Von Norbert Krings – Fortuna Düsseldorf hat einen erneuten Rückschlag einstecken müssen. Das 0:3 gegen den SV Darmstadt war in der Höhe sogar noch schmeichelhaft. Die Mannschaft hat solches versagt und keinerlei Anzeichen einer Entwicklung gezeigt. Es wurde zudem deutlich, dass auch die Rückendeckung für den Trainer nach der desolaten Leistung in Düsseldorf schwindet.
Daniel Thioune hatte sich erwartungsgemäß nach den Problemen der vergangenen Woche für das „Lieblings-System“ seiner Spieler, die Viererkette, entschieden. Matthias Zimmermann spielte wie daran gewohnt auf der rechten Seite, Sima Suso auf der linken Abwehrseite nach seiner ordentlichen Leistung in Münster. Jesper Daland verteidigte rechts in der Innenverteidigung neben Tim Oberdorf. Erneut besetzten Anouar El Azzouzi sowie Tim Breithaupt die Sechser-Positionen, Letzterer gab wie Daland seine Heimpremiere. Hinter den beiden Spitzen Cedric Itten und Zan Celar sollten Florent Muslija und Christian Rasmussen für Schwung und Ideen sorgen. Fortunas Trainer hatte sogar einen Tipp vor dem Spiel geäußert, Thioune hatte auf einen knappen Erfolg seiner Mannschaft gegen die in Bestbesetzung angetretenen Darmstädter getippt und den Fans einen leidenschaftlichen Auftritt seines Teams versprochen. Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hoffte bei seinem Besuch in der MERKUR SPIEL-ARENA auf einen Erfolg einer NRW-Mannschaft.
Die Gäste starteten engagiert und versuchten von Beginn an ihre beiden gefährlichen Spitzen Fraser Hornby und Isac Lidberg in Stellung und zum Abschluss zu bringen. Fortuna benötigte hingegen ein wenig Zeit, um in den Spielrhythmus zu finden, weil die Gäste zunächst gefühlt 90 Prozent Ballbesitz hatten. In der siebten Minute hatten die Lilien auch nach einem Orientierungsproblem der Düsseldorfer Innenverteidiger die erste klare Möglichkeit, als Fraser Hornby durchgebrochen war. Nachdem Florian Kastenmeier in dieser Situation Sieger geblieben war, lief es nach der folgenden Ecke deutlich schlechter für Fortunas Keeper. Er kam an den langen Ball nicht heran und war dann zu weit aus dem Tor heraus, um den Kopfball von Isac Lidberg noch abwehren zu können (8. Minute). Zu Überraschung aller wurde der Treffer wegen Abseits aber vom Kölner Keller nicht anerkannt. Da Kastenmeier aus seinem Tor geeilt war, befand sich nur noch ein Spieler der Fortuna näher zum eigenen Tor, und die Fußspitze von Lidberg befand sich in Abseitsposition. 
Die Platzherren wirkten eher erleichtert als geschockt und gingen fortan deutlich engagierter in die Zweikämpfe. Und auch nach vorne ging es nun schneller. Zwar hatten die Gäste immer noch etwas mehr Ballbesitz, aber die Fortunen standen besser, um die Angriffe des Gegners abfangen zu können. Allerdings blieben die Gäste bei den Standards gefährlich, Patric Pfeiffer kam nach einer Ecke zum Kopfball. Diesmal war Kastenmeier mit einer spektakulären Parade auf dem Posten und machte diese Chance zunichte (24.). Nach vorne erschwerten übereilte Abspiele den Spielaufbau, so dass einige gute Ansätze verpufften. Als dann endlich die Chance zur Führung da war (33.), vergab sie Celar bei einem Schuss aus kurzer Entfernung, weil SVD-Keeper Marcel Schuhen glänzend reagierte.
Vor dem Tor war das von Fortuna erneut zu wenig
Die Düsseldorfer verstärkten nun ihrerseits kurzfristig den Druck. Allerdings gab es immer wieder kleine Missverständnisse in der Vorwärtsbewegung. Immerhin fanden auch die Hessen keine Lücken mehr, so dass das Spiel wenig Höhepunkte in der Phase vor der Pause zu bieten hatte. Ein Kopfball von Hornby (45.), der am langen Eck vorbeistrich, war so etwas wie eine Halbchance. Bis zur Pause blieb es in dem umkämpften, aber jederzeit fairen Spiel beim torlosten Unentschieden. Diesmal war in der Kabine wohl keine lautstarke Ansage angebracht, aber an einigen Schrauben mussten dennoch gedreht werden, um in der zweiten Hälfte deutlich mehr Torgefahr auszustrahlen.
Ohne personelle Veränderungen ging es in den zweiten Spielabschnitt, in dem die Fortuna höherstand, um mehr Kontrolle über den Ball gegen die bis dahin besseren Gegner zu erhalten und endlich das erste Heimtor zu erzielen. Rasmussen hatte es auf dem Fuß, als er in der 54. Minute eine kürzer gespielte Ecke direkt nahm, aber den Ball nicht ideal traf. Überhaupt war der Däne sehr bemüht, hatte aber auch einige unglückliche Momente. Das galt für das gesamte Team, als Daland einen Zweikampf gegen Lidberg gewann, dabei aber den Ball für Hiroki Akiyama unfreiwillig vorlegte. Der Japaner ließ beim 1:0 für Darmstadt Kastenmeier keine Abwehrchance. Fortuna war so geschockt, dass die Mannschaft die Ordnung verlor und wenig später (67.) sogar das 0:2 kassierte. Nürnberger hatte auf der rechten Seite so viel Freiraum, dass er sich aus acht Metern die Ecke aussuchen konnte. Fortuna wechselte, aber über mehr Torgefahr musste sich der Gegner nicht ängstigen. Im Gegenteil, nach einem aberkannten Treffer von Hornby kam Liedberg auch noch zum inzwischen verdienten 3:0 gegen eine in der Auflösung befindlichen Mannschaft aus Düsseldorf, die auch danach keinerlei Torgefahr mehr ausstrahlte. Die Zuschauer verließen vorzeitig in Scharen das Stadion, die Pfiffe zum Schluss kamen diesmal aus allen Ecken des Stadions.
Fortuna: Kastenmeier – Zimmermann (75. Hettwer), Oberdorf, Daland, Suso – El Azzouzi, Breithaupt (75. Alexandropoulos) – Rasmussen (75. D.Schmidt), Muslija – Itten, Celar (62. Iyoha)
Kader: Lotka – Heyer, de Wijs, K.Schmidt, Lunddal
Es fehlten: Schock, Rossmann, Appelkamp, Egouli (alle verletzt), Anhari, Lenz, Raimund (alle im Aufbau), Affo,
Darmstadt: Schuhen – Lopez, Pfeiffer, Vukotic, Nürnberger (84. Klassen) – Klefisch, Akiyama (90. Holland) – Richter (61. Marseiler), Corredor – Lidberg (84. Papela), Hornby (90. Bialek)
Schiedsrichter: Timo Gansloweit (Dortmund/Note:3 war zwar nicht komplett fehlerfrei, leitete das insgesamt faire Spiel jedoch souverän. Und die Zentimeter-Entscheidungen bei den beiden Abseits-Positionen waren nicht mit bloßem Auge zu erkennen.)
Zuschauer: 33.500
Tore: 0:1 (65.) Akiyama, 0:2 (67.) Nürnberger, 0:3 (74.) Lidberg
Gelbe Karten: - / -
Chancen: 2:9
Spielnote: 3 (die Partie war lange auf überschaubarem Niveau, bis die Gäste ihre Chancen nutzen konnten. Innerhalb von zwei Minuten hatten die Lilien das Spiel ohne große Mühe gegen plötzlich völlig kopflose Fortunen für sich (vor)entschieden, die Glück hatten, dass zwei weitere Tore der Gäste richtigerweise, aber knapp nicht anerkannt werden konnten.)
Beste Spieler: Kastenmeier, Oberdorf / Lidberg, Akiyama
Spielfazit: Fortuna hat nur einmal Gefahr vor das Tor der Gäste gebracht. Die Darmstädter nutzten die Fehler des Gegners und hätten noch höher gewinnen können.
Besonderheit des Spiels: Fortuna brach innerhalb von knapp 10 Minuten komplett zusammen!!!
Benotung der Fortuna-Spieler:
Kastenmeier 3,5 – Zimmermann 4, Daland 4,5, Oberdorf 3, Suso 3,5 – El Azzouzi 3, Breithaupt 4,5 – Rasmussen 4, Muslija 4 – Itten 4,5, Celar 4,5 / Iyoha 4
Reaktionen:
„Wir haben eine kurze Phase, in der das Spiel hätte kippen können. Insgesamt haben wir aber ansonsten verdient gewonnen gegen einen Gegner, vor dem ich weiterhin großen Respekt habe. Über die Zeit wird man sehen, wie gut die Fortuna eigentlich ist.“
Florian Kohfeld, Trainer von Darmstadt 98
„Der Sieg des Gegners geht aufgrund der zweiten Hälfte völlig in Ordnung. Wir haben es wiederholt nicht geschafft, so energetisch auf dem Platz zu sein, wie wir uns das vorstellen, um erfolgreich zu sein. Wir hatten keine guten offensiven Abläufe und somit auch keine Chancen herausgespielt. Und dazu konnten wir uns hinten nicht schadlos halten. Ich muss mich beim Publikum entschuldigen, dass wir in 270 Minuten kein Tor im eigenen Stadion erzielen konnten. Mit den Pfiffen sind wir noch gut bedient. Ich bin maximal enttäuscht, man muss viel mehr tun, um unseren hohen Ansprüchen gerecht zu werden.“
Daniel Thioune, Trainer von Fortuna Düsseldorf
„Es griff heute sicherlich nicht ein Rädchen ins andere, als Einheit sind wir jedenfalls nicht aufgetreten, und wir haben keine bedingungslose Einsatzbereitschaft gesehen. Ich wehre mich aber dagegen, dass nach schlechten Spielen der Coach gehen muss. Aber wir können den Trainer nicht komplett aus der Verantwortung nehmen. Er ist dafür verantwortlich, dass sich das bessert. Das gilt für die Entwicklung der Mannschaft genauso für das Bessermachen der Spieler. Es gibt jetzt kein Endspiel für den Trainer. Wir müssen ein anderes Gesicht der Fortuna in Bochum am kommenden Samstag sehen."
Klaus Allofs, Sportvorstand der Fortuna
“Mir fehlen die Worte, in vielen Bereichen war das viel zu wenig. Es ist kaum zu erklären, warum unser System in der zweiten Hälfte so zusammenfällt. Ich kann heute jeden Pfiff verstehen. Fernab von jeder individuellen Qualität muss man erst einmal als Team funktionieren.”
Tim Oberdorf, Abwehrchef der Fortuna
“Wir haben viel vorbereitet und nichts auf den Platz bekommen. Das war einfach schlecht und zu wenig. Wenn wir den Matchplan nicht einhalten, dann laufen wir nur hinterher und hätten noch deutlicher verlieren können. Irgendwann müssen wir als Team mal wieder richtig stattfinden.”
Florian Kastenmeier, Torhüter der Fortuna
“Wir haben das Spiel ohne jegliche Konsequenz zuende gespielt. Nach der Pause haben wir zu leicht die Bälle verloren, die Distanzen wurden zu groß, und so mussten wir uns geschlagen geben. Wir haben zu wenig Chancen herausgespielt und die eine große Möglichkeit dann auch nicht genutzt. Man sollte jetzt erst mal darüber schlafen und einen klaren Kopf bewahren. Es ist bitter, dass wir zuhause nicht treffen. Ich wünsche mir für den Verein, die Fans und die Stadt, dass wir gerade zuhause erfolgreich sind. In Bochum müssen wir jetzt eine Reaktion zeigen.”
Florent Muslija, Mittelfeldspieler der Fortuna
