Von Norbert Krings – Auch im zweiten Spiel unter Markus Anfang gab es eine bittere Niederlage für Fortuna Düsseldorf. Diesmal musste sich das Team aus dem Rheinland trotz einer großartigen kämpferischen Leistung und einer überzeugenden ersten Hälfte Berlin mit 0:1 geschlagen geben. Die Herthaner nutzten die nachlassenden Kräfte der Gäste, die mit einer unglücklichen Niederlage nach Hause fahren mussten. Fortunas großer Kampfgeist ist nicht belohnt worden, dennoch war es nach dem Braunschweig-Spiel ein Schritt nach vorne.
Markus Anfang musste seine Aufstellung erneut umstellen, da Cedric Itten (Beckenverletzung) – wie befürchtet - nicht rechtzeitig fit geworden ist. Auch Sotiris Alexandropoulos (Muskelbündelriss) stand ihm wie die länger verletzten Valgeir Lunddal sowie Tim Rossmann nicht zur Verfügung. Allerdings verzichtete Fortunas Trainer freiwillig auch auf Shinta Appelkamp, weil er nicht zu viele Veränderungen vornehmen wollte. Danny Schmidt (für Itten) sowie Christian Rasmussen für (Luca Raimund) kamen ins Team. Taktisch sah das so aus, dass die Fortuna meist mit Viererkette agierte und bei Bedarf auf eine Dreier- oder Fünferkette umschaltete. Herthas Trainer Stefan Leitl stellte ebenfalls nur geringfügig um. Lediglich Michaél Cuisance ersetzte Jon Dagur Thorsteinsson nach überstandener Oberschenkelverletzung, und Luca Schuler kam für Sebastian Grönning uns Spiel.
Die Mannschaft aus Düsseldorf bewegte sich nach dem Aufwärmen noch etwas schüchtern in die Kurve zu ihren Fans. Doch vom Capo und den Fans wurden die Spieler aufgemuntert, allerdings ebenso aufgefordert, alles zu geben. Mit hoch erhobenen Armen nahmen die Fortunen an der Bande und auf der Laufbahn stehend diese klaren „Anweisungen“ entgegen und machten deutlich, dass sie diesen Forderungen nachkommen wollten. „Man muss mutig sein, um das eigene Spiel durchzusetzen“, sagte Anfang kurz vor dem Anpfiff und blies damit ins gleiche Horn wie die 4.500 Düsseldorfer Anhänger im Olympiastadion.
Das Spiel begann nicht unbedingt mit einer stürmischen Hertha, sondern eher waren Zeichen der Verunsicherung zu erkennen und vor allem Lücken in der Defensive. Fortuna gelang es schnell, den Rhythmus zu finden. In der siebten Minute nahm sich Rasmussen nach einem Berliner Missverständnis den Ball und enteilte seinen Gegenspielern. Aus etwas zu spitzem Winkel kam er zum Abschluss. Der Däne traf dabei aber den Ball nicht richtig, so dass das Spielgerät weit über das gegnerische Tor flog. Das war der Auftakt zu einigen guten Abschlüssen der Gäste. Denn auch in der 13. Minute war es eine Chance der Fortuna, die das Spiel attraktiver machte. Nach einer Rasmussen-Flanke verpasste Tim Oberdorf das 1:0 für die Gäste per Kopf nur knapp. Hertha-Keeper Tjark Ernst bewahrte die Berliner mit einer starken Parade vor einem Rückstand.
Klare Überlegenheit und mehr gute Chancen für die Fortuna bis zur Pause
Auch die dritte gute Torgelegenheit hatten die Fortunen nach der direkt folgenden Ecke, als Florent Muslija den Standard lang auf die andere Seite zog. Jesper Daland konnte aber aus sieben Metern völlig freistehend den Ball nicht im Tor unterbringen. Auch Rasmussens Schlenzer (17. Minute) flog, nachdem er Ex-Fortune Michael Karbownik vernascht hatte, knapp am langen Pfosten vorbei. Zwei Minuten später vergab auch Danny Schmidt aus einer sehr guten Position im Strafraum.
So hatte die Fortuna mit vier sehr guten Möglichkeiten einen echt guten Start erwischt, ohne sich aber zu belohnen. Es war ein richtig gutes Auswärtsspiel für die Gäste, die den Gegner eindeutig beherrschten. Dann ging es darum, dies auch aufs Papier zu bringen und nicht nur die Zweikämpfe zu gewinnen und eine 8:0-Torschuss-Bilanz wie zu diesem Zeitpunkt zu haben. Doch nach und nach kam die Hertha besser ins Spiel und konnte zumindest die Defensiv-Probleme etwas in den Griff bekommen. Aber wie eine Spitzenmannschaft agierten die Herthaner bis dahin in keiner Phase.
Zur Pause stand es immer noch 0:0, weil Fortuna die wirklich guten Möglichkeiten nicht nutzen konnte. Doch auf der guten Leistung konnten die Düsseldorfer aufbauen und eigentlich mit gesteigertem Selbstvertrauen in die zweite Hälfte gehen. Erwartungsgemäß gab es bei der Fortuna keine Veränderungen zu Beginn der zweiten Hälfte. Auch Spieler, die zuletzt arg kritisiert wurden, wie Jesper Daland und Tim Breithaupt hatten deutlich aufsteigende Form gezeigt. Mit einem Chancen-Feuerwerk ging es nach der Pause erst einmal nicht weiter. Das Spiel war verteilter, auch wenn sich die Berliner offensiv zunächst nur selten mal gefährlich zeigten. Fortuna hatte bis zur 60. Minute in Durchgang zwei keine einzige gute Abschlusssituation. So tauschte Anfang folgerichtig auf dem rechten Flügel. Weil sich die Berliner auf Christian Rasmussen inzwischen eingestellt hatten.
Und in der 69. Minute, nachdem Fortuna hinten links geqwechselt hatte, wäre es beinahe zum ersten Tor der immer stärker werdenden Berliner gekommen. Der eingewechselte Markus Heyer konnte Fabian Reese, der auf die rechte Seite gewechselt hatte, nicht halten. Seine Flanke hätte der ebenfalls eingewechselte Thorsteinsson nur noch einschieben müssen. Der Isländer traf den Ball aber nicht richtig und Florian Kastenmeier konnte klären. Die Hertha war jetzt deutlich spielbestimmend, während bei den Gästen einfach die Kräfte schwanden. Zwei weitere Male musste Fortunas Keeper noch klärend eingreifen, um bis zur 80. Minute das 0:0 zu halten.
So wurde es doch noch zu einem Zitterspiel, in dem die Fortuna unbedingt den einen Punkt mitnehmen wollte. Der Kampf war bewundernswert, weil die personellen Wechsel zum Teil verletzungsbedingt waren. So lebte das Spiel zuletzt von der Spannung und es wäre ein leistungsgerechtes Unentschieden gewesen, weil jede Mannschaft in einer Hälfte jeweils die bessere war. In den sieben Minuten Nachspielzeit passierte es aber dann doch noch, dass die Fortuna für ihren Chancen-Wucher in der ersten Hälfte trotz großartigem Kampf noch bestraft wurde. Eine misslungene Aktion in der eigenen Hälfte und ein Konter reichten, um Hertha das Siegtor zu bringen. Maurice Krattenmacher wurde vom sonst so starken Jesper Daland nicht konsequent genug angegriffen, und der Einwechselspieler der Berliner erzielte das Tor des Tages für den sehr, sehr glücklichen Gewinner. 
Hertha: Ernst – Gechter, Leistner, M.Dardai (90. +8 Kolbe), Karbownik – Eichhorn (59. Krattenmacher), Seguin (73. Demme), Winkler (59. Thorsteinsson), Cuisance, Reese – Schuler (59. Grönning)
Fortuna: Kastenmeier – Zimmermann (74. Suso), Oberdorf, Daland, K.Schmidt (68. Heyer)– El Azzouzi Breithaupt – Rasmussen (59. Raimund), Muslija (68. Appelkamp), Iyoha –D.Schmidt (74. Celar)
Kader: Lotka – de Wijs, Affo, Egouli
Es fehlten: Itten, Lunddal, Schock, Rossmann, Alexandropoulos (alle verletzt), Anhari, Lenz (im Aufbau)
Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück/Note: 3,5, hätte nach einem Vorteil für Berlin, Matthias Zimmermann zwingend Gelb zeigen müssen. Ansonsten war er immer auf der Höhe. Allerdings waren sieben Minuten Nachspielzeit übertrieben.)
Zuschauer: 43.841
Tore: 1:0 (90.+6) Krattenmacher
Gelbe Karten: Eichhorn, Cuisance / Zimmermann (2.), Raimund (1.)
Chancen: 7:6
Spielnote: 2 (es war ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Hälften, das jederzeit spannend war und zum Schluss noch einen unglücklichen Höhepunkt aus Düsseldorfer Sicht hatte.)
Beste Spieler: Krattenmacher, Reese / Daland, Oberdorf, Kastenmeier
Spielfazit: Fortuna hat eine sehr gute erste Hälfte gespielt. Doch die klaren Chancen hätten zu einem Tor führen müssen. Nach der Pause wurde es gegen besser werdende Berliner schwer, weil verletzungsbedingte Ausfälle und Kräftemangel zur Überlegenheit der Berliner führten und letztlich zum Sudden Death in der Nachspielzeit.
Besonderheit: Das war das Selbstvertrauen, mit dem die Fortuna in dieses Spiel nach der bitteren Pleite gegen Braunschweig gegangen ist und vor allem die erste Hälfte deutlich beherrscht hat.
Benotung der Fortuna-Spieler:
Kastenmeier 2 – Oberdorf 3, Daland 3, K.Schmidt 3 – El Azzouzi 3, Breithaupt 3 – Zimmermann 3, Rasmussen 2,5, Muslija 4, Iyoha 4 – D.Schmidt 4
Reaktionen:
„Das Spiel darfst Du nicht verlieren. Zur Pause müssen wir mit 2:0 oder 3:0 führen. Wir haben alles reingeschmissen, aber wir haben wieder zwei Spieler verletzungsbedingt verloren. Über sieben Minuten Nachspielzeit war ich sehr überrascht. Beim Gegentor waren wir zu passigv, nachdem wir dummerweise den Ball im Mittelfeld verloren hatten. Wir haben aber insgesamt ein gutes Auswärtsspiel gemacht. Wenn wir weiterhin so spielen wie heute und das dann auch über 90 Minuten, dann werden wir unsere Punkte holen."
Markus Anfang Trainer der Fortuna
„Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich mal so spät über ein Tor freuen konnte. Ich freue mich zudem sehr über das Tor von Maurice…"
Stefan Leitl, Trainer der Hertha
„Heute haben wir eine Reaktion und endlich Zweitligafußball gezeigt. Es war bitter, wenn wir das 1:0 vorlegen und dann nachlegen, wären wir hier als klarer Sieger vom Platz gegangen. Hertha ist da zunächst nichts eingefallen. Jetzt haben wir die Chancen und machen sie nicht rein. Dennoch können wir darauf und auf diesem Selbstvertrauen, das wir heute gezeigt haben, aufbauen.“
Florian Kastenmeier, Torwart der Fortuna
„Wir hätten heute einen Punkt verdient. Schwer zu sagen, warum es nicht geklappt hat. Wir waren wohl nicht effizient genug. Es war aber ein Schritt nach vorne, dass wir die Chancen diesmal hatten. Es hilft aber nicht, wenn du dann in der Schlussphase das Spiel verlierst.“
Tim Oberdorf, Abwehrchef
„Wir mussten das Spiel deutlich vorher auf unsere Seite ziehen. Wir konnten diesmal von der Bank gut nachlegen und dann damit das Spiel entscheiden.“
Fabian Reese, Kapitän der Fortuna
“Wir sind sehr gut ins Spiel reingekommen. Wir hätten ein Tor in der ersten Hälfte machen müssen. So ist die Liga, du musst die Chancen nutzen, sonst bekommst du so einen Sonntagsschuss. Du musst in der Liga bis zum Ende aufmerksam sein. In der entscheidenden Szene hätten wir einfach früher zupacken müssen. Insgesamt fehlt die Abgezocktheit.”
Emma Iyoha, Spieler der Fortuna
