Ein Drama mit Happy End am letzten Spieltag: Punktgleich mit dem Konkurrenten, aber mit deutlich schlechterer Tordifferenz, gingen die Damen des DSC in den finalen Spieltag der Regionalliga West. Den ersten Aufstieg in die 2. Feldhockey-Bundesliga hatte die Mannschaft nicht mehr in der eigenen Hand. Konkurrent Bergisch Gladbach hielt alle Trümpfe in der Hand und durfte zudem vor heimischem Publikum antreten.
Als das Team von Trainer Max Hönnekes zur Pause auswärts bei Eintracht Dortmund mit 0:1 zurücklag, schienen die Aufstiegsträume endgültig geplatzt. Doch dann folgte ein kleines Hockeywunder: Zwei verwandelte Strafecken drehten die Partie zugunsten des DSC. Zeitgleich erlaubte sich Bergisch Gladbach tatsächlich den entscheidenden Ausrutscher und verlor sein Heimspiel gegen den HC Essen mit 1:3. Nach dem Schlusspfiff sprangen die DSC-Damen jubelnd über den Platz – fast ungläubig über die dramatische Wende am letzten Spieltag.

„Das war ein Hammer-Finale“, jubelte DSC-Hockeywartin Caren Baumbach. „Wir sind stolz auf unsere junge Mannschaft, die vor allem aus Spielerinnen der eigenen Jugend besteht und die dem Verein sehr verbunden ist.“ Genau dieser Umstand macht den Aufstieg so besonders. Bis auf drei Spielerinnen im Kader haben alle das Hockeyspielen in der Jugend des Gerresheimer Vereins gelernt. Der Erfolg der DSC-Damen ist im wahrsten Sinne des Wortes selbst gemacht.
Und er ist nur die jüngste von zahlreichen Erfolgsgeschichten in der Sportstadt Düsseldorf, die sich immer mehr auch zur Hockeystadt entwickelt. Ob in Oberkassel beim DHC, in Grafenberg beim DSD oder in Gerresheim beim DSC 99 – die drei großen Düsseldorfer Clubs liefern derzeit eindrucksvoll ab. Hinzu kommt mit dem Hellerhofer SV ein weiterer Verein, der sich als „gallisches Dorf“ im Düsseldorfer Hockey versteht und ebenfalls eine kontinuierlich wachsende Hockeyabteilung aufgebaut hat.
Überstrahlt werden die Erfolge in Düsseldorf allerdings vor allem von einer Mannschaft: den Hockeydamen des Düsseldorfer HC. Sie sind das Maß aller Dinge in Deutschland. Keine andere Mannschaft hat im vergangenen Jahrzehnt derart konstant auf höchstem Niveau gespielt. Acht der vergangenen 14 deutschen Meistertitel im Feld- und Hallenhockey gingen an die Oberkasselerinnen. Zuletzt sicherte sich das Team um Kapitänin Selin Oruz sowohl den Meistertitel in der Halle als auch auf dem Feld.
Dieses Double haben in der Geschichte des deutschen Hallen- und Feldhockeys zuvor nur zwölf Mannschaften geschafft – zuletzt ebenfalls die DHC-Damen, die bereits 2022 beide Titel gewannen. „Zwei Meistertitel in einer Saison sind etwas Besonderes. Wir sind jeder einzelnen Spielerin unglaublich dankbar für das, was sie für unseren Club leistet“, sagte die DHC-Vorsitzende Julia Roos.
Bemerkenswert ist auch die Teamstruktur. Noch immer prägen Spielerinnen die Mannschaft, die bereits als Nachwuchstalente maßgeblich am Bundesliga-Aufstieg beteiligt waren. Die olympischen Bronzemedaillengewinnerinnen Selin Oruz und Annika Sprink sind bis heute unumstrittene Führungspersönlichkeiten. Auch Halleneuropameisterin Pia Lhotak gehört seit mehr als einem Jahrzehnt zu den Gesichtern des Teams. Mit Sara Strauss, Lisa Nolte und Sophia Schwabe stehen zudem drei Athletinnen aus dem olympischen Förderteam D.2028 von D.SPORTS im Kader.
Lisa Nolte entwickelte sich beim DHC zu einer der besten Spielerinnen Deutschlands. Mittlerweile führt sie die deutsche Nationalmannschaft als Kapitänin aufs Feld. Hinzu kommen zahlreiche Nachwuchstalente, die überwiegend aus der eigenen Jugend stammen. Zuletzt machte Friederike Heusgen auf sich aufmerksam. Die 21-Jährige schaffte früh den Sprung in die Damenmannschaft, gewann bereits fünf deutsche Meistertitel und sicherte sich zuletzt einen Platz im WM-Kader für die Weltmeisterschaft im August in Belgien und den Niederlanden.

„Was unsere Damenmannschaft in der vergangenen Saison geleistet hat, ist unglaublich und macht uns sehr stolz. Mit Teamgeist, Disziplin, Siegeswillen und Leidenschaft hat sie gezeigt, dass sie gerade in den entscheidenden K.-o.-Spielen ihre Leistung und Effizienz noch einmal steigern kann“, fasst Julia Roos zusammen. Viel spricht dafür, dass der DHC auch in Zukunft die führende Kraft im deutschen Damenhockey bleiben wird.
Ab der neuen Saison spielen die DHC-Damen allerdings nicht mehr allein in der 1. Bundesliga. Mit den Damen des DSD ist stadtinterne Konkurrenz aufgestiegen. Die Zielsetzung der Grafenbergerinnen dürfte allerdings zunächst eine andere sein als die des Serienmeisters. In der vergangenen Hallensaison spielte der DSD bereits ein Jahr in der höchsten Spielklasse, musste als Tabellenletzter jedoch direkt wieder absteigen.
Das Team wurde von Trainer und Betreuer Lars Rossner zusammengestellt und gezielt verstärkt. Dabei gelang es ihm, zahlreiche leistungsstarke Spielerinnen – auch aus dem Ausland – nach Grafenberg zu holen. Mit Silja Drewitz verfügt der DSD zudem über eine langjährige Führungsspielerin, die dem Team auf und neben dem Platz Stabilität verleiht.
Mit besonders viel DSD-DNA präsentieren sich die Herren des Clubs. Sportlicher Leiter Holger Muth hat große Teile der Mannschaft selbst ausgebildet und zu Düsseldorfs Nummer eins im Herrenhockey entwickelt. Vor wenigen Wochen gelang auch den Herren erstmals der Aufstieg in die 1. Feldhockey-Bundesliga. Zudem gehört das Team auch in der Halle zur höchsten Spielklasse.
Muth war über viele Jahre als Jugendtrainer tätig und führte die Mannschaft um seinen Sohn Lukas zu mehreren deutschen Nachwuchsmeisterschaften. Viele dieser Spieler bilden heute das Gerüst der erfolgreichen Herrenmannschaft und haben den steilen Aufstieg der vergangenen Jahre maßgeblich geprägt. Eine bemerkenswerte und kaum vorstellbare Leistung, gemessen an den Möglichkeiten der Topclubs im deutschen Herrenhockey. Der DSD hat die steilste Entwicklung der jüngeren Vergangenheit hingelegt.

Für den Verein bedeutet die doppelte Erstklassigkeit allerdings auch eine große Herausforderung. „Das ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist es eine historische Leistung. Wir waren einmal ein kleiner Verein, und vor ein paar Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, dass wir einmal hier stehen würden“, sagt DSD-Sportdirektor Benny Federlin, der den Weg von der vierten Liga bis in die Bundesliga als Spieler selbst begleitet hat. „Es fühlt sich immer noch surreal an. Gleichzeitig wird es eine enorme Herausforderung, diese Entwicklung auf allen Ebenen zu bewältigen. Das wird viel Kraft, Nerven und Aufwand kosten.“
Bei den Herren ist der DHC im stadtinternen Ranking inzwischen die Nummer zwei. Im Aufstiegsrennen der vergangenen Feldsaison spielte der Zweitligist keine entscheidende Rolle, während der DSD früh davonzog. DHC-Herrenvorstand Deniz Kocak blickt dennoch optimistisch nach vorne: „Die zweite Hälfte der vergangenen Saison war von vielen engen Spielen geprägt. Das hat gezeigt, dass wir mit diesem Team absolut konkurrenzfähig sind. Unser Ziel ist es, diese knappen Spiele in der kommenden Saison häufiger für uns zu entscheiden.“
Beim DSC in Gerresheim richtet sich der Fokus derzeit vor allem auf die Damen. „Auch mit Blick auf die kommenden Jahre sind wir sehr optimistisch. Die Identifikation mit unserem Verein ist enorm. Gerade im weiblichen Bereich werden in den nächsten Jahren viele Talente aus unserer Jugend in den Damenbereich nachrücken“, sagt Hockeywartin Caren Baumbach nach dem gelungenen Zweitliga-Aufstieg. Der Verein will auch künftig konsequent auf den eigenen Nachwuchs setzen – schließlich war genau das das Erfolgsrezept der vergangenen Jahre.
Im Herrenbereich liegen die erfolgreichsten Zeiten zwar inzwischen rund ein Jahrzehnt zurück. Nach mehreren Abstiegen ist zuletzt jedoch wieder ein positiver Trend erkennbar. Sowohl die erste als auch die zweite Herrenmannschaft schaffte in der vergangenen Saison den Aufstieg. Die erste Mannschaft spielt künftig wieder viertklassig. Das nächste Ziel lautet, möglichst schnell in die 3. Liga zurückzukehren.
Eines eint alle drei Vereine und unterstreicht den Hockeyboom in Düsseldorf: In den Nachwuchsabteilungen herrscht Hochbetrieb. Düsseldorf ist längst der Hockey-Hotspot in Nordrhein-Westfalen. Sportlich gehören die Vereine in nahezu allen Altersklassen zur Spitze, häufig konkurrieren sie sogar untereinander um westdeutsche Meistertitel.
Auch in der Breite nimmt Düsseldorf eine Spitzenstellung ein. Der DHC verfügt mit mehr als 660 Kindern und Jugendlichen über die größte Hockey-Nachwuchsabteilung Westdeutschlands. Es folgt der DSC mit rund 550 Nachwuchsspielerinnen und -spielern. Der DSD belegt mit etwa 385 Kindern und Jugendlichen Platz vier. Und auch beim Hellerhofer SV, der bewusst auf den Breitensport setzt, sind inzwischen mehr als 160 Nachwuchstalente mit dem Hockeyschläger aktiv.
Diese Zahlen machen Hoffnung, dass auch in den kommenden Jahren hochklassiger Hockeysport in Düsseldorf zu erleben sein wird. Die drei großen Vereine arbeiten mit zahlreichen hauptamtlichen Trainerinnen und Trainern im Nachwuchsbereich und professionalisieren ihre Strukturen Schritt für Schritt, ohne dabei den Breitensport aus den Augen zu verlieren.
Die Hockeystadt Düsseldorf wächst weiter.
Photo-Credits:
Titelbild: Kenny Beele
DSC-Damen: lonstardesign
DHC-Damen: Kenny Beele
DSD-Herren: Kenny Beele
DSC-Jugend: DSC 99/Gatzen
