Björn Borg, Jimmy Connors, Ivan Lendl, John McEnroe, Pete Sampras, Andre Agassi, Jim Courier, Yannick Noah, Mats Wilander, Stefan Edberg, Michael Stich und natürlich Boris Becker. Sie alle schlugen beim Tennis World Team Cup in Düsseldorf auf. Bei der inoffiziellen Mannschafts-Weltmeisterschaft im Rochusclub am Rolander Weg. Und er holte Jahr für Jahr die Stars in die Stadt, kurz vor dem Beginn der French Open in Paris: Horst Klosterkemper.
Der am 27. November 1938 in Niederschlesien geborene Manager und Sportfunktionär rief das beliebte Turnier im Jahr 1978 ins Leben. Von den Spielern über Jahrzehnte als optimale Vorbereitungsmöglichkeit auf das Grand-Slam-Turnier in Frankreich geschätzt, entwickelte sich zunächst der „Nations Cup“ und später der „World Team Cup“ in der familiären Atmosphäre auf der Anlage in Ludenberg zu einem Selbstläufer und absoluten Fixpunkt im internationalen Tenniskalender.
Von den Gästen in der V.I.P.-Lounge bis zu den Balljungen, von Gambas über Erdbeeren mit Sahne bis zur Bratwurst und Erbsensuppe, von treuen und tennisbegeisterten Zuschauer:innen bis zum Gelegenheitsbesucher – in jener Woche im Mai passte einfach alles zusammen. Düsseldorf war eine richtige Tennisstadt und schon wenige Tage nach einem Finale war die Anlage für das folgende Jahr schon wieder ausverkauft. Und hinter all dem stand Horst Klosterkemper mit seinem Namen, seiner Expertise und seinem Gespür für den Sport. „Das war schon eine tolle Zeit. Es ist immer wieder schön, wenn man in Gesprächen bemerkt, wie viele Erinnerungen dieses Turnier bei den Menschen geschaffen hat“, sagte Horst Klosterkemper im Rahmen der D.SPORTS AWARDS im November in der Rheinterrasse.
Besondere Begegnungen mit Arthur Ashe und John McEnroe
Geschichten aller Art rund um „sein“ Turnier sowie seine anderen Funktionen und Ämter im Tennis kann Klosterkemper bis heute erzählen. So wie die aus dem Jahr 1975. Beim Masters-Finale in Stockholm fungierte er als Oberschiedsrichter im Match zwischen dem US-Amerikaner Arthur Ashe und dem rumänischen „Enfant Terrible“ Ilie Nastase. Weil Ashe entnervt den Platz verlies und nicht auf die bevorstehende Disqualifikation seines Gegners warten wollte, musste Klosterkemper auch Ashe disqualifizieren. Ein Kuriosum, das den Deutschen mit seiner Entscheidung sogar in die New York Times brachte. Zehn Jahre später, 1985 und in Düsseldorf, hinderte Klosterkemper dann die aufgebrachte US-Ikone John McEnroe daran, vorzeitig in die Kabine zu gehen.

Klosterkemper (l.) mit Arthur Ashe beim Masters-Finale 1975. Foto: imago/TT
1987 war er dann einmal nicht rechtzeitig zur Stelle: McEnroe packte im Endspiel des World Team Cups gegen den Tschechoslowaken Miloslav Mecir erneut seine Sachen - und dieses Mal ging „Big Mac“ wirklich. Erst ein vermeintlicher Netzaufschlag, dann ein Fußfehler. Zu viel für McEnroes Geschmack. Doch alles in allem überwogen immer die zahlreichen schönen Geschichten. Der US-Amerikaner Brian Gottfried urteilte einmal über die Tenniswoche am Rolander Weg: „Was soll ich mehr über einen Club, ein Turnier sagen, als dass es dich besser behandelt als deine eigene Mutter.“
Leitende Funktion bei Henkel und Geschäftsführer der Messe Düsseldorf
Nach seinem Abitur im Jahr 1957 in Düsseldorf ging es für Klosterkemper im Rahmen des Studiums nach Aachen. Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften standen an der Technischen Hochschule im Mittelpunkt seiner Universitätszeit. Von 1966 bis 1989 war er 23 Jahre lang leitender Mitarbeiter beim Konsumgüterhersteller Henkel und von dort aus zog es ihn zur Messe Düsseldorf, bei der er von 1989 bis 2003 Geschäftsführer war und namhafte Messen wie die „Drupa“ weiterentwickelte. Und „nebenbei“ nahm der Tennissport stets eine zentrale Rolle ein. Von 2004 bis 2007 – nach seinem Eintritt in den beruflichen Ruhestand – agierte Horst Klosterkemper sogar als Europa-Präsident der Association of Tennis Professionals (ATP).
Im Jahr 2002 erhielt Klosterkemper aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau das Bundesverdienstkreuz. Aktiv gesucht hat der „lange Blonde“, wie er aufgrund seiner 1,91 Meter Körpergröße oft liebevoll genannt wurde, das Rampenlicht nie. Aber er wusste, wie die Dinge anzupacken sind – ansonsten wäre der World Team Cup nie so groß geworden. Als das Turnier 2010 von der Tennis-Landkarte verschwand, hatte sich Horst Klosterkemper bereits endgültig zur Ruhe gesetzt. Seinen Sport aber verfolgt er heute noch. Mit inzwischen 87 Jahren. Und wie viele andere Tennisfans in Düsseldorf denkt auch er mit viel Freude an die glamourösen WM-Jahre im Rochusclub zurück.
