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Foto: Imago

Fußball

Alles auf Anfang bei Fortuna

Neuer Trainer muss den Weg aus der Krise finden

Von Norbert Krings – Gerade einmal zwölf Tage hat Markus Anfang Zeit, um Fortuna Düsseldorf auf den richtigen Weg zu bringen. Sein Pflichtspieldebüt wird ein Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am Freitag kommender Woche sein. Alles andere als ein Sieg wäre fatal für den neuen Mann an der Seitenlinie, denn nur mit einem überzeugenden Auftritt und drei Punkten, kann der 51-Jährige beweisen, dass der Schritt, Daniel Thioune trotz Rückendeckung der Mannschaft zu feuern und ihn zu installieren , der richtige war. 

Fortuna Düsseldorf hatte bereits am Tag nach der Pleite gegen Nürnberg die Reißleine gezogen und alles auf Anfang gesetzt. Es dauerte bis Montag, nachdem die interne Analyse und das Gespräch mit Daniel Thioune längst beendet waren, als Klaus Allofs den neuen Trainer Markus Anfang präsentierte. Mit zündenden Ideen und zwei neuen Co-Trainern soll Fortunas Ex-Profi für frischem Wind sorgen, den Trend umkehren und die hohen Ziele der Vereinsführung nach schlechtem Start doch noch erreichen. Und das kann nach den Investitionen in die Mannschaft und der nicht gerade rosigen Finanzlage eigentlich nur der Aufstieg am Ende der Saison sein.

In Markus Anfang kommt ein Trainer, der sich in der jüngeren Vergangenheit nicht nur mit Ruhm bekleckert hat. Ein gefälschter Impfpass hat das Aus seiner Bundesliga-Amtszeit bei Werder Bremen 2021 bedeutet. Obwohl die Mannschaft des 1.FC Köln zwei Jahre zuvor nach drei Niederlagen in Folge noch Aufstiegschancen hatte und später die Chance auch nutzte, musste Anfang damals in Köln ebenfalls vorzeitig in der finalen Saisonphase seinen Posten räumen. Und auch in der Saison 2024/25 in Kaiserslautern erfuhr er ein ähnliches Schicksal - damals zwei Spieltage vor Ende der Saison, ebenfalls nach drei Niederlagen in Folge. Die Pfälzer verpassten dann anschließend den Aufstieg.

In Düsseldorf erhält der 51 Jahre alte Coach und Ex-Fortune (1995-97, sowie 2006-08) eine neue Möglichkeit, endlich mit einer Mannschaft den Bundesliga-Aufstieg zu schaffen. Bei seiner Vorstellung am Montagmittag gab Anfang eine gute Figur ab. Er erklärte keineswegs, was Daniel Thioune in dieser Saison alles falsch gemacht habe, sondern er lobte dessen Arbeit und ging auf die Erfolge seines Trainerkollegen in den vergangenen drei Jahren ein. „Er hat hier einen tollen Job gemacht“, sagte er. Anfang selbst werde versuchen, mit Thioune zu telefonieren, um ein paar Tipps und Hinweise zu dieser Aufgabe zu erhalten. „Ich würde nie etwas Schlechtes über Daniel sagen, so wünsche ich ihm auch alles Gute.“ Ob das Telefonat zustande kommt, sei mal dahingestellt, aber über den Charakter seiner Mannschaft, die bis zum Schluss hinter ihm stand, wird Thioune sicherlich nichts Schlechtes berichten.

„Fortuna ist ein großer Verein, ich freue mich hier als neuer Trainer arbeiten zu können“, sagte Anfang, der glaubt, dass ihn die Traditionsvereine irgendwie anziehen. „Wenn man diese Chance bekommt, ist es auf jeden Fall für mich eine interessante Aufgabe.“ Er habe große Lust bei Fortuna etwas zu entwickeln und die Mannschaft weiterzubringen. Fortuna sei auch in der jüngeren Vergangenheit immer eine wichtige Anlaufstelle für ihn gewesen. „Es ist eine besondere Aufgabe für mich, weil ich gefühlt wieder nach Düsseldorf zurückkomme.“ Doch tatsächlich er sei jetzt in einer anderen Funktion zum ersten Mal bei Fortuna. 

Fans wollen Spielwitz, Leidenschaft und vor allem Heimsiege sehen

Doch wie will Anfang den Trend umkehren, das Team der Fortuna wieder in die Erfolgsspur führen, die wieder Hoffnungen auf das Erreichen der hochgesteckten Saisonziele zulässt? Er plant die Spieler im Team weiterentwickeln, die Spiele so gestalten, dass eine größere Siegchance besteht. „Wir keineswegs in die Partien gehen, um nicht zu verlieren. Sondern wir wollen auf Sieg spielen. Das ist das Credo meiner ganzen Jahre als Trainer“, sagte Anfang. „Diesen Geist wollen wir bei Fortuna umsetzen und die Mannschaft besser machen.“ Er wolle nicht zurückschauen, sondern die aktuelle Situation ins Auge fassen. Man müsse nun die Mannschaft da abholen, wo sie derzeit steht, um wieder erfolgreich zu sein.

Das sind die typischen Sprüche nach einem Trainerwechsel. Zu viel will kein neuer Coach bei seiner Amtsübernahme versprechen. Und es ist mehr nötig, um den Trend vor allem in den Heimspielen umzukehren. Denn in der Auswärtstabelle ist die Fortuna Dritter (!) mit der gleichen Punktzahl (9) wie der Erste, die SV Elversberg. Die Spieler müssen daheim anders auftreten als bisher. Das Abwarten und erst einmal hinten gutstehen, hieße gleichzeitig viel zu wenig Energie für die Vorwärtsbewegung aufzuwenden. Das Tempo stimmte nicht, das „überladene“ Zentrum fand außen keine Anspielstationen, und diese Taktik wussten die Gegner schnell zu durchschauen. Zudem hatte es die Fortuna in den drei ersten Heimspielen mit Topteams (Hannover, KSC und Darmstadt) zu tun, die mit eingespielten Mannschaften defensiv nichts oder nur wenig zugelassen hatten.

Markus Anfang muss seinem Team wieder ein Dominanzgefühl verleihen. Die Spieler sollten mit ihrem Auftreten deutlich machen, dass der Gegner gerade in der MERKUR SPIEL-ARENA nicht zu bestellen hat. Die Abläufe sollten unbedingt automatisiert werden, ein Konzept muss deutlich und die Flügel wie angesprochen besser eingebunden werden. 

Viel wichtiger ist aber die psychische Komponente. Denn die schlechte Heimbilanz schwebt wie ein Damoklesschwert über der Fortuna. Anfang muss es schaffen, den Fans daheim ein gutes Gefühl mit der Spielweise seiner Mannschaft zu geben. Ein ständiges Zurückspielen, um dann dem Gegner mit langen Bällen wieder ins Spiel zu bringen, muss der Vergangenheit angehören. Spielerische Elemente wie Doppelpässe, sinnvolle Dribblings, geschickt ausgeführte Standardsituationen, kluges Spiel über die Flügel mit genauen Flanken  und besser vorbereitete Abschlüsse sollten zur Planung und zu den Trainingsinhalten des neuen Trainers zählen. Anfang wird jedenfalls in Düsseldorf nicht allein funktionieren, nur weil er für vier Jahres das Trikot des Vereins getragen hat und Fortuna-Blut in sich spürt. 

Allofs spielt wirtschaftliche Folgen der Trainer-Entlassung herunter

Ein deutliches schlechteres Bild als sein neuer Trainer gab Klaus Allofs ab, der offensichtlich in den beiden vorangegangenen Nächten nicht allzu viel Schlaf gefunden zu haben schien. Seine Ausführungen bei der Trainer-Präsentation waren wenig strukturiert und fast etwas fahring. Erst auf Nachfrage bedankte sich der Sportvorstand von Fortuna Düsseldorf für die von Daniel Thioune geleistete Arbeit. „Bei unserer Analyse kamen wir zu dem Ergebnis, diesen Schritt zu gehen“, war vom Sportvorstand die einzige halbwegs nachvollziehbare Erklärung, warum es zur Entlassung von Daniel Thioune gekommen war. „Wir sind sehr dankbar für die drei erfolgreichen Jahre und den Weg, den wir mit ihm gegangen sind“, sagte Fortunas Sportvorstand dann erst im Nachgang. „Daniel Thioune war sportlich und menschlich ein echter Botschafter für den Verein.“ Um so bedauerlicher sei dann die Entscheidungsfindung gewesen, dass der Weg dann ohne ihn bei Fortuna weitergeht. Das war es dann aber auch in dieser Hinsicht. Weitere Gründe, die zur Entlassung führten, wollte Allofs offensichtlich nicht ansprechen. Er erklärte nur, dass es eine schwere Entscheidung gewesen sei und dass die Trennung etwas mit den Menschen gemacht habe.

Die wirtschaftliche Bedeutung der vorzeitigen Entlassung, nachdem der Vertrag mit Thioune in einer schlechten Phase im vergangenen Herbst um drei Jahre ohne Not verlängert worden war, spielte Fortunas Sportvorstand lapidar und fast schon arrogant herunter. „Wir müssen nicht damit rechnen, dass Daniel in den nächsten drei Jahren kein Trainer mehr ist“, sagte Allofs. Er werde schnell einen neuen Verein finden, meinte Allofs. Fortunas Sportvorstand ergänzte, dass es damals keine Alternative zur Vertragsverlängerung gegeben hätte. Er stellte die Maßnahme so in den Kontext, dass Thioune ohne die Verlängerung dann wohl Fortuna vorzeitig verlassen hätte. Das war insgesamt keine Würdigung, die der menschlich so integere Daniel Thioune verdient hätte. Markus Anfang hat übrigens einen Vertrag zunächst für anderthalb Jahre erhalten.