Wir haben mit Sara Strauss exklusiv gesprochen. Die Stürmerin ist Mitglied bei D.2028 und spricht über ihre schweren Verletzungen, den Traum von der WM mit Deutschland im Sommer und die Chancen des DHC auf den Meistertitel.
Sara, was war Problem beim ersten Play-off-Viertelfinale in Berlin? Ein 0:3 klingt heftig…
Sara Strauss: Ein konkretes Problem gab es eigentlich nicht. Wir haben es insgesamt einfach nicht geschafft, unsere Leistung auf den Platz zu bringen. Das Ergebnis klingt am Ende deutlicher, als das Spiel tatsächlich war. Die drei Gegentore sind erst in den letzten zehn Minuten gefallen, davor stand es lange 0:0. Deshalb spiegelt das Resultat den Spielverlauf nicht wirklich wider, aber wir haben definitiv unter unserem Niveau gespielt.
Täuscht der Eindruck oder fällt euch in dieser Saison alles ein Stück weit schwerer als noch in den sehr erfolgreichen Vorjahren?
Strauss: Von den Ergebnissen her kann man das vielleicht schon sagen. Wir hatten über einen langen Zeitraum immer wieder verletzte Spielerinnen und dadurch viele Ausfälle. Erst am letzten Meisterschaftswochenende hatten wir den kompletten Kader erstmals wieder zusammen. Trotzdem müssen wir es schaffen, unser Potenzial konstant auf den Platz zu bringen und unser eigenes Spiel durchzuziehen. Entscheidend sind Wille, Einsatz und die kämpferische Leistung. Wir dürfen uns nicht darauf ausruhen, dass wir grundsätzlich einen sehr guten Kader haben.
Was macht Mut mit Blick auf Spiel zwei und womöglich ein entscheidendes Spiel drei gegen Berlin an diesem Wochenende?
Strauss: Uns ist absolut bewusst, was auf dem Spiel steht. Den Druck spüren wir natürlich, aber wir nehmen ihn an. Wichtig ist jetzt, dass wir uns auf uns selbst konzentrieren und unser Spiel auf den Platz bringen. Wenn wir unser Potenzial abrufen, haben wir die Qualität, diese Serie noch zu drehen. Das Final4 zu erreichen, ist unser Anspruch. Wir waren in den vergangenen Jahren immer oben mit dabei und genau das bleibt auch unser Ziel.
Sara, wie siehst du deine eigene Rolle? Du bist in der Torschützenliste der Bundesliga ganz vorne mit dabei in dieser Saison.
Strauss: Ich versuche immer, meine Mannschaft bestmöglich zu unterstützen. Natürlich freue ich mich, wenn ich das auch mit Toren tun kann. Gleichzeitig gehört zu meiner Rolle auch dazu, als Führungsspielerin voranzugehen, andere mitzuziehen und Energie auf den Platz zu bringen. Genau das wird auch am Wochenende wichtig sein. Dass ich oben in der Torjägerliste stehe, spielt keine große Rolle. Alles, was bisher war, zählt in den Playoffs nicht mehr.

Wie gut hast du deine einschneidenden Verletzungen aus den Vorjahren überstanden?
Strauss: Ich hatte zwei Fußoperationen, 2023 und 2025, jeweils wegen derselben Problematik.Dabei wurde eine Sehne unter dem Sprunggelenk operiert. Die letzte Operation war im Februar vergangenen Jahres, inklusive einer Bänderrekonstruktion und einer Knochenabschleifung. Zum Glück ist alles sehr gut verlaufen und ich merke inzwischen überhaupt nichts mehr.
Fühlst du dich stärker denn je?
Strauss: Das ist schwer zu sagen. Für mich ist vor allem wichtig, kontinuierlich trainieren zu können. Deshalb bin ich einfach froh, dass ich jetzt seit einem Jahr verletzungsfrei geblieben bin. Dadurch kann ich mich wieder weiterentwickeln. Das gibt mir auf jeden Fall ein sehr gutes Gefühl.
Wie sehr bestimmt die WM im Sommer in Belgien und Holland schon jetzt deine Gedanken?
Strauss: Natürlich ist das ein großes Ziel für mich. Aber ehrlich gesagt beschäftigt mich das aktuell nicht. Im Moment liegt mein voller Fokus auf dem DHC und auf unserer Aufgabe in den Play-offs. Hier möchte ich Leistung bringen und Verantwortung übernehmen. Alles andere wird sich danach zeigen. Die Nationalmannschaft blende ich momentan bewusst aus.
Vielen Dank für das Gespräch.
Fotos: Kenny Beele
