Dang Qiu, erstmals seit Ihrem Wechsel zu Borussia Düsseldorf sind Sie und Ihre Teamkollegen beim Finale der Champions League nur Zuschauer gewesen. Wie schwer ist Ihnen diese ungewohnte Rolle nach dem 1:3 im Halbfinale gegen Alliance Nimes/Montpellier gefallen?
Dang Qiu: Es ist tatsächlich ungewohnt gewesen – aber wir hatten eben auch mit unserer gesamten Auslosung für die Champions League ein sehr schwieriges Programm. Im Halbfinale haben wir verloren, weil Montpellier mit den Lebrun-Brüdern Felix und Alexis, die momentan wie von einem anderen Stern spielen und in einer wahnsinnigen Form sind, nur ganz schwer zu schlagen gewesen ist. Aber auch wenn es nach mehreren Jahren im Finale ungewohnt war, glaube ich, dass auch das dazugehört, denn im Sport ist es eng und es entscheiden nur wenige Prozente, die gegen Montpellier leider nicht zu unseren Gunsten gekommen sind.
Haben Sie sich die Übertragung des Endspiels angeschaut?
Qiu: Nein, ich habe das Finale nicht live verfolgt. Ich habe mir nur einige Spielfetzen und die Highlights angeschaut.
Wie groß war die Enttäuschung über das Halbfinal-Aus mit der Borussia durch das 1:3 gegen die französischen Überflieger von Alliance Nimes/Montpellier?
Qiu: Natürlich ist die Enttäuschung da, auch wenn das Aus nicht ganz unerwartet kam, denn wir sind ja wirklich nur als Außenseiter in das Halbfinale gegangen.
Was ist ausschlaggebend gewesen?
Qiu: Die beiden Lebruns haben wieder in Topform gespielt. Sie waren sehr, sehr gut und haben ganz hervorragend gespielt, da war für uns nicht wirklich etwas zu gewinnen, denn sie waren in den entscheidenden Phasen einfach stärker und haben dadurch auch jeden knappen Satz gewonnen.
In den drei Spielen gegen die Top-12-Brüder Felix und Alexis Lebrun, der eine Olympia-Bronzemedaillengewinner von Paris 2024 und der andere Ihr Nachfolger als Europameister im Einzel, blieb Düsseldorf nur ein Satzgewinn. Was macht die beiden Franzosen derzeit so stark?
Qiu: Beide sind noch sehr jung. Felix ist erst 19 Jahre alt, Alexis ist nur wenige Jahre älter. Sie entwickeln sich erst noch und sammeln noch viele neue Erfahrungen, spielen aber trotzdem schon auf einem Wahnsinnsniveau, trainieren aber weiter sehr gut und verbessern sich dadurch auch noch immer weiter. Beide sind sehr kreativ am Tisch, bringen eine unfassbare Athletik in den Sport, sind sehr ballsicher, schnell und auch ein bisschen wild und haben eine Wahnsinnsenergie. Sie machen Tischtennis mit ihrer Professionalität und ihrem starken Spielsystem zu einem noch hochklassigeren Sport.

Foto: Kenny Beele
Ihr Trainer Danny Heister sprach von einem Rollentausch der Borussia vom Gejagten zum Jäger. Hat sich womöglich dieses veränderte Mindset im Halbfinale ungünstig ausgewirkt?
Qiu: Ich denke nicht, dass sich das Mindset ungünstig ausgewirkt hat. Ich gehe im Spiel immer von Punkt zu Punkt, da spielt es keine Rolle, wer auf dem Papier stärker ist – andernfalls müsste man ja auch gar keine Meisterschaften und andere Titel mehr ausspielen. Es wird immer noch alles am Tisch entschieden.
Wie bewerten Sie Saarbrückens erneuten Champions-League-Triumph?
Qiu: Saarbrücken hat in einer enormen Drucksituation wieder eine sehr starke Leistung gezeigt. Man kann da nur gratulieren. Sie hatten schon eine brutal starke Mannschaft und haben sich, obwohl das kaum noch möglich erschien, durch Fan Zhendong nochmals verbessert. Sie haben auf jeden Fall verdient gewonnen.
Lassen sich aus dem Spiel gegen Montpellier Erkenntnisse auf das TTBL Final4 Ende Mai in Frankfurt übertragen?
Qiu: Natürlich kann unsere Mannschaft und kann jeder Spieler für sich Rückschlüsse ziehen. Auf diesem Topniveau werden jeder Fehler und jedes Loch im Spiel schonungslos aufgezeigt, und das kann jeder für sich persönlich mitnehmen, um das in den nächsten zwei Wochen durch viel Arbeit zu verbessern.
Ist es ein zusätzlicher Mutmacher für Frankfurt, dass der große Favorit Saarbrücken angesichts von zwei Niederlagen von Fan Zhendong im Champions-League-Finale und ohne seinen in der TTBL nicht spielberechtigten Matchwinner Truls Möregardh trotz des Titelgewinns unerwartet verwundbar erscheint?
Qiu: Es ist zunächst sicher kurios, dass Truls für Saarbrücken in der Champions League einen wertvollen Titel gewinnen konnte und nun beim TTBL Final4 um einen genauso wichtigen Titel nicht mitspielen darf. Aber das passt und gehört mittlerweile auch zu unserer Sportart. Es ist zwar ein großer Unterschied, wenn Saarbrücken in Frankfurt ohne Truls spielen muss, aber sie haben immer noch eine bockstarke Mannschaft. Trotzdem rechnet sich jede Mannschaft Chancen aus, keiner gibt schon im Vorfeld auf.
Was ist bei Borussia als Vorbereitung auf das Final4 geplant?
Qiu: Es wird jetzt einfach viel trainiert, es wird aber auch viel gesprochen werden. Es wird einfach alles getan werden, um gut vorbereitet zu sein.
Frankfurt ist Düsseldorfs dritte und letzte Chance auf einen Titel. Erhöht das den Druck?
Qiu: Ich denke nicht, dass es den Druck erhöht. Wir gehen als Hauptrundensieger in das Final4. Wir wissen aber auch, dass wir wieder nicht Favorit sind, denn die Favoritenrolle liegt in meinen Augen erneut klar bei Saarbrücken. Aber wir rechnen uns dennoch Chancen aus, besonders im Halbfinale gegen den TTC Schwalbe Bergneustadt, und dann würden wir sehen, wie es in einem möglichen Finale weitergeht. Aber bis zum Endspiel denken wir noch nicht. Druck ist außerdem immer vorhanden, wenn man bei Borussia Düsseldorf spielt, aber ich denke, dass uns das beim Final4 mehr motivieren als hemmen wird.
Dang Qiu, vielen Dank für das Gespräch.
Florian Manzke
