Wäre das 5:3 am Sonntag in Crimmitschau nicht gewesen, es stünden nach dem 1:4 im Nachholspiel gegen Bad Nauheim fünf Niederlagen in Folge zu Buche. So sind es vier aus den vergangenen fünf. Insgesamt ist es die zwölfte Pleite im 23. Heimspiel einer Saison, die ganz allmählich auszutrudeln scheint. 3794 Fans bedeuten zudem Minuskulisse für die laufende Spielzeit.
Rath. Nasskalter Dienstag. Aufblende. Innen. Auftritt Düsseldorfer EG und EC Bad Nauheim. Ein gerade einmal zu knapp 30 Prozent gefüllter PSD BANK DOME. Die anderen Optionen zur abendlichen Freizeitgestaltung umspannen die Berichterstattung der Winterspiele aus Mailand – inklusive Eishockey-K.o.-Spiel zwischen Schweden und Lettland –, weitere karnevalistische Tätigkeiten oder das Sechzehntelfinale der UEFA Champions League. Für diejenigen, deren Erde doch eher Kugel als Scheibe ist. 3794 Unentwegte aber finden sich zur seichten DEL2-Unterhaltung ein. Und erfreuen sich wohl eher weniger an ihrer Entscheidung.
Jetzt sachlich. Das Nachholspiel des 21. Spieltags zwischen der Düsseldorfer EG und dem EC Bad Nauheim endet mit einem 1:4 (0:1, 1:0, 0:3). Fast noch erschreckender als das nackte Resultat ist die Feststellung, dass selbst ein absolut limitierter Gegner dieser Tage mit einer bestenfalls soliden Leistung in Düsseldorf die drei Punkte einsacken kann. Die direkte Play-off-Qualifikation mit einem Platz unter den ersten Sechs dürfte nun außer Reichweite sein, wenngleich die Geschäftsführer Andreas Niederberger und Rick Amann stets von Rang zehn als Minimalziel gesprochen haben. Dass das erste DEL2-Jahr auf die eine oder andere Art ein sportlich versöhnliches Ende findet, ist stark zu bezweifeln.
Schiedsrichter-Duo ahndet Stockfoul an Erik Bradford nicht
Das erste Drittel war Eishockey-Magerkost ohne Soße. Zwar gelangen den Düsseldorfern ein paar gute Offensivaktionen, aber insgesamt bot der Tabellenneunte zu wenig an und wirkte im sechsten Spiel binnen zwölf Kalendertagen physisch und mental nicht immer frisch. Bad Nauheim, Vorletzter und damit hier Ränge hinter der DEG notiert, veranstaltete selbst auch nicht unbedingt großes Spektakel. Die Hessen aber zeigten sich in den ersten 20 Minuten effektiver und gingen durch Parker Bowles (12.) in Führung.
Der zweite Akt ähnelte zunächst dem ersten. Doch dann gewann das Geschehen plötzlich an Dramaturgie. Ein hässliches Stockfoul von Davis Koch an das Knie DEG-Stürmer Erik Bradford rief seinen neuen Mitspieler Nicholas Baptiste auf die Bühne. Der als Ersatz für den schwer verletzten Topscorer Yushiroh Hirano verpflichtete Kanadier nahm sich dem Übeltäter an und ging vor der eigenen Spielerbank mit Koch in einen kurzen Infight. Das brachte dem Neuling Sympathiepunkte – den schwachen Unparteiischen jedoch nicht, die das Foul an Bradford nicht ahndeten und sich zudem nicht gemüßigt sahen, den Videobeweis zur Hilfe zu ziehen.
„Auf die Sieben“, schallte es in der Folge mehrfach von den Rängen. Gemeint war Bad Nauheims Koch, dem der Name Thomas Brandl (ursprünglicher Adressat des Rufes aus Brehmstraßen-Zeiten, Anm. d. Red.) aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts sagen dürfte. Kurz vor der zweiten Pause verarbeitete Luca Tosto (38.) dann ein Zuspiel des lädierten aber weiter einsatzfähigen Bradford und vollstreckte zum 1:1-Ausgleich.
DEG-Trainer sah ein „grausames Spiel“
Wie schon beim 1:5 gegen Krefeld am vergangenen Freitag fehlte der DEG im Schlussdrittel der entscheidende Punch. Nach dem 1:2 durch Simon Gnyp (48.) stellten die Schiedsrichter DEG-Angreifer Michael Clarke wegen eines unkorrekten Anspiels (!) hinaus und Jordan Hickmott (49.) besiegelte mit dem Überzahltreffer das Düsseldorfer Schicksal an diesem Dienstag. Den Schlusspunkt vor dem finalen Vorhang des Abends setzte Zach Kaiser (58.) ins leere Tor. Der angeschlagene Bradford ging da bereits in die Kabine, weil die Schmerzen doch zu groß waren.
„Ein grausames Spiel“, sagte Harry Lange. Das alleine hätte als Aussage zweifellos gereicht, doch der Cheftrainer führte die Analyse noch etwas aus: „Nach dem Regensburg-Spiel hatte man mich gefragt, ob wir noch mal Platz sechs angreifen können. Aber die Mannschaft ist einfach zu fragil. Wir hatten jetzt drei Chancen, um oben noch mal angreifen zu können. Die ersten fünf Minuten heute sind noch okay, aber der Killerinstinkt fehlt uns ja komplett. Im Schlussdrittel laufen wir dann in einen Konter hinein, nachdem Bad Nauheim vorher keinen Torschuss hatte. Am Ende geht es um die Frage, ob das Trikot der DEG für den Einen oder Anderen vielleicht zu schwer ist.“ Ein Eindruck, den man teilen kann. Freitag gegen Landshut und Sonntag im „Rückspiel“ gegen Bad Nauheim haben die Düsseldorfer die nächsten Möglichkeiten, es auf der eigenen Bühne besser zu machen.
Statistik: Düsseldorfer EG – EC Bad Nauheim 1:4 (0:1, 1:0, 0:3)
DEG/Tor: Bednard (Lunemann); Abwehr: Hammond, Maginot – Blumenschein, Faber – Balinson, Fischer – Kukuk; Sturm: Tosto, Bradford, Baptiste – Orendorz, Linden, Brown – Niederberger, Clarke, Thiel – Assavolyuk, Hofmann, Münzenberger
Schiedsrichter: Gossmann/Engelmann
Tore: 0:1 (11:28) Bowles (MacPherson, Bengtsson), 1:1 (37:44) Tosto (Bradford, Baptiste), 1:2 (47:39) Gnyp (Hickmott, Ribarik), 1:3 (48:30) Hickmott (Jakovlev/5-4), 1:4 (57:56) Kaiser (5-6)
Zuschauer: 3794
Strafminuten: 13:13
Torschüsse: 37:25
