Von Norbert Krings – Fortuna Düsseldorf hat für eine weitere bittere Enttäuschung gesorgt. Vor allem in der ersten Hälfte irrte die Mannschaft des neuen Trainers Markus Anfang über den Platz, als wüsste sie nicht, was das Ziel des Spiels ist. Die 1:2-Niederlage gegen Eintracht Braunschweig geht daher auch völlig in Ordnung, weil die Mannschaft lange nicht als solche agiert hat und die Angriffe der besseren zweiten Hälfte nicht zwingend genug waren.
Markus Anfang hatte seine Aufstellung im Vorfeld des Spiels völlig im Dunklen gelassen und nichts in Sachen Personal vorher bekanntgegeben – außer dass Karim Affo sowie Elias Egouli zur U23 abgestellt wurden. Er startete schließlich mit zwei Änderungen gegenüber dem letzten Spiel unter der Regie von Daniel Thioune. Kenneth Schmidt übernahm die Position auf der linken Abwehrseite in einer Viererkette. Die Überraschung war Luca Raimund auf dem rechten Flügel, der allerdings nur die 45 Testminuten von Almelo in den Knochen hatte und trotz einer ansprechenden Leistung dann zur Pause in der Kabine blieb. Im zentralen Mittelfeld nahm Anouar El Azzouzi die Rolle des Sechsers ein, die er sich im Verlaufe des Spiels mit Tim Breithaupt teilte. Auf der linken Angriffsseite konnte Emma Iyoha zeigen, dass er langsam wieder an seine Bestform herankommt, was nicht unbedingt gelang. Cedric Itten war die einzige zentrale Spitze, musste aber später verletzt raus.
Die Braunschweiger wollten die Tatsache nutzen, dass Fortuna unbedingt den ersten Heimsieg feiern wollte. Eintracht-Coach Heiner Backhaus brachte gegenüber der 1:2-Niederlage in Paderborn zwei neue Spieler. Louis Breunig startete anstelle von Johan Gomez, zudem kam Routinier Lino Tempelmann für Robin Heußer ins Team. Die Umstellungen hatten offensichtlich aus Sicht der Gäste zunächst den erhofften Erfolg, weil die Fortuna von Beginn an keineswegs so dominant auftrat, wie man es vielleicht erwartet hätte. Die Braunschweiger waren in der Anfangsphase die aktivere und offensivere Mannschaft. Beim Team von Markus Anfang lief der Ball zu oft noch hinten herum, anstatt das riskantere Anspiel nach vorne zu wagen. Und viele Fehler sowie leicht verlorene Zweikämpfe ließen keinerlei Rhythmus aufkommen.
Die Gastgeber brauchten eine gewisse Zeit, um ihrerseits etwas mehr in Richtung Braunschweiger Tor zu initiieren. Doch die gefährlicher wirkenden Aktionen hatten weiterhin die Gäste, die Florian Kastenmeiers ungewohnte Unsicherheit nutzten und ihn zunächst zweimal in Verlegenheit brachten und dann tatsächlich auch mit dem ersten Treffer dieser Partie zuschlugen. Und erneut sah Fortunas Kapitän nicht gut aus, als Christian Conteh fast von der Außenlinie kurz vor dem Fünfmeterraum abzog und der Ball von Kastenmeiers linken Hand in der kurzen Ecke zur Führung der Gäste über die Linie flog.
Das erste Gegentor legte alle Nerven der Fortunen blank
Die Fortuna verlor nach diesem Tor völlig die Linie, nachdem zuvor das Konstrukt noch halbwegs stabil gewirkt hatte. Abspielfehler und leichtsinnige Aktionen wechselten sich ab. Nur ein Trainerwechsel ist dann offensichtlich auch nicht der Heilsbringer. So sah es jedenfalls zum Ende der ersten Hälfte aus. Verändert hatte sich im Spiel der Gastgeber wenig bis nichts - gegenüber dem letzten Auftritt gegen Nürnberg. Die Folge war absehbar. Fortuna kassierte noch vor der Pause das 0:2, weil die Mannschaft Auflösungserscheinungen zeigte. Sie konnte nur froh sein, dass es nur mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Pause ging. Die Braunschweiger spielten einfach, suchten den freien Mann und hatten keine Probleme, die Gastgeber in Schach zu halten. 1:5-Chancen gab bis zur Pause aus Sicht der Platzherren, wobei noch ein verunglückter Torschuss von Iyoha als Möglichkeit der Fortuna herhalten musste. Und es gab hämischen und spöttischen Beifall beim x-ten Rückpass auf Kastenmeier und Pässe ins Nichts. Das tat schon weh, als dann auch noch gellende Pfiffe die Mannschaft von Markus Anfang in die Pause begleiteten. Es war fast so, als wolle die Mannschaft zeigen, dass Daniel Thioune am wenigsten für die schwachen Leistungen der ersten Spiele verantwortlich war. 
Eine Änderung gab es nach der Pause: Christian Rasmussen kam für Luca Raimund. Fortuna hatte wieder ein wenig mehr Ordnung im Spiel, aber sattelfest war die Abwehr immer noch nicht. So konnte sich Christian Conteh ungehindert durch den Strafraum der Fortuna bewegen. Nur sein Abschluss war so harmlos, dass es kein 0:3 gab. Nach vorne lief auch mit Rasmussen zunächst nicht viel mehr, denn der versuchte dann doch zu viel auf eigene Faust. Mannschaftliche Geschlossenheit, einstudierte Aktionen und Abschlüsse blieben Mangelware, auch wenn die Spieler deutlich mehr kämpferischen Einsatz zeigten. Da war ein direkter Freistoß von Rasmussen noch die gefährlichste Aktion. Den Ball konnte Ron Thorben Hoffmann aber aus der bedrohten Ecke fausten.
Erst der Doppelpass über Rasmussen und Breithaupt brachte dann auch mal eine spielerische Note ins Spiel der Fortuna. Und am Ende dieser Kombination stand tatsächlich das 1:2 (65. Minute), das Kenneth Schmidt auf Pass des Dänen erzielte. Das brachte wieder so etwas wie Aufbruchstimmung in die MERKUR SPIEL-ARENA. Aber die Braunschweiger ließen sich nicht noch mehr aus der Ruhe bringen, auch weil die Angriffe der Fortuna zu hektisch vorgetragen wurden. Es fehlten immer noch die Ideen und das Zusammenspiel, um dem Ausgleich näher zu kommen. So blieb es auch bei der verdienten Niederlage und der nächsten Enttäuschung im eigenen Stadion – auch unter Markus Anfang.
Fortuna: Kastenmeier – Zimmermann, Oberdorf, Daland, K.Schmidt (74. Suso) – El Azzouzi – Raimund (46. Rasmussen), Breithaupt, (85. Alexandropoulos), Muslija (85. Celar), Iyoha – Itten (62. D.Schmidt)
Kader: Lotka – Celar, Rasmussen, Suso, de Wijs, Alexandropoulos, D.Schmidt, Heyer, Appelkamp
Es fehlten: Lunddal, Schock, Rossmann, Egouli (alle verletzt), Anhari, Lenz (im Aufbau), Affo, Egouli (beide in der U23 aktiv)
Braunschweig: R.Hoffmann – Ehlers, Köhler, Breunig – Aydin (46. Kaufmann), Marie (73. Heußer), Flick, Di Michele Sanchez (86. Ba) – Tempelmann- C.Conteh (79. Szabo), Yardimci (73. Gomez)
Schiedsrichter: Patrick Schwengers (Lübeck/Note: 2, machte alles richtig, sehr gute Beurteilung der Zweikämpfe. Er hatte keinerlei Probleme und wirkte tiefenentspannt)
Zuschauer: 32.188
Tore: 0:1 (25.) Conteh, 0:2 (40.) Marie, 1:2 (65.) K.Schmidt
Gelbe Karten: Itten (3.) / Ehlers, Breunig, Köhler
Chancen: 3:7
Spielnote: 3,5 (es war kein gutes Spiel, weil die Braunschweiger nicht mehr als nötig taten, um gegen eine schwache Fortuna die Fehler zu nutzen und das Spiel nach Hause zu bringen.)
Beste Spieler: Zimmermann, El Azzouzi / Conteh, Hoffmann
Spielfazit: Fortuna hat erneut eine grausame erste Hälfte gespielt.
Besonderheit des Spiels: Dass auch Florian Kastenmeier mal einen schlechten Tag hat, das hatte man von ihm lange nicht mehr in dieser Form, wie in der ersten Hälfte, gesehen.
Benotung der Fortuna-Spieler:
Kastenmeier 4,5 – Zimmermann 3, Oberdorf 3,5, Daland 4,5, K.Schmidt 3,5 – El Azzouzi 3 – Raimund 4, Breithaupt 4, Muslija 4,5, Iyoha 4,5 – Itten 5 / Rasmussen 2,5, D.Schmidt 3
Reaktionen:
„Für uns war es nach sechs nicht gewonnenen Spielen sehr wichtig, den Schalter umzulegen. Die Leistung war super in der ersten Hälfte – eine 10 von 10. Nach dem 1:2 war es eine Abwehrschlacht, aber wir haben oft genug den Ball vom eigenen Strafraum fernhalten können. So war es ein verdienter Sieg.“
Heiner Backhaus, Trainer der Eintracht
„Wir waren zu Beginn ängstlich und unsicher. Es waren alle Möglichkeiten da, aber wir haben es nicht umsetzen können. Wir waren lange nicht im Spiel, wir können es viel, viel besser. Braunschweig hat in vielen Phasen der zweiten Hälfte nicht mehr stattgefunden. Das gibt uns Mut und Zuversicht. Aufgrund der zweiten Hälfte mussten wir einfach den Ausgleich machen, aber wir waren letztlich nicht zwingend genug. Unsere zweite Hälfte hat zumindest eine Reaktion gezeigt. Wir gehen aber als Verlierer vom Platz, weil wir in der ersten Hälfte so schlecht agiert haben.“
Markus Anfang, Trainer von Fortuna Düsseldorf
“Es ist eigentlich gar nicht zu erklären, dass wirklich alle so sehr hinter ihren Möglichkeiten bleiben. Es kann nur die Angst sein, dass sie irgendwelche Fehler machen. Wir wissen, dass eigentlich alle auch richtig gut spielen können. Es kommen viele Dinge zusammen. Die Veräanderungen sind das unter anderem, dass manches schwierig ist. Die Spieler müssen mehr laufen müssen und mehr kämpfen. Über das Spielerische geht es derzeit offensichtlich nicht. Wir werden dem Trainer zur Seite stehen und unsere Wahrnehmung mitgeben. Wir müssen versuchen den Spielern die Sicherheit zu geben, um aus dem Dilemna rauszukommen.”
Klaus Allofs, Sportvorstand der Fortuna
“Grundsätzlich ist die Mannschaft intakt, vor allem menschlich. Wir haben als Gemeinschaft aber zwei Gesichter in Hälfte eins und dann nach der Pause gezeigt. Wir müssen viel mutiger sein und jeder einzelne muss seinen Job machen und die Basics auf den Platz bringen.”
Tim Oberdorf, Vizekapitän der Fortuna
“Es geht um einfache Tugenden, keiner hat zunächst einen Zweikampf gewonnen. In der zweiten Hälfte haben wir eine Reaktion gezeigt. Ich weiß nicht, warum das nicht von Anfang an klappt - das ist Einmaleins des Fußball. Wir müssen dann auch als Team agieren und das Publikum mitzunehmen. Es muss mehr Wille von jedem da sein.”
Matthias Zimmermann, kämpferischster Fortune
“Wir waren sehr, sehr schlecht. Ich habe keine Erklärung. Wir haben einen neuen Trainer, aber so kann es nicht am Trainer liegen. Das 0:1 muss ich auf meine Kappe nehmen. Es gibt keine Ausreden. Es liegt an der Einstellung. Wir müssen den Schwung nach vorne mitnehmen, aber es waren zu wenige Abschlüsse. Die Entlassung von Daniel Thioune hat uns beschäftigt, auch wenn es ein Wiedersehen in einer kleinen Runde gab. Aber dann war das abgehakt. Wir müssen uns fortan wehren, und das fehlt uns zuhause."
Florian Kastenmeier, Torwart der Fortuna
