Von Norbert Krings – Offensichtlich wähnten sich so manche Fortunen bereits komplett auf dem richtigen Weg. Mit einer diesmal zeitnahen Folge von sinnvoll erscheinenden Verpflichtungen und zwei überzeugenden Testspielsiegen gegen zwei Oberligisten schien tatsächlich alles in den richtigen Bahnen zu verlaufen. Doch die klare 1:3-Niederlage gegen den eigentlich über weite Strecken harmlos wirkenden österreichischen Erstligisten FC Blau Weiß Linz und das schon vorher eingesetzte Gerangel um einen möglichen Transfer von Jamil Siebert stören die Vorbereitung.
Jamil Siebert hatte bei der U21-Europameistschaft nicht so viele Minuten gesammelt, durfte in der bereits entschiedenen Vorrunde im Spiel gegen England 90 Minuten spielen und kam auch Finale gegen denselben Gegner kurz vor Beginn der Verlängerung zum Einsatz. Dass der 23-Jährige mit seiner robusten Spielweise und seiner Schnelligkeit auf dem Wunschzettel einiger Klubs vor allem in England auftauchte, war nicht verwunderlich. Dass jetzt der AC Pisa den Spieler - offenbar zu einem Spottpreis - verpflichten wollte, ehrt zwar Siebert, der gerne in einer europäischen Topliga spielen möchte. Die ausgelaufene Option über eine feste Ablöse von 5,5 Millionen Euro ermöglicht es der Fortuna jedoch, deutlich mehr als diese Summe für Siebert (Foto) zu verlangen. 
Ab einer Zahlung von 7 Millionen Euro inklusive aller Bonuszahlungen darf Fortuna erst bereit sein, ernsthaft über einen Verkauf von Siebert nachzudenken. Es besteht für den Verein keine unmittelbare Notwendigkeit den Spieler abzugeben, der noch über einen Vertrag bis Ende Juni 2027 verfügt. Auch für Siebert wäre es wohl sinnvoll, noch ein Jahr konstant auf hohem Niveau in der 2. Liga zu spielen, nachdem er in der zurückliegenden Saison gerade einmal 21 Spiele absolvieren konnte. Zudem hat er in der kommenden Spielzeit die Möglichkeit, mit soliderem Auftreten, fehlerfreiem Spiel und Leistungen auf einem hohen Niveau auch andere Vereine, die noch mal eine Klasse besser erscheinen als der AC Pisa, auf sich aufmerksam zu machen. Ansonsten, falls Siebert nun doch noch abgegeben wird, wäre die Fortuna gezwungen, schnell einen Ersatz zu verpflichten, der sich für den Saisonstart auch noch einspielen muss.
Fehlende Frische ist nicht die einzige Erklärung für die Testspiel-Niederlage
Natürlich sollte man das erste Testspiel im Trainingslager und die Niederlage gegen den Sechsten der ersten österreichischen Liga nicht überbewerten. Doch einige Probleme, die sich bereits in der vergangenen Zweitliga-Saison gezeigt haben, waren wieder deutlich geworden. Es fehlte angesichts der harten Trainingsarbeit verständlicherweise an Frische. Von dem vom Trainer eingeforderten Energieschub war auch deshalb wohl wenig zu sehen. Die Mannschaft von Daniel Thioune konnte sich am Samstagabend gegen Linz vor allem in der zweiten Hälfte nur selten sinnvoll aus dem Pressing des Gegners lösen. Nicht von ungefähr fiel auch das 1:2 nach einem Fehler im Aufbau. Es kamen bekannt wirkende Stellungsfehler und Zweikampfschwächen dazu, so dass im eigenen Strafraum die gegnerischen Spieler viel zu viel Platz hatten. Von den Dingen, die im Training beim Spiel gegen den Ball eingeübt worden waren, war nicht viel zu erkennen. So haben sich die Fehler und Probleme der vergangenen Saison erneut gezeigt. Eine höhere Pressing-Linie war nur ansatzweise zu erkennen und sie funktionierte auch nicht so, wie gewünscht.
Da der Trainer zwei halbwegs gleichwertige Mannschaften in jeweils einer Halbzeit gegen diesen Gegner auf den Platz bringen wollte, läuft die Suche nach der Startelf naturgemäß noch zwei Wochen weiter. Zudem fehlt auch noch der gesuchte Mittelstürmer und villeicht noch ein Spielgestalter. 35 Scorerpunkte haben den Klub in Person von Dawid Kownacki und Isak Johannessoon schließlich verlassen. Die Mannschaft, die in Bielefeld beginnen wird, sollte sich wohl auch erst nach dem letzten Testspiel bei Alemannia Achen herauskristallisiert haben. Bis dahin bleibt viel zu tun, um die neuen Spieler noch besser zu integrieren und einen Spielstil zu finden, der zum umgestalteten Team ideal passt. Fortuna muss variabler auftreten, was den Wechsel vom Spiel über die Flügel und durchs Zentrum angeht. 
Gesetzt für die „Wunschelf“ sollten vor allem die älteren Spieler in der Defensive sein. An Florian Kastenmeier im Tor, Matthias Zimmermann als Rechtsverteidiger, Tim Oberdorf als Abwehrchef sowie Christopher Lenz (Foto) in Normalform links hinten sollte kein Weg vorbeiführen - falls sich keine neue Verletzungs- oder Gesundheitsproblematik mehr ergibt. Denn die restlichen Spieler sind jung und teilweise unerfahren oder haben im vergangenen Jahr nicht so viel gespielt. Das gilt auch für Sotiris Alexandropoulos (23 Jahre). Das Erlangen von Wettkampfpraxis ist für Spieler und hoffnungsvolle Talente wie Kenneth Schmidt (23), Christian Rasmussen (22), Luca Raimund (20), Tim Rossmann (21) sowie Julian Hettwer (22) ungemein wichtig. Sie müssen sich nicht nur für die Mannschaft qualifizieren, sondern auch ihre Probleme der vergangenen Saison vergessen machen.
