Von Norbert Krings – Fortuna Düsseldorf hat in Bochum gewonnen, aber wirklich überzeugt hat das Team erneut nicht. Der 1:0-Sieg war letztlich sehr glücklich, aber ein Erfolg des Mannschaftsgeistes stand allein im Vordergrund, auch um die Trainerdiskussion nicht neuen und vielleicht endgültigen Zündstoff zu geben. Der VfL Bochum enttäuschte über die gesamte Spielzeit, daher hätten die Gäste eigentlich deutlicher dominieren müssen.
Daniel Thioune hatte versprochen, in Bochum auf die Spieler zu setzen, die einerseits den Druck aushalten können und andererseits ein Kämpferherz haben, um im Hexenkessel des Ruhrstadions bestehen zu können. Wer den Aufstellungszettel zur Hand nahm, musste jedoch zunächst schlucken. Zwar waren Valgeir Lunddal und Moritz Heyer in die Mannschaft rotiert, aber zwei Spieler, die gegen Darmstadt besonders enttäuscht hatten und nicht unbedingt mit dem Begriff Kampfkraft in Verbindung gebracht worden waren, durften spielen: Jesper Daland sowie Tim Breithaupt. Zudem konnte auch Emmanuel Iyoha mal wieder beginnen, in einer Rolle zwischen Sturm und Mittelfeld. Zan Celar saß hingegen zunächst nur auf der Bank.
Es ging in diesem Spiel um alles, das wussten die Fortunen nach einer Woche mit immer wieder ähnlichen Berichten über das Schicksal ihres Trainers ganz genau. Sie hatten durch die beiden Kapitäne verdeutlicht, dass sie alles tun würden, um zu zeigen, dass sie fest an eine weitere Zusammenarbeit mit ihrem Übungsleiter glauben. Es gab alle möglichen Optionen, wie das Spiel ausgehen muss, damit Daniel Thioune eine Zukunft in Düsseldorf hat. Es würde für den 51-Jährigen also auch zu einem Job-Erhalt reichen, falls sein Team ihr Herz auf dem Rasen lassen würde. Ein Remis mit schwacher Leistung oder eine Niederlage ohne Kampfgeist und Gegenwehr wäre hingegen gleichbedeutend mit dem Aus für den sympathischen, aber zuletzt wenig überzeugenden Trainer. So sah die Situation vor dem Spiel aus. Deshalb waren alle sehr gespannt, wie sich Fortuna in ersten Minuten im Westderby präsentieren würde.
Keine viel bessere Ausgangslage hatten auch die Gastgeber, allerdings war schon der Trainerwechsel von Dieter Hecking zu David Siebers vollzogen worden. Zu diesem Mittel hatten die Westfalen also bereits gegriffen und der neue Trainer feierte seine Heim-Premiere. Doch der Beginn verzögerte sich, weil einige Idioten in der Fortuna-Fankurve einfach das Spiel nicht sehen wollten, sondern lieber sich selber feiern wollten. Wegen der Rauchentwicklung durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern wollte der Schiedsrichter die Mannschaften sogar in die Kabine schicken. Das wird den Verein wegen der Verzögerung des Anpfiffs wieder einmal viel Geld kosten. Zehn Minuten zu spät ging es dann endlich los.
Tim Oberdorf brachte die Fortuna 1:0 in Führung
Und viel besser hätte die Mannschaft von Daniel Thioune nicht starten können. In der dritten Minute wurde Florent Muslija in Bochums Hälfte gefoult - der Freistoß landete über Umwege (Vorlage Cedric Itten) bei dem völlig freistehenden Tim Oberdorf. Fortunas Abwehrchef ließ den Ball über den Spann abrutschen, traf ihn also nicht voll – dafür aber zum 1:0 ins Bochumer Tor. Nach längerer Überprüfung zählte der Treffer, eine Bochumer Fußspitze hatte die Abseitsstellung „verhindert“. Der erste Schritt war also getan. Jetzt musste es nur noch darum gehen, die bissige Arbeit der Startphase über 90 Minuten beizubehalten.
Das Problem war nun, dass sich die Fortunen zu weit in die eigene Hälfte zurückdrängen ließen. Ohne Chancen der Bochumer zuzulassen, lief das nicht ab. Doch auch auf der anderen Seite hätte es dann zum zweiten Mal klingeln müssen. Cedric Itten bekam seine Chance gleich zweimal auf dem Silbertablett (17. Minute) serviert - einmal von Lunddal, dann für den Nachschuss durch Bochums Keeper Timo Horn, der den Ball nur nach vorne abwehren konnte. Auch beim zweiten Mal scheiterte der Schweizer allerdings an einem erneut glänzend reagierendem VfL-Keeper. Danach war wieder einmal der Schiedsrichter gefragt. Denn in Fortunas Fankurve fiel der Flutlichtmast aus. Daniel Schlager entschied, das Spiel nach kurzer Pause mit drei leuchtenden Flutlichtmasten fortzusetzen. Dabei funktionierte die Fortuna deutlich besser als sechs Tage zuvor im Heimspiel gegen Darmstadt.
Ein schönes Signal war es von Daniel Thioune, bei dem einen oder anderen Konterspielzug seiner Mannschaft für alle deutlich zu klatschten. Zudem unterhielten sich die Spieler, halfen sich gegenseitig bei den insgesamt immer wieder hitzigen Kämpfen um den Ball. So etwas wie Spielfluss kam auf beiden Seiten jedoch nicht zustande, die Fortunen hatten nicht die Ruhe, bei eigenem Ballbesitz auch mal das Tempo rauszunehmen und auf den Ball zu treten. Vielmehr kamen die Gäste immer mehr unter Druck und mussten mehrfach im eigenen Strafraum Schüsse blocken. Während die Fortuna-Fans ihre Mannschaft mit leichtem Beifall zur Pause in die Kabine schickten, riefen die Bochumer Fan ihrer Mannschaft zu: „Wir wollen euch kämpfen sehen.“ 
Unverändert kamen beide Teams aus der Kabine, auch die Richtung des Spiels auf das Fortuna-Tor änderte sich nicht. Die Düsseldorfer konnten sich nur schwerlich aus der Umklammerung lösen. Wenn dann noch so ein unnötiger Ballverlust (Alenadropoulos/58.) hinzukommt, muss man schon einen herausragenden Spieler im Tor haben. Bei einem Schuss von Gerrit Holtmann musste Florian Kastenmeier sich erneut sehr strecken, um den Ball zur Ecke zu lenken. Fortuna war weiterhin viel zu passiv und hatte letztlich Glück, dass zunächst nichts anbrannte. Und es sah nicht so aus, als wollten die Gäste unbedingt das Ergebnis ausbauen und für mehr Sicherheit im eigenen Spiel zu sorgen.
So ging es auch in die Crunchtime des Spiels, wobei die Bochumer bis dahin ziemlich harmlos gewirkt hatten und selten echte Torgefahr heraufbeschwören konnten. Nur die Fehler und Ballverluste direkt vor der eigenen Strafraumgrenze sowie bei einer aufgerückten Verteidigung machte das Leben für die Fortunen schwer, die zudem nur noch selten nach vorne kamen, geschweige denn, gefährlich zu werden. Zum Glück fiel den Bochumern trotz des Belagerungszustandes so wie nichts ein, um gefährlich zum Abschluss zu kommen. Wenn nicht erfolgreich geblockt werden konnte, war ansonsten Florian Kastenmeier immer zur Stelle.
Bochum: Horn – Morgalla, Vogt, Loosli – Koscierski, Wätjen (66. Onyeka), Lenz (89. Sissoko), Wittek, Bero, Holtmann (75. Alfa-Ruprecht) – Hofmann (75. Clairicia)
Fortuna: Kastenmeier – Lunddal (72. Zimmermann), Oberdorf, Daland, Heyer (90. +5 K. Schmidt) – El Azzouzi, Breithaupt, Alexandropoulos (84. De Wijs) – Iyoha (72. Hettwer), Muslija (90. +5 D. Schmidt) – Itten
Kader: Lotka – Celar, Rasmussen, Suso
Es fehlten: Schock, Rossmann, Appelkamp, Egouli (alle verletzt), Anhari, Lenz, Raimund, Affo (alle im Aufbau)
Schiedsrichter: Daniel Schlager (Rastatt/Note: 2,5, manchmal mit werkwürdigen Entscheidungen, benachteiligte allerdings keine der beiden Mannschaften und war ständig auf der Höhe der Aktionen.)
Zuschauer: 26.000 (ausverkauft)
Tore: 0:1 (4.) Oberdorf
Gelbe Karten: Wittek, Alfa-Ruprecht, Lenz / Daland (2.), El Azzouzi (1.)
Chancen: 7:3
Spielnote: 3,5 (es war jederzeit ein spannendes Spiel – aber ohne die ganz großen spielerischen Akzente. Fortuna nutzte den einen Moment, um einen glanzlosen Arbeitssieg zu feiern)
Beste Spieler: Wittek, Holtmann / Kastenmeier, Itten
Spielfazit: Fortuna hat nach drei Minuten einen idealen Start, konnte nicht nachlegen und musste dann (erfolgreich) kämpfen, um den Sieg über die Zeit zu bringen.
Besonderheit des Spiels: Nach knapp 20 Minuten war es in einer Ecke des Stadions plötzlich dunkel. Und das lag nicht daran, dass die Fortuna-Fans endlich ihr Pyro-Feuerwerk eingestellt hatten, sondern ein Flutlichtmast 15 Minuten Pause einlegen musste.
Benotung der Fortuna-Spieler:
Kastenmeier 2 – Lunddal 3,5, Oberdorf 2, Daland 3, Heyer 3 – El Azzouzi 2,5, Breithaupt 3,5, Alexandropoulos 3 – Muslija 3,5, Iyoha 4 – Itten 2,5
Reaktionen:
„Es war ein besonderes Spiel für mich als Trainer, nach einer brutalen Woche. Mein Team hatte sehr viel Energie auf dem Platz, sie war fantastisch, trotz viel Stückwerk mit Ball. Man hat gesehen, mit viel Entschlossenheit wir aufgetreten sind. Jetzt sind alle mit dem Zusammenhalt in der 2. Liga angekommen. Wir haben komplett Resistenz gezeigt. Es war zwar ein etwas glücklicher Sieg, aber er war nicht unverdient. Und wir haben zu Null gespielt. Es war nie ein Endspiel für mich, das kam eher von außen. Mir geht es in meinem Leben und meiner Tätigkeit darum, auch ein paar Menschen zu fangen, nicht nur um Siege einzufahren.“
Daniel Thioune, Trainer von Fortuna Düsseldorf
„Wir hatten einen sehr schlechten Start. In den meisten Parametern waren wir vorne. Wir hatten viele Torschüsse, zu wenige sind aufs Tor gekommen. Verbesserter Vortrag als vergangene Woche, aber noch kein Erfolg.“
David Siebers, Trainer vom VfL Bochum
“Diese Reaktion war extrem wichtig, auch weil wir die gesamte Woche dafür gelitten und uns eingeschworen haben. Bin gespannt, wie viele Kilometer wir gelaufen sind. Wir waren von Anfang heiß und wir haben alle alles reingeworfen. Den Sieg haben wir gebraucht, dafür haben wir gefightet, so rückt die Mannschaft zusammen. Jetzt wollen wir zuhause überzeugen. Der Trainer macht einen guten Job, auch menschlich. Es lag an uns, wir waren immer gut eingestelt."
Cedric Itten, Mittelstürmer der Fortuna
“Der Sieg war extrem wichtig, dass auch etwas Ruhe einkehrt. Wir haben aber nichts erreicht, die Rückendeckung haben wir am Montag schon ausgesprochen. Es wäre fatal gewesen, wen wir das nicht gegenüber dem Trainer getan hätten. Wir haben defensiv den Zweitliga-Fußball angenommen. Wir bleiben ruhig und lassen uns nicht beirren.”
Florian Kastenmeier, Torhüter der Fortuna
“Über das Tor freue ich mich, aber über das Tor jedes anderen Spielers von uns hätte mich ebenso glücklich gemacht. Wir haben ein anderes Gesicht. Ein besseres Beispiel von Zweitliga-Fußball als hier an der Castroper gibt es nicht. Von der Mentalität haben wir ein anderes Gesicht, wir sind jetzt sehr erleichtert. Jetzt war es wichtig, dass wir die entscheidenden Sachen besser machen. Jetzt holen wir uns das Fußballerische Stück für Stück zurück. Für das Drumherum war es wohl wichtiger, dass wir uns zum Trainer bekannt haben. Wir sind nach wie vor von der Qualität des Trainers überzeugt.”
Tim Oberdorf, Abwehrchef der Fortuna
