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Foto: Kenny Beele

Fußball

Pfeifkonzert als Abgesang für Thioune?

Fortunas Trainer kämpft für seine Arbeit in Düsseldorf.

Von Norbert Krings – Daniel Thioune hat noch nicht aufgegeben. Seine Geschichte mit Fortuna Düsseldorf sei für ihn noch nicht zu Ende erzählt. Mit dem Treueschwur seiner Kapitäne Florian Kastenmeier und Tim Oberdorf weiß der 51-Jährige seine Spieler hinter sich. Doch reicht das angesichts der langen Liste an Problemen, um den Verein von einer Entlassung – spätestens nach einer weiteren Enttäuschung in Bochum – abzuhalten? Ein Rauswurf wird angesichts der langen Vertragsdauer von Daniel Thioune teuer, das Verpassen des großen Ziels jedoch ebenfalls. Ganz ohne Verantwortung/Schuld für die aktuelle Situation sind auch Sportvorstand Klaus Allofs und Sportdirektor Christian Weber nicht.

Die Aufarbeitung von Daniel Thioune:
Die Aufarbeitung sei noch nicht abgeschlossen. Am Montagmorgen habe er mit den „Verantwortlichen“ des Vereins gesprochen, Klaus Allofs und Christian Weber. Dabei ging es um die Lösungen für das kommende Wochenende, das Spiel in Bochum. Auch mit der Mannschaft habe er gesprochen und gefragt, warum Fortuna aus ihrer Sicht in dieser Situation sei. Die beiden Kapitäne seien zudem bei ihm gewesen. „Das ist die anspruchsvollste Situation, die ich je bei Fortuna hatte“, sagte Thioune. „Ich merke, wie kritisch und laut alles gerade ist.“ 

Einige Anhänger seien unzufrieden mit ihm und dem Team, aber es gebe auch Verständnis für die Situation. Er gebe mit seinem Team den Fans, die das Wichtigste für diesen Verein seien, kein gutes Gefühl. „Die Fans funktionieren nur, wenn die Mannschaft funktioniert. Und die funktioniert.“ Beide Kapitäne hätten ihm gegenüber geäußert, dass sie mit ihm zusammen das Ruder herumreißen wollen und das absolute Vertrauen in ihn als Menschen und Trainer hätten. „Jetzt muss ich nur noch die Fans überzeugen, dass ich der richtige Trainer sein kann und bin“, sagte Fortunas Coach. „Verliere ich die Mannschaft, verliere ich auch den Job.“

Er werde mit seiner Mannschaft mehr arbeiten, der freie Tag ist gestrichen. In der Video-Analyse werden die offensichtlichen Dinge aufgearbeitet, die schlecht waren. Auf dem Trainingsplatz will er „noch mehr“ Einsatz sehen. „So versuchen wir in Bochum allen, die es mit uns halten, ein besseres Gefühl zu geben“, erklärte Thioune, der dann sein Gefühl bestätigt haben möchte, der richtige Mann am richtigen Ort zu sein. Es sei völlig richtig, vom Sportvorstand in die Verantwortung genommen zu werden. „Ich bin nicht nur ein Trainer für schlechte oder gute Zeiten“, sagte der 51-Jährige, der Lösungsansätze suchte, sie aber nicht zu 100 Prozent finden konnte. Die Minimalforderung sei aber die, dass seine Spieler „maximal energetisch“ unterwegs sein sollen. So wie sie dies gegen Darmstadt gezeigt hat, sei das Team weit weg davon, wie er als Trainer sein möchte und wie er sich seine Mannschaft vorstellt. Er werde nun die Spieler auf den Platz schicken, von denen er den größten Einsatz erwarten kann.


Das sind die größten Problemfelder:

Kritische Entscheidungen der Sportlichen Leitung:
- der Vertrag des Trainers wurde in einer schlechten Phase der vergangenen Saison ohne Not gleich um drei Jahre verlängert – was eine Trennung sehr teuer macht.
- obwohl die Namen der neuen Spieler noch nicht bekannt waren, wurde großspurig bereits beim ersten Training das Saisonziel „Aufstieg“ ausgegeben.
- die wichtigsten Verstärkungen kamen sehr spät, ein richtiges Einspielen gab es nicht.
- gleich mehrere Spieler kamen mit nicht ausgeheilten Verletzungen nach Düsseldorf.
- wenn die Leistungen beispielsweise von Jesper Daland und Tim Breithaupt betrachtet werden, kam ins Team der Fortuna mehr Quantität denn Qualität. Ein einzelner Spieler, der mehr Leistung verspricht und daher auch teurer ist, hätte direkt helfen können.
- die Identifikation mit der Mannschaft, dem Verein und der Stadt ist bei vielen (neuen) Spielern (noch) nicht ausgeprägt genug.
- zwei Stürmer zu verpflichten, die fast die gleichen Typen darstellen und ähnliche Stärken haben, helfen einfach nicht weiter.

Schwächen des Trainers:
- Daniel Thioune hat es seit längerer Zeit nicht mehr geschafft, ein Team auf den Platz zu schicken, das von der ersten bis zur letzten Minute alles gegeben hat, egal mit welcher Taktik oder welchem System. In der MERKUR SPIEL-ARENA trat die Fortuna zuletzt immer wieder wie ein ängstliches Auswärtsteam auf – und das lag nicht an der mangelnden Unterstützung durch die Fans.
- Fortunas Coach ist es zuletzt nicht mehr gelungen, eine Stammelf zu finden, die sich einspielen konnte.
- zu selten war zuletzt eine klare Handschrift des Trainers zu erkennen, allein ein überladenes Zentrum als Taktik auszugeben, half nicht weiter.
- das Flügelspiel hat die Fortuna fast komplett eingestellt, zwei Stürmer, die auf Flanken warteten, wurden von außen nur selten gefüttert und das dann nur von überforderten Außenverteidigern.
- ungezwungene Personalwechsel und neue Spieler nach wenigen Trainingsstunden in der Startelf sorgten für Abstimmungsprobleme.
- der ständige Wechsel zwischen Dreier- und Viererkette trug nicht zur Sicherheit der Abläufe bei. Eine klare Vorgabe würde vielleicht für manchen Spieler hilfreicher sein als ein für sie nicht durchschaubares System.
- es fehlte zuletzt wohl offensichtlich eine klare Stellungnahme des Cheftrainers gegenüber dem Athletik-Trainer. Dass es bei Fortuna so unzählig viele Muskelverletzungen gegeben hat, kann eigentlich nicht normal sein.
- Daniel Thioune ist ein sympathischer Trainer und ein mitfühlender Mensch. Doch manche Sprüche wirken aufgesetzt und passen eigentlich nicht zu seiner Art. Vielleicht sollte er sich mit markigen Aussagen, die sich schnell abnutzen können, mehr zurückhalten.