Von Norbert Krings – Fortuna Düsseldorf nimmt einen weiteren Anlauf, um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga endlich zu schaffen. Die Vorzeichen für den Verein haben sich kaum verändert, der Kader der Mannschaft hingegen schon. Trotzdem ist der Druck groß, der auf dem Trainer und der Mannschaft liegt.
Neun neue Spieler haben die ebenso große Zahl an Abgängen quantitativ kompensiert. Der Trainer geht mit einem veränderten Konzept mit möglichst aggressivem und frühem Anlaufen des Gegners in die Saison. Der Verein ist gewachsen auf 36.000 Mitglieder, hat neue wichtige Sponsoren gefunden und plant mit fünf Spielen aus der Reihe „Fortuna für alle“. Der Verein ist zum Erfolg verdammt, und es wäre schwierig, den Fans und dem Umfeld ein erneutes Scheitern zu erklären.
Die Vorbereitung – Mit einer großen Zahl an bereits verpflichteten neuen Spielern konnte Daniel Thioune in die Vorbereitung starten. Das Problem war nur, dass einige Profis zur Fortuna kamen, die noch unter Nachwirkungen von längerfristigen Verletzungen gelitten haben und sie das zum Teil auch aktuell noch beschäftigt. Fortunas Trainer hat mit der Stärkung der Defensive und der Vorwärtsverteidigung die Trainingsarbeit aufgenommen. Erst in der vorletzten Woche der Vorbereitung kümmerte sich Thioune vermehrt um die Abläufe in der Offensive. Während die unterklassigen Gegner relativ leicht bezwungen wurden, gab es gegen Blau Weiß Linz sowie Basaksehir FK jeweils Niederlagen, weil offensiv wenig passierte. Ohne große Verletzungen der möglichen Stammspieler ging es durch die Vorbereitung. Schade nur, dass Hamza Anhari, ein vielversprechender offensiver Mittelfeldspieler im vorletzten Test in Velbert (3:0) einen Bänderriss erlitten hat und Anouar Azzouzi wegen einer Kopfverletzung zuletzt ausfiel.
Der Umbau des Kaders – Neun Spieler haben bekanntlich den Klub verlassen, darunter Leistungsträger wie Dawid Kownacki, Isak Johannesson, Myron van Bredrode (zeitweise) sowie Kapitän Andre Hoffmann. Doch inzwischen hat sich bereits eine Formation empfohlen, die in Bielefeld am Samstag beginnen könnte. Vor allem Christian Rasmussen machte auf sich aufmerksam - mit den zwei Treffern und einer Torvorbereitung im letzten Test in Aachen (4:0) am vergangenen Samstag. Aber auch Christopher Lenz hat sich bereits auf der linken Außenverteidiger-Position empfohlen, was genauso für Azzouzi sowie Sotiris Alexandropoulos gilt. Beide werden wohl zu den besten zentralen Mittelfeldspielern der kommenden Saison in der 2. Liga zählen. Endlich, fünf Tage vor Beginn der neuen Spielzeit, wurde auch ein Mittelstürmer fest verpflichtet. Auf Cedric Itten dürfen alle sehr gespannt sein. Es wäre nun aber hilfreich, wenn Vincent Vermeij als Backup bleiben würde, oder/und ein weiterer Innenstürmer verpflichtet werden könnte. 
Die Stärken und Schwächen – Die Fortuna kann auf eine erfahrene Abwehr vertrauen, allen voran Florian Kastenmeier im Tor. Auch die Viererkette mit Matthias Zimmermann, Tim Oberdorf, Jamil Siebert und Emmanuel Iyoha oder Christopher Lenz ist zum großen Teil eingespielt und sehr erfahren. Die Vorbereitung hat aber gezeigt, dass noch viel Arbeit auf Trainer und Mannschaft zukommen. Das gilt auch für die Verringerung der Kadergröße, um ein intensives und konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. Während in der Defensive viele Abläufe funktionieren, geht es vorne noch recht wackelig zu. Zwar haben die Fortunen 20 Tore in der Vorbereitung erzielt. In den Spielen gegen die Erstliga-Konkurrenz aus Österreich und der Türkei sprang aber gerade mal ein Treffer heraus. Nach vorne muss sich auch mit dem neuen Mittelstürmer ein harmonisches Miteinander ergeben, um torgefährlicher zu werden. Das sollte aber mit Spielern wie Julian Hettwer und den erwähnten Rasmussen sowie Itten durchaus möglich sein.
Das Spielsystem und die Wunsch-Startelf – Qualitativ müsste Daniel Thioune eigentlich ein individuell stärkeres Team gegenüber der Vorsaison zur Verfügung haben. Und daraus ergeben sich direkt Luxus-Probleme, weil der eine oder andere Spieler vielleicht nicht damit rechnet, dass er sich am Samstag auf der Ersatzbank wiederfindet. Spielt Fortuna dann mit einer Viererkette, wie sie eigentlich in der Vorbereitungszeit wohl ausschließlich trainiert wurde, gibt es im Mittelfeld einen Überschuss an guten Spielern. Wahrscheinlich vertraut Fortunas Coach im ersten Spiel weiter auf Giovanni Haag, der sich aktuell auf dem Platz zu einer Führungspersönlichkeit entwickelt hat. Demnach müsste eigentlich der beste Ball-Eroberer der vergangenen niederländischen Erstliga-Saison, El Azzouzi, erst einmal draußen bleiben, wenn im zentralen Mittelfeld außer Haag noch Alexandropoulos und Shinta Appelkamp spielen werden. Auf den Außen wird Rasmussen nicht zu verdrängen sein, und vielleicht darf auch Iyoha auf der linken offensiven Außenbahn anfangen. Ob es bereits für Cedric Itten zu einem Startplatz in Bielefeld reichen wird, ist angesichts der wenigen Trainingsstunden mit seiner neuen Mannschaft eher fraglich.
Wahrscheinliche Aufstellung der Fortuna in Bielefeld: Kastenmeier – Zimmermann, Oberdorf, Siebert, Lenz – Haag, Alexandropoulos – Rasmussen, Appelkamp, Iyoha – Vermeij (Itten)
Die Prognose – Fortuna wird einen guten Start erwischen, vor allem, weil die Abläufe in der Defensive passen und die Mannschaft nicht so leicht zu erschüttern ist – auch nicht von der Atmosphäre auf der Alm. Zeigen die neuen Hoffnungsträger, dass sie berechtigterweise von Fortuna verpflichtet wurden, kann der Sieg in Bielefeld eigentlich nur an die Gäste gehen. In der Offensive darf Rasmussen, Itten, Hettwer, Iyoha und auch wieder Tim Rossmann eine Menge zugetraut werden. Das Team von Daniel Thioune darf nur nicht in alte Fehler verfallen. Zu viele Fehlpässe, Ballverluste und Probleme im Spielaufbau darf sich die Fortuna jedenfalls nicht erlauben. Gelingt der Start in Bielefeld und gegen Hannover ist mehr als nur ein Platz in der oberen Tabellenhälfte drin.
Unser Tipp: Fortuna landet auf Platz drei hinter Hertha BSC und Hannover 96.
