Ao Tanaka) hat Mislintat noch vor Beginn des Trainingslagers in Marbella den ersten Winter-Transfer eingetütet. Der 23 Jahre alte japanische Mittelfeldspieler kommt aus seiner Heimat von Sanfrecce Hiroshima und hat ein Arbeitspapier bis Sommer 2030 unterschrieben. Zudem ist mit Mittelstürmer Jordi Paulina von der U23 Borussia Dortmunds ein vielversprechendes Talent verpflichtet worden. Im Gespräch ist aktuell zudem Rechtsverteidiger Christopher Olivier (19) vom VfB Stuttgart II. Um den Kader nicht aufzublähen, wird es aber auch Abgänge geben. Stürmer Danny Schmidt ist auf Leihbasis zu Drittligist Rot-Weiß Essen gewechselt. Zudem könnte die Leihe von Stürmer Zan Celar, der in zehn Einsätzen ohne Tor blieb, vorzeitig beendet werden. Problem hier: Die Queens Park Rangers wollen Celars Leihe nicht beenden. Außerdem soll Innenverteidiger Jordy de Wijs soll ein Streichkandidat sein.

Rückrundenstart wird Fingerzeig

Was also bringt die Rückrunde? Sollte Trainer Markus Anfang mit der Mannschaft zeitnah die Kurve bekommen, ist eine Platzierung zwischen Rang acht und zehn in der Abschlusstabelle im Mai durchaus noch vorstellbar. Aber ebenso denkbar ist es, dass die Fortuna bis tief in die Rückrunde in den Rückspiegel schauen oder sogar bis zum Ende der Saison kämpfen muss, um nicht in der kommenden Saison gegen Waldhof Mannheim und Viktoria Köln zu spielen.

Entscheidend wird der Start. Für den Klub und sicherlich auch für den Cheftrainer. Parallel wird Sven Mislintat die Weichen für die 2026/27 stellen – und dabei hoffentlich ein besseres Händchen haben als zuletzt Allofs und Weber. Aber auch wenn es bei den „Mimmi’s“ heißt, dass Fortuna „launisch und unberechenbar“ ist, so kann man sich bei der Diva stets auf eine andere Sache verlassen. Nach schlechten Zeiten kommen irgendwann auch wieder bessere. Und schlechter kann es nach den vergangenen fünf Monaten (eigentlich) nicht mehr werden.