Analyse - Von Norbert Krings – Im Vergleich zum Vorjahr hat die sportliche Leitung von Fortuna Düsseldorf schon deutlich mehr Erfolgsmeldungen veröffentlichen können. Sechs neue Spieler, darunter auch mindestens drei Hochkaräter, wurden bereits verpflichtet. Und zu Beginn des am heutigen Donnerstag startenden Trainingslagers in Bad Leonfelden ist auch der (vermeintlich) dritte Torhüter Marcel Lotka (BVB II) dabei. Außerdem sollte auch noch Christian Rasmussen mit den anderen Fortunen (ins Flugzeug) einsteigen. Trotz des Abgangs von Isak Johannesson wird das Mittelfeld wieder das Prunk- und Herzstück des Fußball-Zweitligisten sein.
Kapitän – Eine große Überraschung war die Ernennung von Florian Kastenmeier zum Mannschaftskapitän durch Daniel Thioune nicht. Vom „Bruder Leichtfuß“ ist der 28-Jährige längst zu einer Respektsperson gereift. Immer noch macht er den einen oder anderen Scherz oder nimmt auch mal Aktionen der Medienabteilung nicht ganz so ernst. Aber wenn es darauf ankommt, ist er der Ansprechpartner in der Mannschaft. Er stellt sich der Öffentlichkeit und hat gelernt, auch Niederlagen treffend zu analysieren, statt unterzutauchen, wie er es vielleicht früher bei Enttäuschungen gemacht hat. Als Vertreter und mögliches Mitglied im Mannschaftsrat hat sich gerade am letzten Trainingstag in der Heimat Emmanuel Iyoha in Stellung gebracht. Daniel Thioune hatte ihn - als inzwischen 28-Jährigen - bereits als Kandidat genannt, der in der Mannschaft unbedingt mehr Verantwortung übernehmen sollte. Ähnliches gilt für Shinta Appelkamp, während sich Tim Oberdorf bereits als Sprecher der Mannschaft gegenüber dem Schiedsrichter auf dem Feld in der vergangenen Saison präsentiert hatte, als Kastenmeier vertretungsweise die Binde trug.
Rückkehr aus der Verletzung – Während Emma Iyoha aktuell sehr fit wirkt, weil er sein Training in Sachen Muskelaufbau und Beweglichkeit umgestellt hat, darf man gespannt sein, wie und wann Tim Rossmann wieder komplett ins Training einsteigt. Sein Trainer geht davon aus, dass der 21-Jährige den Rückstand bis zum Ende der Vorbereitung aufgeholt haben könnte. Rossmann hatte wegen einer Muskelverletzung seit Februar kein Training mehr absolvieren können, ist aber seit Dienstag wieder auf dem Trainingsplatz zu finden. Auch bei den „Neuen“ Kenneth Schmidt (Freiburg) und Christopher Lenz (Hoffenheim) besteht die Hoffnung, dass ihre Verletzungen der vergangenen Spielzeit bis zum Saisonstart keine Rolle mehr spielen. Das wird bei Luca Raimund (Stuttgart) wohl noch etwas länger dauern. Ob und wie es bei Jordy de Wijs weitergeht, steht hingegen in den Sternen. Der Niederländer befindet sich derzeit nur im Lauftraining. 
Prunkstück Mittelfeld – Die Verpflichtungen von Anouar El Azzouzi sowie Sotiris Alexandropoulos zeigen auf, worauf Fortunas sportliche Leitung und vor allem der Trainer Wert gelegt haben und weiterhin werden. Das Zentrum solle noch mehr verstärkt werden als die Flügelpositionen, wo ebenfalls nachgelegt wurde und eine fast ebenso große Konkurrenz-Situation herrscht. Defensiv ist das Prunkstück der Mannschaft auch mit Giovanni Haag besetzt, der sich sicherlich in seiner zweiten Saison weiter steigern wird. Doch für ihn wird es dennoch schwer, an Alexandropoulos und El Azzouzi im defensiven Zentrum vorbeizukommen. Offensiv sieht es etwas dünner aus, da dort nur Shinta Appelkamp realistische Hoffnungen haben kann, von Beginn an zu spielen. Doch ein Youngster wie Hamza Anhari, der bisher in der Vorbereitung überraschen konnte, wird dem Deutsch-Japaner aus Trainersicht richtig Beine machen.
Stürmersuche – Cedric Itten steht immer noch auf dem Wunschzettel der Fortuna. Der Torjäger von den Young Boys Bern ist körperlich stark und kombinationssicher. Noch pokern die Vereine aber um die Ablöse. Auch ein zusätzlicher treffsicherer Torjäger aus der 3. Liga würde weiterhelfen, da die Fortuna nicht nur mit Itten und Vincent Veremij (vor dem Absprung ?) auf der Mittelstürmer-Position ins Rennen gehen kann. Ohne einen wirklich treffsicheren Spieler in der Spitze läuft es nicht, auch weil das Mittelfeld Anspielstationen im Zentrum braucht. Dazu müsste sich zusätzlich die Flanken-Qualität deutlich steigen. Hilfreich wäre es, wenn der neue Mittelstürmer bereits im Trainingslager einsteigt, aber die Teilnahme an den letzten beiden Testspielen wäre sogar ein Muss, um sich besser einzuspielen.
Sportliche Chancen – Ohne einen, am besten zwei, treffsichere(n) Mittelstürmer wird die Fortuna nicht erfolgreicher als in der vergangenen Saison sein. Es darf aber jetzt kein Angreifer kommen, der erst wieder sportlich und moralisch aufgebaut werden muss, weil er zuletzt kaum Spielpraxis hatte. Ansonsten sollte der Rest der Mannschaft so stark sein, dass gerade in defensiver Hinsicht mehr Konstanz in die Mannschaft kommen wird. Ob der Trainer Erfolg mit dem Verschieben der Pressing-Linie nach vorne erzielen wird, kann großen Einfluss auf die Ergebnisse haben. Es wäre hilfreich, wenn auch ein Konzept mit eingespielten Kombinationen und Überraschungseffekten zu sehen wäre. Eine zu brave Fortuna würde sicherlich scheitern.
Wirtschaftliche Situation – Fortuna hat mit den Transfereinnahmen für Christos Tzolis, Ao Tanaka, Yannik Engelhardt und aktuell Isak Johannesson ein deutliches Plus gemacht. Das Eigenkapital wurde erhöht, die gestiegenen Ausgaben für die Infrastruktur (u.a. Stadionmiete) sind nicht zu verachten. Die Personalkosten sind gestiegen und die Freispiele müssen auch irgendwie aufgefangen werden, da in dieser Saison fünf Begegnungen in dem Projekt „Fortuna für alle“ stattfinden werden. Es wurden zwar weitere (kleinere) Sponsoren gewonnen, aber trotzdem mussten die Eintrittspreise erhöht werden. So wird sich der Etat für den Kader höchstens geringfügig nach oben verschieben. Er lag in der Vorsaison bei knapp 16 Millionen Euro.
