Die Vereinsanlage beeindruckt auf den ersten Blick. Der Kajak Club Düsseldorf-Hamm liegt direkt am Rhein. Vom Clubhaus eröffnet sich ein herrliches Panorama über den Fluß, das über Jahre stetig erweiterte Bootshaus bietet großzügige Fitnessräume, eine weitläufige Vereinswiese mit spektakulärer Rheinsicht und mit der Vereinsgaststätte Hammer Blick einen Biergarten, der zu den schönsten am gesamten Düsseldorfer Rheinufer zählt. Was hier wie ein Ausflugsziel wirkt, ist zugleich eines der erfolgreichsten Zentren des deutschen Wildwasser-Rennsports.
Der KCD vereint sportliche Spitzenleistungen mit gelebtem Breitensport. Einerseits zählt der Club zu den erfolgreichsten Vereinen Deutschlands, andererseits wird hier mit großer Begeisterung für das gemeinsame Paddeln trainiert. Der Verein ist extrem familiär – oft sind ganze Familien aktiv, Engagement und Mitgliedschaft werden nicht selten von den Eltern an die Kinder weitergegeben.
Ein Jahr der Medaillen
2025 war für den Kajak Club Düsseldorf-Hamm ein besonders erfolgreiches Jahr. Mit Luisa Puttkammer und Nicolás Niederle Gómez standen gleich zwei Athleten aus den eigenen Reihen an der Spitze des deutschen Wildwasser-Rennsports – beide Mitglieder der Nationalmannschaft, beide mit herausragenden internationalen Erfolgen.

Luisa Puttkammer. Foto: Anton Geretzki
Luisa Puttkammer, 21 Jahre alt, erlebte sogar das erfolgreichste Jahr ihrer bisherigen Karriere. Die Wildwasser-Rennsport-Kanutin gewann bei der Sprint-Weltmeisterschaft der offenen Leistungsklasse der Erwachsenen gleich zweimal Bronze – im Einzel sowie mit der Mannschaft. Hinzu kam eine weitere Bronze-Medaille mit der U23-Mannschaft bei der Sprint-WM. Seit zehn Jahren ist Puttkammer Teil des KCD, ihre gesamte Familie ist im Verein aktiv, auch ihr Bruder paddelt.
Neben dem Leistungssport studiert Puttkammer Betriebswirtschaftslehre in Köln und pendelt regelmäßig zwischen beiden Städten. Ein Auslandssemester in Dublin hat sie kürzlich abgeschlossen – selbst dort blieb sie dem Sport treu und trainierte gemeinsam mit irischen Athletinnen weiter.
Jung, ehrgeizig, international
Nicht weniger beeindruckend ist die Entwicklung von Nicolás Niederle Gómez. Der 19-jährige Düsseldorfer gewann bei der U23-Weltmeisterschaft die Silber-Medaille mit der Mannschaft im K1 Classic. Bei der Sprint-WM der offenen Leistungsklasse belegte er Rang neun und war damit bester deutscher Starter. Niederle Gómez ist ein echtes Eigengewächs des KCD: Mit elf Jahren begann er im Verein, dem er bis heute treu geblieben ist. Aktuell studiert er Industriedesign in Wuppertal.
Der Blick richtet sich bereits nach vorn. In dieser Saison stehen für Niederle Gómez unter anderem die U23-Europameisterschaft in Schottland, die Weltmeisterschaft der offenen Altersklasse sowie mehrere Weltcups auf dem Programm. Ziel ist die Teilnahme an der WM, im U23-Bereich liebäugelt er sogar mit einer Sprint-Medaille.
Und auch Puttkammer hat die WM in Banja Luka fest im Blick: „Ich fasse vorsichtig eine Medaille in den Blick. Darauf trainiere ich hin, auf die WM fiebere ich monatelang zu“, sagt sie.
Trainieren am Fluss
Ein Erfolgsfaktor des Vereins ist seine Lage. Der Rhein und die nahe gelegene Erft bei Neuss bieten hervorragende Trainingsbedingungen. „Wir können hier stundenlang auf und ab fahren“, erklärt Luisa Puttkammer. „Das ist auf jeden Fall ein Wettbewerbsvorteil für uns.“ Auch Niederle Gómez schätzt die Möglichkeiten: „Der Verein liegt perfekt direkt am Rhein. Das ist unsere Haupttrainingsstrecke, auch die Erft ist ideal – dort gibt es sehr anständiges Wildwasser. Natürlich fahren wir zusätzlich in die Eifel oder in die Alpen, wenn es möglich ist.“

Nicolas Niederle-Gomez. Foto: Aleš Berka
Neben den beiden jungen, sportlichen Aushängeschildern profitiert der gesamte Verein von einer starken Trainingsgruppe. Das hohe Niveau fördert die Entwicklung aller Athletinnen und Athleten. Auf der Trainerseite hat zuletzt Björn Beerschwenger die Verantwortung übernommen, während die Erfolge der Vorjahre maßgeblich unter Trainer David Piaskowski realisiert wurden.
Erfolge und Herausforderungen
Auch in der Breite kann der KCD auf ein starkes Jahr zurückblicken. 2025 gewann der Verein die Deutschen Meisterschaften im Sprint bei den Schülern und holte zudem den DM-Titel mit der Mannschaft. Allerdings blieb man insgesamt hinter dem Ausnahmejahr 2024 zurück, als bei den Deutschen Meisterschaften in den Hochalpen 18 Medaillen, darunter acht goldene, gewonnen wurden.
Trotz der sportlichen Erfolge steht der Verein vor strukturellen Herausforderungen. Der KCD unterstützt seine Sportlerinnen und Sportler finanziell, etwa bei Trainingslagern sowie bei Reisen zu Wettkämpfen und Trainingsorten. Doch die öffentlichen Fördertöpfe auf Landes- und Bundesebene werden kleiner. Der Wildwasser-Rennsport kämpft seit Jahren um Aufmerksamkeit und Finanzierung, Gelder werden teilweise gekürzt oder ganz gestrichen. Der Verein versucht, diese Lücken zu schließen – stößt dabei jedoch zunehmend an Grenzen.
„Es ist ein toller Sport, aber es ist nur ein Hobby, weil man damit kein Geld verdienen kann“, sagt Luisa Puttkammer. „Nicolás und ich stecken trotzdem so viele Stunden hinein. Das zeigt doch, wie groß die Liebe zum Sport ist.“
Vor dem herrlichen Rheinpanorama bleibt der Kajak Club Düsseldorf-Hamm damit vermutlich die Medaillenschmiede der Vorjahre – auch in Zeiten, in denen die Rahmenbedingungen schwieriger werden.
