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Foto: Imago

Fußball

Fortunas bittere Startniederlage

Nach Gelb-Rot für Oberdorf gibt es eine derbe Klatsche

Von Norbert Krings – Fortuna Düsseldorf hat den Start in die neue Zweitliga-Saison vollkommen verpatzt. Die Mannschaft ging beim 1:5 sogar mit 1:0-Führung, verlor aber nach dem Platzverweis von Oberdorf völlig den Faden und wurde vom Schiedsrichter auch noch offensichtlich benachteiligt. Es darf aber trotz aller „Ausreden“ aus diesem Spiel kein 1:5 werden, da die Gegenwehr nicht ausreichte, um Schlimmeres zu verhindern.

Alle Fortuna-Fans waren gespannt, wie Daniel Thioune seine Aufstellung für Bielefeld auswählen würde. Doch große Überraschungen gab es nicht. Anouar El Azzuozi kam im Vergleich zum letzten Test für Giovanni Haag ins Team, und auch Cedric Itten durfte von Beginn an auflaufen und das Debüt für die Fortuna geben. Obwohl es für Thioune nicht typisch ist, einen neuen Spieler so schnell nach seiner Verpflichtung zu bringen, sollte sich das auszahlen. Moritz Heyer vertrat zudem den noch immer nicht komplett fitten Christopher Lenz zunächst und Emmanuel Iyoha durfte bis zur Pause erneut vor Heyer auf der linken Außenbahn wirken. Mit Sotiris Alexandropoulos und Shinta Appelkamp war das zentrale Mittelfeld weiterhin besetzt, während Christian Rasmussen von Beginn an auf der rechten Seite für Offensiv-Schwung sorgen sollte. 

Bei den Bielefeldern nominierte Trainer Michél Kniat zwei Stürmer, indem er an die Seite von Joel Grodowski noch einen weiteren Angreifer in Benjamin Boakye stellte. So begannen die Gastgeber in diesem Topspiel mit viel Schwung und offensivem Spiel. Als es den ersten Konter der Fortuna gab, sah jener Boakye direkt die erste Gelbe Karte, weil er den davoneilenden Alexandropoulos festhielt. Die Gäste bemühten sich, früh zu attackieren und Intensität ins Spiel zu bringen. Die Anspiele in die Spitze fanden zunächst aber noch zu selten einen Abnehmer. So wirkte das Spiel in der Anfangsphase noch ziemlich zerfahren. 

Nach 18 Minuten hatten die Fortunen die erste gute Möglichkeit, als es über die rechte Seite schnell nach vorne ging. Rasmussen setzte Zimmermann ein, der in die Mitte passte und Appelkamp erreichte. Mit dem Abschluss scheiterte der Deutsch-Japaner nur knapp, weil der Ball noch abgefälscht knapp am rechten Pfosten vorbeiflog. Das Thioune-Team kontrollierte zwar das Spiel, aber die Arminia kam aber noch oft genug schnell nach vorne und zu einigen Ecken. Bei einer von diesen Standardsituationen kam Marvin Mehlem zu einem gefährlichen Kopfball. Der Ball flog aber links am Tor vorbei, weil er von Azzouzi wirkungsvoll gestört worden war.

Rasmussen trifft erst das Dreieck und bereitet dann das Führungstor vor

Die größte Chance des Spiels bis dahin hatte Rasmussen kurz nachdem er verwarnt worden war (33. Minute). Nach einem langen Pass lief der Däne seinem Gegenspieler davon und ließ noch einen Spieler aussteigen. Doch sein Schlenzer landete genau an der Verbindung zwischen Latte und Pfosten. Doch Rasmussen stand anderthalb Minuten später wieder im Mittelpunkt, als er einen sehr gut temperierten Pass auf Itten ins Zentrum spielte. Der Schweizer zeigte dann, was er draufhat. Erst ließ er einen Verteidiger austeigen und dann lupfte er den Ball locker an allen Bielefeldern vorbei zum 1:0 ins Tor für die Fortuna. Immer wenn Rasmussen am Ball war, kam Alarmstimmung bei den Platzherren auf, weil der Däne auch seinem Gegenspieler weglaufen konnte. 

Die Fortuna hatte sich die Führung verdient, aber vor allem Jamil Siebert war hinten nicht der Sicherste. Es gab immer wieder Situationen, die von den Fortunen nur mit Problemen gelöst werden konnten. Und es kam dann noch vor der Pause ziemlich schlimm für die Mannschaft aus Düsseldorf. Tim Oberdorf tat seiner Mannschaft keinen Gefallen, als er sich einen völlig unnötigen Ballverlust in der gegnerischen Hälfte leistete und dann seinen Gegenspieler ganz leicht festhielt. Darauf sah er seine zweite Gelbe Karte (nach der ersten in der 39. Minute) und musste den Platz verlassen. Und eine Minute später lag der Ball dann auch schon im Netz der Fortuna. So schnell hatten sich die Gäste auf die Unterzahl (Iyoha nach hinten beordert) nicht eingestellt und verloren auch noch zwei wichtige Zweikämpfe, bevor Noah Sarenrem dann zum 1:1-Ausgleich einschieben konnte. Blöder hätte es für das bis dahin bessere Team nicht laufen können. Aus der ganz ordentlich gelungenen Vorstellung über 43 Minuten war ein Spiel geworden, dass Fortuna fortan in Unterzahl bestreiten musste. 

Fortuna wechselte in der Pause zweimal und holte Kenneth Schmidt sowie Giovanni Haag ins Spiel, um zunächst einmal das Geschehen zu beruhigen. Doch ein Handelfmeter, nachdem Alexandropoulos der Ball nach einem Bielefelder Schuss erst an den Körper und dann an den Arm gesprungen worden war, brachte auch diesen Plan schnell zum Scheitern. In der 54. Minute lag die Fortuna also auch noch hinten, nachdem der eingewechselte Julian Kania vom Punkt getroffen hatte. Was für eine Verkettung unglücklicher Umstände. 

Jamil Siebert war an diesem Tag nicht in seiner besten Verfassung

Fortuna kämpfte und hätte nach einem gewonnenen Zweikampf und einem schönen Heber von Matthias Zimmermann (58.) zum Ausgleich kommen können. Aber Stefano Russo konnte den Ball gerade noch vor der Linie klären. In der Abwehr hatte weiterhin Siebert Probleme, der sich nach einer knappen Stunde eine Gelbe Karte eingefangen hatte und am Rande eines Platzverweises stand. Erst ganz langsam konnte sich die Mannschaft der Fortuna wieder etwas stabilisieren. Doch nach vorne ging es in Unterzahl natürlich kaum noch. Im Gegenteil die Gäste liefen vorne fast ständig hinterher und verloren immer wieder schnell den Ball.  

Da es keine Entlastung gab, war das nächste Tor nur noch eine Frage der Zeit. Der kurz zuvor eingewechselte Joel Felix schraubte sich bei einer Bielefelder Ecke am höchsten und traf per Kopf zur Vorentscheidung (75.). Und die nächste Ecke brachte für die Arminia sogar das 4:1, als Joel Grodowski die Packung für die Fortuna (fast) perfekt machte – auch weil Rossmann eine ganz klare Chance allein vor dem Bielefelder Tor nicht nutzen konnte (86.) und Sam Schreck auch noch das 5:1 (90.+7) in der zehnminütigen Nachspielzeit (?) oben drauf legte.

Das war eine absolute Enttäuschung für Fortuna Düsseldorf, mit der wohl niemand gerechnet hatte. Es ist fast alles schief gegangen, nachdem Tim Oberdorf der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen hatte. Wie man ein Spiel so verlieren kann, das man bis dahin so klar im Griff hatte, ist kaum zu erklären. Es fehlt noch an Zusammenspiel, Konzentration, Zweikampfstärke und natürlich Cleverness. Die guten Ansätze, die starke Leistung von Rasmussen, das Tor von Cedric Itten und eine gute erste Phase sind alles, worauf sich die Hoffnungen für die nächsten Spiele stützen können. Doch ausgerechnet einer der Ligafavoriten stellt sich nächste Woche am Samstag in Düsseldorf vor… 

Statistik:
Bielefeld: Kersken – Lannert, Schneider, Großer, Handwerker - Russo (68. Felix), - Mehlem (82. Schreck), Corboz - Sarenren Bazee (82. Richter) – Grodowski (86. Young), Boakye (46. Kania)
Fortuna: Kastenmeier – Zimmermann, Oberdorf, Siebert, Heyer (83. Lenz) – El Azzouzi – Rasmussen (71. Rossmann), Alexandropoulos, Appelkamp (46. Haag), Iyoha (46. K.Schmidt) – Itten (83. Hettwer)
Kader: Lotka – Vermeij, D.Schmidt, Lunddal
Es fehlten: Schock, Suso, Affo,  Egouli (alle U23), Niemiec, de Wijs (beide Tribüne), Anhari (Bänderriss), Raimund (Trainingsrückstand), Manu (Muskelfaserriss) 
Schiedsrichter: Patrick Alt (Heusweiler/100. Spiel / Note: 5, war total kleinlich, lag mit dem Platzverweis wohl noch soeben grenzwertig richtig. Den Elfmeter darf er aber nicht geben, weil der Ball vom Körper von Alexandropoulos an dessen Hand sprang) 
Zuschauer: 27.223 (ausverkauft) 
Tore: 0:1 (35.) Itten, 1:1 (44.) Sarenren Bazee, 2:1 (54. H.E) Kania, 3:1 (75.) Felix, 4:1 (78.) Grodowski, 5:1 (90.+6) Schreck
Gelbe Karten: Baokye, Lannert, Handwerker / Rasmussen, Siebert
Gelb Rote Karte: Oberdorf (42.)
Chancen: 7:4
Spielnote: 3 (die Partie war nach der ersten Hälfte sehr einseitig)
Beste Spieler: Corboz, Kania / Rasmussen 
Spielfazit: Fortuna hat das Spiel nach dem Platzverweis und dem sofort folgenden Ausgleich verloren. In der zweiten Hälfte wurden allerdings auch einige andere krasse Schwächen offensichtlich, unter anderem, dass sich die Mannschaft nicht richtig eingespielt hat und noch nicht bei Standards dagegenhalten kann.
Besonderheit des Spiels: Das war leider die unnötige Gelb-Rote Karte. Obwohl sich die Aktion des Bielefelders nahe einer Schwalbe bewegte, war das leichte Festhalten von Oberdorf ein Riesenfehler, der seine Mannschaft letztlich auf die Verliererstraße brachte. 

Benotung der Fortuna-Spieler:
Kastenmeier 3 – Zimmermann 4, Oberdorf 5, Siebert 4,5, Heyer 4,5 – El Azzouzi 4 – Rasmussen 2,5, Alexandropoulos 5, Appelkamp 4,5, Iyoha 4 - Itten 3,5 /Haag 5, K.Schmidt 4,5

Reaktionen:
„Bei den Standards konnten wir nicht gegenhalten. Am Ende haben wir sehr naiv gespielt. Da sind wir zu viele Risiken eingegangen. Ich muss mit zehn Mann kontrolliert nach vorne und cleverer spielen. Aus dem 1:0 darf kein 1:5 werden. Die Schiedsrichterleistung war …– was heute gepfiffen wurde, war eine Katastrophe. Viele Entscheidungen waren lächerlich - auch die zehn Minuten Nachspielzeit.“
Klaus Allofs, Sportvorstand der Fortuna

„Ich darf eigentlich nichts sagen zu den Entscheidungen des Unparteiischen – das fällt mir sehr, sehr schwer. Aber sonst muss ich dafür büßen. Wir verlieren aber 1:5 und bekommen drei Standardtore. Aber wir haben nach dem Umbruch jetzt noch viel Luft nach oben. Manche unserer Spieler sind noch nicht an die Härte der 2. Liga gewöhnt. Das, was wir mitnehmen müssen, ist die erste Hälfte bis zum Platzverweis. Ich bin sogar stolz auf meine Mannschaft.“ 
Florian Kastenmeier, Torhüter der Fortuna

„Die Fehler vor der Halbzeit durften nicht passieren. Alles, was wir uns dann für die zweite Hälfte vorgenommen hatten, war nach dem Elfmeter dahin. Für mich war das Handspiel auch schwer einzuschätzen. Diese Regel wird immer wieder neu ausgelegt.“
Cedric Itten, Torschütze der Fortuna

„Es hat uns alles in die Hände gespielt, Platzverweis, Ausgleich und dann auch schnell der Elfmeter mit der Führung für uns. Wir können jedem Spiel mit unserer Intensität den Stempel aufdrücken.“
Julian Kania, Torschütze zum 2:1 für die Arminia

„Ich bin Stürmer, ich wusste, dass er (Oberdorf) Gelb hat. Es war ein Foul. Wenn ich nicht am Trikot gezogen werde, komme ich auch nicht zu Fall und verliere dann aber wohl auch den Ball.“
Joel Grodowski, Stürmer der Arminia