„Stets authentisch, nie Fassade und Attitüde.“ So beschrieb der Laudator der Düsseldorfer Jonges im Jahr 2019 in seiner Rede Josef Klüh. Dem Unternehmer wurde an jenem Abend die „Große Goldene Jan-Wellem-Medaille“ für hervorragende Dienste um seine Heimatstadt Düsseldorf verliehen. Eine Ehre, die nur sehr wenigen Menschen zuteilwird. Doch Josef Klüh ist eben auch nicht irgendwer.
Sein Name ist untrennbar mit der sportlich erfolgreichsten Zeit der Düsseldorfer EG verbunden. Von 1984 bis 1998 leitete er als Vereinspräsident die Geschicke an der und rund um die Brehmstraße. 1990, 1991, 1992, 1993 und 1996 wurde die DEG mit Klüh an der Spitze Deutscher Eishockey-Meister und dazu einmal Vize-Europapokalsieger.
Für Josef Klüh kam und kommt noch immer die Familie an erster Stelle. Aber der stolze Eishockeyklub aus seiner Heimatstadt war für viele Jahre so etwas wie die zweite Familie. Bodenständig in seinem Auftreten, aber immer mit dem geschärften Sinn für Erfolg und Verbesserungen machte der heute 83-Jährige aus der DEG einen Vorzeigeverein. Mit Geld, ja. Aber eben auch mit viel Herzblut.
Geboren in der Carlstadt
Zur Welt kommt Klüh am 28. Januar 1942 in der Poststraße in der Carlstadt. Seine Begeisterung für die Schlittschuhe entsteht unweit des Elternhauses auf dem Schwanenspiegel. In der Maxschule lernt er das kleine Einmaleins. Im Jahr 1962 übernimmt er als 20-Jähriger den 1911 vom Großvater gegründeten Reinigungsbetrieb, in dem zu diesem Zeitpunkt zwei Leute beschäftigt sind. „Von Anfang an wollte ich Erfolg, wollte auf jeden Fall wachsen“, erinnert sich Klüh 2022 zum 111-jährigen Bestehen von Klüh Multiservices.

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Doch in den 1960er-Jahren konnte sich selbst er vermutlich nicht vorstellen, dass sich aus dem kleinen Handwerksbetrieb eines der erfolgreichsten Düsseldorfer Familienunternehmen entwickeln würde. Heute beschäftigt Klüh Multiservices mehr als 52.000 Mitarbeitende in Deutschland und sieben Ländern. „Ich bin oft gefragt worden, warum ich erfolgreich war und bin“, sagt Klüh, der noch immer als Vorsitzender des Beirates Klüh Multiservices aktiv ist. „Das ist kein Geheimnis: Wer anpackt, wer mutig ist und eine Vorstellung hat, wohin er will, der bewegt etwas. Unsere Strategie zu diversifizieren, hat uns Erfolg gebracht.“
Das Unternehmen entwickelte sich auch inhaltlich. Aus dem Reinigungsunternehmen wurde Klüh Multiservices. Catering, Security-Bereich, Klinik-Service, Klinik-Reinigung, Airportservice und Personalvermittlung. Mit dem Tochterunternehmen Berkeley Services ist Klüh seit 2010 im Burj Khalifa in Dubai – dem mit 828 Meter höchsten Gebäude der Welt – präferierter Dienstleistungspartner.
Klüh holt in Rosenheim das Team vom Eis
Zurück zum Engagement Klühs bei der DEG. Unvergessen bleiben natürlich auch Episoden wie in der Finalserie 1989. In Spiel drei in Rosenheim hatte es beim Stand von 1:3 aus Düsseldorfer Sicht eine deftige Schlägerei gegeben. Die anschließende Verteilung der Strafminuten brachte die DEG komplett auf die Palme. Auf Anordnung von Klüh fuhr das Team vom Eis – und das vor laufenden Kameras, denn das Spiel wurde live im Fernsehen übertragen. Nachdem die DEG nach einer gewissen Wartezeit nicht mehr zurückkam, wurde das Spiel nach 54:16 Minuten abgebrochen – und letztlich mit 5:0 für Rosenheim gewertet. Ein Skandal. Aber eben auch ein Beweis dafür, mit wie viel Herz Josef Klüh für die DEG dabei war.
Doch mit Klüh sind nicht nur die glorreichen Jahre verknüpft. 1998 legten er und der gesamte Vorstand ihre Ämter nieder. Der Verein hatte Einnahmen am Finanzamt vorbeigeschleust. Nach Ermittlungen des Finanzamtes und einer Selbstanzeige zahlte Klüh 1,5 Millionen Mark an die Finanzbehörden. Es war eines der dunkelsten Kapitel in nunmehr 90 Jahren Vereinsgeschichte.
Trotzdem sind seine Verdienste um die Düsseldorfer EG und das Eishockey unstrittig. 2012, als der Verein nach dem Ausstieg von Hauptsponsor Metro finanziell japste, stieg Josef Klüh noch einmal als Sponsor mit ein. Doch bei der DEG erinnern sie sich vor allem an den Präsidenten. Den Lenker aus der erfolgreichsten Zeit. Immer authentisch, aber nie mit Fassade und Attitüde.
