Von Norbert Krings – Fortuna Düsseldorf hat einen ebenso glücklichen wie dreckigen Arbeitssieg in Münster erzielt. Mit 2:1 (0:1) gewann das Team von Daniel Thioune nach einer sehr schwachen ersten Hälfte. Cedric Itten sowie Florent Muslija erzielten die Tore zu einem Erfolg, der laut dem Trainer ein „Tournaround“ darstellt.
Daniel Thioune hatte wie schon indirekt bereits von ihm angedeutet, eine Taktik mit zwei Spitzen gewählt. Zan (gesprochen Gjan) Celar unterstützte seinen Sturmkollegen Cedric Itten in vorderster Linie. Fortunas Trainer setzte zudem wie erwartet auf eine Dreierkette und schickte statt des angeschlagenen Valgeir Lunddal diesmal Matthias Zimmermann auf die rechte Seite, um als Schienenspieler im Bedarfsfall vorne und hinten zu helfen. Auf der anderen Seite kam Simo Suso mangels „linker Alternative“ ins Team und zu seinem ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison, wie auch Zan Celar. Offenbar wird Julian Hettwer zwar der offensive Part dieser Aufgabe als Schienenspieler links oder rechts zugetraut, der defensive wohl aber nicht. Zudem schickte Thioune zwei weitere Debütanten ins Spiel – Jesper Daland und Tim Breithaupt absolvierten ihr erstes Pflichtspiel für die Fortuna.
Bei den Münsteranern gab es zwei Wechsel, für Etienne Amenyido und Jannis Heuer spielten Lars Lokotsch und Simon Scherder von Beginn an. Die Gastgeber begannen mit konsequentem frühen Pressing, womit sich die Fortunen unter der Woche im Training intensiv beschäftigt hatten. Doch richtig gut funktionierte der Spielaufbau der Gäste nicht. So kamen die Preußen in der Startphase des Spiels auch zu Abschlüssen. Diese wurden mit großem Einsatz von den Fortunen noch so eben geblockt. Sehr sicher sah das in der letzten Verteidigungszone jedoch nicht aus.
Spielaufbau der Fortuna ist viel zu hektisch
Die Düsseldorfer spielten zu langsam hinten heraus, hatten Probleme im Aufbau und fanden in vorderster Linie keine Anspielstationen, allerdings auch, weil die Pässe zu ungenau waren. Die Münsteraner nutzten das, allerdings auch, weil die Fortuna-Abwehr nach einer Ecke mehr zuschaute, als aktiv einzugreifen. Simon Scherder stand jedenfalls völlig frei, als er nach einem Schussversuch von Luca Boley den Ball zum 1:0 in der 19. Minute abstauben konnte. Und so viel hatte nicht gefehlt, dann hätte Marvin Schulz erneut für die Gastgeber getroffen. Florian Kastenmeier reagierte bei dessen Schuss aber glänzend und wehrte den Ball ab.
Die Gäste fanden einfach nicht zu ihrem Spiel, die eigenen Offensivaktionen wirkten unüberlegt und harmlos. Die einzigen Düsseldorfer, die richtig Dampf machten, waren die über 2.000 Fans auf der neuen Westtribüne. Es war echt traurig aus Fortuna-Sicht, wie wenig den Gästen einfiel, um den Gegner überhaupt mal in Verlegenheit zu bringen. Und wenn es dann mal einen Ansatz gab, wurde die Chance zu einer gefährlichen Aktion unkonzentriert im Ansatz vergeben. Das war schon enttäuschend, was Spieler wie Tim Breithaupt, Jesper Daland, Anouar El Azzouzi, Florent Muslija und Celar in der ersten Hälfte auf den Rasen brachten. Allerdings war bei den Teamkollegen auch nicht viel mehr zu sehen. Das einzig Positive war die Tatsache, dass die Preußen die Schwächen des Gegners bis dahin nicht deutlicher hatte nutzen können.
Dass sich in der zweiten Hälfte etwas ändern musste, war allen Rot-Weißen wohl klar. Daniel Thioune versuchte es zunächst ohne einen Wechsel und gab der „ersten Elf“ die Chance, es im zweiten Durchgang besser zu machen. Angeblich habe sein Team in der Länderspielpause einen großen Schritt nach vorne gemacht. Zehn Minuten nach dem Wechsel sah das aber weiterhin nicht so aus. In der 59. Minute wechselte die Fortuna einerseits auf Viererkette und andererseits in Christian Rasmussen auch einen echten Flügelstürmer ein, der sich allerdings auch noch direkt in die Mitte schob. Von Aktionen auf den Flügeln, die die beiden Innenstürmer versorgen sollten, war weiterhin nichts zu sehen. Preußen verwaltete weiterhin problemlos den Vorsprung und war vorne sogar noch gefährlicher als die Gäste. Immerhin gab es nach 63 Minuten die erste Ecke für die Düsseldorfer. 
Innerhalb von acht Minuten drehen die Gäste das Spiel
Und diese Ecke brachte das 1:1 – unverdient und glücklich, aber wen interessiert das. Letztlich bereitete eine Kopfball-Vorlage von Preußen-Stürmer Batista Meier sogar noch dieses Tor vor. Cedric Itten ragierte blitzschnell und köpfte diese unfreiwillige Vorlage unbedrängt zum Ausgleich ein. Es waren tatsächlich Fortschritte zu sehen, auch weil nun hinten nur ganz selten Gefahr aufkam. Und dann gab es direkt das nächste Geschenk der Münsteraner für ihre Gäste. Marvin Schulz wehrte nach einem Freistoß den Ball deutlich sichtbar mit dem Arm ab. Florent Muslija brachte sein Team, nachdem er auch den Freistoß herausgeholt hatte, mit 2:1 in Führung. Sein Elfmeter war von Johannes Schenk nicht zu halten.
Das Spiel war mit wenig Spielglanz, aber mit mehr Einsatz gedreht worden, jetzt musste Münster wieder deutlich mehr machen, als nur einen Vorsprung zu verwalten. Und das taten die Gastgeber auch und hätten ohne zwei sehr gute Paraden von Kastenmeier wohl auch den eigentlich verdienten Ausgleich noch erzielt. So blieb es trotz einer spannenden Schlussphase mit drückenden Preußen beim glücklichen 2:1-Erfolg für die Gäste.
Münster: Schenk – Terhorst, Scherder (79. Koulis), Jaeckel, Bolay – Preißinger (79. Sertdemir) – Schulz (74. Vilhelmson), Hendrix, Mees (55. Makridis) – Lokotsch (74. Bouchama), Batista Meier
Fortuna: Kastenmeier – Daland, Oberdorf, K.Schmidt – El Azzouzi, Breithaupt (80. Alexandropoulos) – Zimmermann (87. Iyoha), Muslija, Suso – Itten, Celar (80. D.Schmidt)
Kader: Lotka – Heyer, Hettwer, de Wijs
Es fehlten: Schock, Lunddal, Rossmann, Appelkamp (alle verletzt), Anhari, Lenz, Raimund (alle im Aufbau), Affo, Egouli
Schiedsrichter: Florian Lechner (Insel Poel/Ostsee - Note:3, er hatte wenig Probleme mit der Partie)
Zuschauer: 10.575 (ausverkauft)
Tore: 1:0 (19.) Scherder, 1:1 (64.) Itten, 1:2 (72. H.E.) Muslija
Gelbe Karten: Jaeckel, Hendrix, Ter Horst / K.Schmidt, Rasmussen
Chancen: 4:4
Spielnote: 4 (die Partie hatte lange Phasen, in denen nicht viel passierte und lebte am Ende vom plötzlichen Wechsel der Verhältnisse und dann von der Spannung in den Schlussminuten)
Beste Spieler: Hendrix, Schulz / Oberdorf, Kastenmeier
Spielfazit: Fortuna spielte eine wirklich grauenhaft uninspirierte erste Hälfte und lag völlig verdient mit 0:1 zur Pause hinten. Ziemlich glücklich profitierte die Mannschaft von zwei Standardsituationen, um das Spiel zu drehen.
Besonderheit des Spiels: Innerhalb von nur acht Minuten konnte Fortuna ein bis dahin schwach geführtes Spiel drehen. Vor allem Florent Muslija war der Initiator des Umschwungs.
Benotung der Fortuna-Spieler:
Kastenmeier 2 – Daland 4, Oberdorf 2,5, K.Schmidt 4 – El Azzouzi 4, Breithaupt 4 – Zimmermann 3,5, Muslija 2,5, Suso 3 – Itten 3, Celar 4 /Rasmussen 3
Reaktionen:
„Wir haben das bekommen, was wir erwartet haben. Wenn man hoch attackiert und dann dann die Ordnung verliert, bekommt man Probleme. Wir sind immer wieder im Mittelfeld ausgespielt worden. Das Gegentor war absolut verdient. Nach der Pause haben wir endlich die Ordnung gehalten und hatten eine Idee, wie man das Spiel gewinnt. Wir haben mehr investiert. Wir hatten mehr Ballbesitz, bekommen zudem noch einen glücklichen Elfmeter. So eine Leistung reicht aber nicht immer. Der beste Spieler, unser Torhüter, hat das Spiel dann letztlich über die Zeit gebracht. Es ist noch viel Luft nach oben, ich freue mich aber über den Sieg.“
Daniel Thioune, Trainer von Fortuna Düsseldorf
„Große Teile des Spiels haben wir so bestritten, wie wir uns das vorgestellt haben. Die Finalisierung vieler Szenen ist uns nicht gelungen. Das zweite Tor lag in der Luft, aber wir haben es nicht geschafft. Bis zum Standard-Tor zum 1:1 war es ruhig, und wir konnten das Spiel bis dahin offenhalten. 2:0 verpasst und dann verlieren wird das Spiel. Der Mannschaft kann ich keinen Vorwurf machen, dass wir eine bittere Niederlage hingenommen haben.“
Alexander Ende, Trainer der Preußen
“Es sah am Anfang nicht nach einem Erfolg aus. Aber die Punkte nehme ich gerne mit.”
Florian Kastenmeier, Torhüter der Fortuna
“In die erste Hälfte haben wir nicht reingefunden, weil wir uns nicht an den Plan gehalten haben. Dann haben wir nach der Pause besser gegen den Ball gestandsen. Durch eine gute zweite Hälfte haben wir das Spiel verdient gewonnen. Über eine Unentschieden hätten wir uns auch nicht beschweren dürfen.”
Tim Oberdorf, neben Kastenmeier der stärkste Fortune
“Das Wichtigste war, dass wir als Team das Spiel gewonnen haben. Ich brauche unbedingt viele Spiele nun, um Selbstverständnis in meine Aktionen zu bekommen. Ich muss die Jungs noch besser kennenzulernen. In der ersten Hälfte bin ich noch viel hinterhergelaufen.”
Tim Breithaupt, Mittelfeldspieler der Fortuna
“Die erste Hälfte war schwach, wir waren immer einen Schritt zu spät. Dann haben wir besser gestanden. Es ist eine richtig gute Mentalität in der Mannschaft, weil wir wieder gut zurückgekommen sind. Ich wusste, wohin Mucki (Muslija) den Eckball zirkeln würde, ich verstehe mich super mit ihm. Ich war Elfmeterschütze Nummer 1, habe Mucki dann den Ball gegeben, weil er mich gefragt hatte, ob er den Elfmeterschießen dürfte. Er hatte sich ein Tor verdient."
Cedric Itten, Mittelstürmer der Fortuna
“Es sind dann die Momente, die die Spiele entscheiden. Das gilt auch für Flo, der einige Situationen halten musste. Das war schon wichtig. Ich binn Offensivspieler und möchte Akzente setzen. Ich sage den Mitspielern vorne, dass sie mir den Ball geben sollen, ich mach das dann schon. Beim Elfmeter war es so, dass ich mich stark gefühlt habe. Ich habe den Ball ja auch reingehauen.”
Florent Muslija, Torschütze zum 2:1 für Fortuna
